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Medienhaus Lensing
13.12.2011 05:00 Uhr
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Exklusiv-Interview: Lambertz-Chef Bühlbecker: Der Hoflieferant von Welt

AACHEN. Aachener Printen sind weltweit ein Begriff – dank Hermann Bühlbecker. Mit dem Inhaber der Lambertz-Gruppe sprachen Uwe Becker und Torsten Storks.Von Uwe Becker und Torsten Storks

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Hermann Bühlbecker: Ich esse viel Süßes, ich esse zwar nicht alles auf, aber ich probiere umso mehr.« (Foto: Lambertz)

Herr Bühlbecker, wann kommen bei Ihnen erste Weihnachtsgefühle auf?
Eigentlich schon Ende Januar, Anfang Februar eines jeden Jahres.

So früh?
Ja. Dann findet in Köln die Internationale Süßwarenmesse statt, auf der wir dem Fachhandel unsere neueste Herbst- und Weihnachtskollektion vorstellen. Im Juni/Juli beginnen wir schließlich mit der Produktion. Ende August Anfang September startet die Auslieferung.

Einigen Menschen stößt es bitter auf, wenn sie im September oder Oktober Weihnachtsgebäck in den Regalen liegen sehen.
Unsere Produkte sind schon seit vielen Jahren keine reinen Weihnachtsartikel mehr. Wir selber sprechen von Herbst-Weihnachts-Produkten. Ich denke da an Dominosteine, Printen oder gefüllte Lebkuchenherzen. Auf den Verpackungen finden Sie keine weihnachtlichen Motive. Außerdem würde der Handel niemals seine besten Plätze im September für dieses Gebäck räumen, wenn er darauf sitzen bleiben würde.

Hat Ihnen das warme Wetter in den vergangenen Wochen Bauchschmerzen bereitet?
Das kann man schon sagen. Es sind trotzdem große Mengen verkauft worden. Aber es besteht überhaupt kein Zweifel, dass Lebkuchen kühle Bedingungen brauchen. Unsere Branche ist extrem wetterabhängig.

Welche Rolle spielt die Konjunktur?
Wir sind überhaupt nicht konjunkturanfällig. Das gilt auch, wenn sich die Euro- und Finanzkrise noch verschärfen sollte. Bei uns bekommt der Kunde für wenig Geld hochwertige Produkte und das weiß er auch in schlechten Zeiten zu schätzen. Mit Blick auf das diesjährige Weihnachtsgeschäft denke ich, dass wir es wegen des warmen Herbstes mit einem leichten Minus abschließen werden.

Lambertz bietet ja nicht nur saisonale Produkte – sondern inzwischen auch so genanntes Ganzjahresgebäck wie Mandelhörnchen oder Nussecken – an. Wie verteilt sich das auf den Umsatz?
Die Ganzjahresartikel machen mittlerweile fast sechzig Prozent des Umsatzes aus. Diese Produkte haben den Vorteil, dass man sie von Januar bis Dezember und vor allen Dingen gut im Ausland vermarkten kann.

Darauf kommen wir noch. Stimmt es, dass Sie auch Aldi beliefern?
Ja, wir beliefern wie viele Markenhersteller auch den Discount. Wie jeder weiß, stellt Aldi höchste Qualitätsansprüche. Daneben produzieren wie auch Eigenmarken für Rewe, Edeka und andere. Die Musik spielt heutzutage im Lebensmittelhandel. Dem Fachhandel bleiben wir aber treu.

Der deutsche Gebäckmarkt ist nach Ihren Angaben so ziemlich gesättigt. Wo sehen Sie Wachstumschancen?
Dazu gehört sicherlich Osteuropa. Wir haben schon vor zehn Jahren eine Fabrik in Polen gebaut. Dort sind wir heute flächendeckend in allen großen Lebensmittelketten vertreten. Polen dient uns zudem als Brückenkopf. Von dort konnten wir unser Osteuropa-Geschäft weiter ausbauen: zum Beispiel in Kroatien, die Ukraine, Russland etc. Große Wachstumschancen sehe ich auch in den USA, wo wir vor anderthalb Jahren eine eigene Vertriebs-Gesellschaft gegründet haben.

Schmecken den Amerikanern Ihre Produkte?
Lassen Sie mich das mal vorsichtig sagen. Hier sehen wir deshalb große Wachstumschancen, weil die Amerikaner bei Süßwaren in der Vergangenheit noch relativ unterentwickelt waren. Inzwischen ist dort aber auch eine Marke wie Lindt ein Begriff. Ich kann mir durchaus vorstellen, in einigen Jahren in den USA eine eigene Produktion für Ganzjahresgebäck aufzubauen.

Was ist mit dem prosperierenden China?
Natürlich muss man auch China im Auge behalten. Dort sind wir zwar schon über Unternehmen wie Metro und Walmart vertreten, gleichwohl ist es in solchen Ländern mit der Vermarktung von Lebensmitteln grundsätzlich nicht so einfach wie zum Beispiel mit Autos. Die Essgewohnheiten sind immer sehr regional geprägt.

Das Weihnachtsgeschäft in Deutschland läuft – was wird von den Verbrauchern denn am meisten gekauft?
Am stärksten gehen Herzen-Sterne-Brezeln, gefüllte Lebkuchenherzen, Nürnberger Lebkuchen und Dominosteine.

Was ist mit den Printen?
Mit Lambertz und Kinkartz sind wir Marktführer, diese repräsentieren aber nur noch sieben Prozent unseres Umsatzes bei steigender Absatzmenge.

Ehrlich gesagt haben wir uns den Lambertz-Chef fülliger vorgestellt. Sie sehen so schlank und drahtig aus. Mögen Sie keine Süßigkeiten?
Und ob. Ich esse viel Süßes, ich esse zwar nicht alles auf, aber ich probiere umso mehr. Neue, eigene Produkte, aber auch Wettbewerbsprodukte. Allerdings bewege ich mich auch sehr viel. Ich habe in jungen Jahren Tennis in der höchsten deutschen Spielklasse und auch international gespielt. Im vergangenen Jahr habe ich noch bei dem Länderkampf England-Deutschland in Wimbledon mitgespielt. Außerdem unterhalten wir eine eigene Bundesliga-Mannschaft. Dazu gehören unter anderem Philipp Kohlschreiber, Florian Mayer und Philipp Petzschner.

Sie machen keine klassische Werbung, leben einzig und allein vom Markenmythos, den Sie persönlich hegen und pflegen.
Wir sind ja aus der Tradition des Hoflieferanten gekommen. Lambertz war früher der Hoflieferant des Königs von Preußen. Unsere Produkte galten von je her zu den Besten. Diesen Umstand haben wir zur Marketingstrategie erhoben.

Wie es aussieht, mit Erfolg: Deutsche Außenminister, Bundeskanzler und -präsidenten sollen nicht selten Gebäck aus Ihrem Hause auf Staatsbesuche mitnehmen.
Das ist richtig. (Bühlbecker zeigt auf eines der vielen Bilder in dem eher schlicht gehaltenen Konferenzraum, auf dem der britische Thronfolger Prinz Charles herzhaft in eine Printe beißt.)

Prof. Dr. rer. pol. Senator h.c. Hermann Bühlbecker ist aber nicht nur in der Politik und Wirtschaft bestens verdrahtet. Sie sind auch mit etlichen nationalen und internationalen Showgrößen zumindest gut bekannt. Wie haben Sie das geschafft?
Das liegt an unserem innovativen Marketing. Wir wollen stets interessante Geschichten rund um unsere Produkte kreieren. Dazu gehört auch die 1998 ins Leben gerufene Lambertz Monday Night, die mittlerweile jedes Jahr den Höhepunkt der Süßwarenmesse in Köln bildet.

Und sich zu einem der gesellschaftlichen Ereignisse in Europa gemausert hat.
Es gibt Stimmen, die behaupten das. Wir nutzen auch dieses Event als Plattform, um eine Hommage an das Süße zu machen. Wir präsentieren dort Kleider und Portraits aus Schokolade, süßes Bodypainting und vieles mehr. Mittlerweile werden die Karten zu dieser Veranstaltung zum Teil bei Ebay zu Höchstpreisen für einen guten Zweck ersteigert.

Was bedeutet es Ihnen, einer der 500 reichsten Deutschen zu sein?
Das ist mir überhaupt nicht wichtig. Schließlich ergreifen wir viele Initiativen zum Thema gesellschaftliche Verantwortung. Außerdem misst sich der Wert des Lebens nicht daran, in irgendwelchen Listen zu stehen. Am Ende des Tages zählt für mich persönlich ausschließlich das, was man nicht für Geld kaufen kann. Der größte Luxus für mich ist Freizeit.


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