Bei Zertifikaten nicht nur auf Ratings setzen
Stuttgart/München (dpa/tmn) Die Kurse an den Börsen sind weiter im Keller. Gerade in solchen Zeiten greifen seit einigen Jahren immer mehr Anleger zu Zertifikaten. Die mittlerweile riesige Auswahl ist aber verwirrend.
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Bewertungen von Rating-Agenturen, wie sie bei Fonds längst üblich sind, sollen nun Abhilfe schaffen. Experten empfehlen aber, die Aussagekraft der Ratings nicht zu überschätzen.
Eine Messlatte, wie sie verschiedene Analyse-Agenturen inzwischen bieten, ist grundsätzlich nicht verkehrt: «Mehr Ordnung im Markt ist für Anleger prinzipiell positiv», sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. Ratings bündeln in einer Kennzahl - etwa in Form von Sternen oder Schulnoten -, ob das Papier im Vergleich empfehlenswert ist. Blindes Vertrauen ist aber nicht ratsam.
«Die jüngste Finanzkrise zeigt, dass sich so manches Urteil über ein Wertpapier oder ein Bankhaus als zu positiv herausgestellt hat», warnt Markus Straub, Vorstand der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) in München. Außerdem seien Zertifikate noch schwieriger als andere Finanzprodukte zu untersuchen. Anlegerschützer bezweifeln daher, ob die Agenturen ein umfassend aussagekräftiges Urteil fällen können. Sie versuchen es trotzdem, und die Bewertungsmodelle unterscheiden sich zum Teil.
Die Agentur Scope etwa hat ihr Rating jüngst überarbeitet. Nun soll - vereinfacht formuliert - bei den meisten Produkten eine Anzahl von Sternen ausdrücken, inwiefern ein Anleger damit rechnen kann, dass er im Plus liegt, wenn er das Zertifikat bis zum Ende der Laufzeit hält. Bei fünf Sternen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, bei einem eher gering. Einen anderen Ansatz verfolgt das Rating von FWW. Die Analysten zeichnen Produkte einmalig bei der Emission aus. 50 Kriterien liegen zugrunde. Bekanntgegeben werden bislang aber nur Resultate über Papiere, die mit «sehr gut» oder «gut» abschneiden.
Bei schlechteren Noten lautet der Stempel «non rated» für «nicht bewertet». Noch im ersten Halbjahr 2008 will der Deutsche Derivate Verband in Frankfurt/Main ein Rating einführen, das vom Analysehaus XTP Transaction Partners entwickelt wurde. Dass hinter dem Rating der Verband der Zertifikate-Branche selbst steckt, ist für Anlegerschützer Straub allerdings ein großes Manko.
INFO: Vorbereiten und in der Bank bei Ratings nachfragen
In der Praxis kaufen die meisten Anleger Zertifikate nicht in Eigenregie - sie folgen Empfehlungen ihrer Bankberater. Das ist die Erfahrung von Anlegerschützern. Sie befürchten, dass schlechte Ratings in solchen Gesprächen unter den Tisch fallen und hohe Risikoklassen heruntergespielt werden. Markus Straub von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger in München daher zur aktiven Nachfrage: «Kunden sollten sich genau erklären lassen, was sie bedeuten.» Und von Vorteil ist es, sich vorher über die Einschätzungen der Analyse-Agenturen kundig zu machen.
Finanzportal OnVista: www.onvista.de
Börse Stuttgart: www.euwax.de
Bewertung von Anlagezertifikaten: www.fww-ratings.de
Deutscher Derivate Verband e.V.: www.deutscher-derivate-verband.de








