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Medienhaus Lensing
09.02.2012 16:18 Uhr
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70.000 Arbeitnehmer betroffen: Seelische Erkrankungen häufigste Ursache für Frühverrentungen

Salzgitter Psychische und psychosomatische Erkrankungen werden zunehmend als ein gesellschaftliches Problem erkannt. Vor dem Hintergrund des erwarteten Fachkräftemangels wollen Arbeitgeber und Betriebsärzte das Problem stärker in ihren Fokus rücken und das Thema enttabuisieren.dpa

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Psychische Gesundheit und die Wiedereingliederung im Betrieb stehen im Mittelpunkt einer Fachtagung in Salzgitter. Psychische Erkrankungen gelten als häufigste Ursache für Frühverrentungen. Foto: Julian Stratenschulte (Foto: dpa)

Seelische Erkrankungen sind die häufigste Ursache für Frühverrentungen. Deshalb wollen Arbeitgeber und Betriebsärzte sich stärker auf psychische Probleme im Arbeitsalltag konzentrieren. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) setzen sich vor allem für eine bessere Vernetzung aller Beteiligten ein. „Früherkennung, eine zeitnahe Behandlung und die Wiedereingliederung sind in hohem Maß erfolgsrelevant“, sagte VDBW-Präsident Wolfgang Panter am Donnerstag bei einer großen Fachtagung in Salzgitter.

"Es ist kein medizinischer Begriff"

Dort trafen sich mehr als 100 Vertreter von großen Unternehmen, Krankenkassen, Gewerkschaften, der Rentenversicherung sowie Betriebsärzte und Wissenschaftler zu einer Fachtagung. Den Begriff „Burnout“ sahen alle problematisch. „Es ist kein medizinischer Begriff“, betonte BDA-Geschäftsführer Alexander Gunkel. Einerseits stelle er eine Chance dar, Aufmerksamkeit zu gewinnen, andererseits würde er psychische Probleme auf Überforderung reduzieren.

Viele Experten sehen „Burnout“, die völlige seelische Erschöpfung, als eine Unterform der Depression an. Schlagzeilen über „ausgebrannte“ Prominente wie Profifußballer Sebastian Deisler, Medienwissenschaftlerin Miriam Meckel oder jüngst auch Ex-Schalke-Trainer Ralf Rangnick ließen den Eindruck entstehen, es handele sich um eine Promi-Krankheit. Die Stars bilden aber allenfalls die Spitze des Eisbergs. Arbeitslose weisen nach Krankenkassen-Erkenntnissen durchschnittlich die meisten psychischen Krankheitstage auf. Gewerkschaften halten auch Leiharbeiter wegen häufig prekärer Arbeitsbedingungen und Entlohnung für höchst gefährdet und dringen auf Änderung.

Wachsende Fehlzeiten

„Die Probleme mit den wachsenden Fehlzeiten und Frühverrentungen aufgrund psychischer Störungen lassen sich nur im Zusammenwirken aller Beteiligten lösen“, betonte Gunkel. 2010 seien bundesweit 70 000 Arbeitnehmer wegen einer seelischen Erkrankung frühzeitig aus dem Beruf ausgeschieden. Damit seien psychische und psychosomatische Probleme der häufigste Grund für Frühverrentungen.

Ein Kernproblem sind bei der Behandlung die langen Wartezeiten auf eine ambulante Therapie. „Sind die Betroffenen erstmal Wochen oder gar Monate aus dem Arbeitsprozess, wird eine Wiedereingliederung immer schwieriger“, sagte Gunkel.

Thema wird immer wichtiger

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und dem damit verbundenen Fachkräftemangel wird das Thema immer wichtiger. „Das sollte allen Unternehmen bewusst sein“, sagte Gunkel. Er appellierte an alle Arbeitgeber, die Betriebsärzte auch im Bereich der seelischen Erkrankungen verstärkt zu nutzen.

„Durch Koordination und Vermittlung können sie einen wichtigen Beitrag zur richtigen und ausreichenden Behandlung leisten“, sagte Panter. Die Ärzte sollten in den Betrieben kompetent informieren, Risiken erkennen, frühzeitig beraten und bei Lösungen mitwirken. Das Thema müsse insgesamt enttabuisiert werden.

Salzgitter hat Betreuungsmodell entwickelt

Der Tagungsort wurde nicht zufällig gewählt, die Salzgitter AG hat gemeinsam mit der TU Braunschweig ein Betreuungsmodell entwickelt, das bereits alle Beteiligten vernetzt und eine nahtlose Therapiekette gewährleisten soll.
„Wir haben rund 12 000 Untersuchungen an 6000 Beschäftigten pro Jahr“, sagte Betriebsarzt Bernhard Koch. Durch eine Kooperation mit der TU-Braunschweig können betroffene Mitarbeiter unter anderem mit einer schnellen ambulanten Therapie rechnen.
 



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