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Medienhaus Lensing
SC Preußen Münster
29.07.2010 18:08 Uhr
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Saisonstart: Trends und Euphorie lassen auf sich warten

MÜNSTER Es ist vergleichsweise ruhig rund ums Stadion an der Hammer Straße. Ungewöhnlich für den SC Preußen. Gerade jetzt, da eine wegweisende Saison, das Gastspiel des vorletzten Deutschen Meisters im DFB-Pokal und immerhin auch noch das Westfalenpokal-Finale beim SC Verl auf dem Plan stehen. So ist der Verein vielleicht. Für Überraschungen stets zu haben.Von Thomas Rellmann

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Ob wieder 18 080 Zuschauer gegen den VfL Wolfsburg kommen, ist noch offen. Die Preußen-Fans geben sich derzeit noch sehr zurückhaltend. (Foto: Alexander Engels)

Vor einem Jahr umgab die Preußen eine riesige Euphorie. Der Aufstieg war unumwundenes, in Fankreisen fast zwingendes Ziel. Diesmal klingt das vielerorts defensiver. „Eine Meisterschaft ist nicht planbar“, lautet der Tenor. Auch wenn aus mehreren Sichten ein Aufstieg dringend ratsam wäre. Im Pokal wartete 2009 Hertha BSC Berlin, die Sympathisanten standen Schlange vor den Kassenhäuschen. Knapp zwei Wochen vor dem Auftritt der Hauptstädter waren damals schon 16 400 Tickets verkauft und das Fassungsvermögen auf 18 080 Plätze ausgedehnt.

11000 Karten für das Wolfsburg-Spiel verkauft

Etwas mehr als 14 Tage sind’s bis zum Gastspiel des VfL Wolfsburg. 11 000 Karten hat der Klub abgesetzt. „Die 15 000 werden wir wieder erreichen“, sagt Präsident Dr. Marco de Angelis. Die Stadt hat zudem das Signal erteilt, das Platzangebot erneut aufstocken zu können. Bei Bedarf. Nun locken in diesem Fall den Preußen-Anhänger Top-Stars wie Grafite oder WM-Teilnehmer wie Arne Friedrich weniger als ein reizvoller Name mit Tradition. Den haben die „Wölfe“ nicht. Vor 22 Jahren kämpften die Rivalen gemeinsam um den Zweitliga-Aufstieg.

Doch das ist längst nicht der einzige Grund für die Zurückhaltung vieler Fans. Vielmehr haben die sportlichen Rückschläge der vergangenen Dekade, speziell der Saison 2009/10, Spuren hinterlassen. So sehen es
jedenfalls Klaus Volmer und viele seiner Bekannten aus der Anhängerschaft. „Ich warte lieber noch ab“, sagt der 42-Jährige. „Und zwar, bis die ersten zwei, drei Partien gegen zweite Mannschaften gespielt sind. Die werden der Schlüssel.“ Seit 30 Jahren ist er Dauergast bei den Preußen. Er sagt: „Wir sind inzwischen entwöhnt, gerade nach der letzten Spielzeit.“ Totaler Pessimist mag er dann aber doch nicht sein: „Die Testspieleindrücke haben mich schon überzeugt. Gut ist auch, dass sich der Trainer noch beweisen muss.“

Gedämpfte Erwartungen

Die gemäßigten Erwartungen erklärt sich auch de Angelis vor allem mit dem miserablen Start in die letzte Spielzeit (fünf Spiele, vier Niederlagen). Dennoch: „Es läuft ruhig, aber auch hoffnungsvoll“, sagt er. „Ich sehe verheißungsvollen Fußball und eine klare Rangordnung. Es ist absehbar, wie sich das Team zusammensetzt.“ Trainer Marc Fascher will sich zu einzelnen Akteuren und deren Vorbereitung zwar erst in der nächsten Woche äußern und trägt damit nicht gerade zu intensiven oder gar optimistischen Diskussionsrunden bei.

Doch sein Boss hat bereits erkannt: „Die Mannschaft hat einen anderen Charakter. Ich sehe Typen, die uns gut tun. Das Team wirkt erwachsener, reifer.“ Er sieht eine in der Gesamtheit verbesserte Viererkette, zwei Sechser mit hoher Qualität und in der Offensive große individuelle Klasse. Stefan Kühne ist unter den wohl sieben neuen Stammspielern der heißeste Anwärter aufs Kapitänsamt, das heute schon vergeben wird. Auch auf ihn hält der Präsident große Stücke.

Loose unaufgeregt

Gleichwohl hat er ein weniger hibbeliges Umfeld registriert. Für die Spieler gilt die fehlende Aufgeregtheit sowieso. „Wir arbeiten konzentriert und blenden alles andere aus“, sagt Flügelflitzer Julian Loose, der vor seinem dritten Preußen-Jahr steht. Große Unterschiede hat der 25-Jährige nicht ausgemacht. „Ich denke aber, es ist diesmal ein Vorteil, dass vor der Pokalrunde das Ligaspiel in Wuppertal kommt.“ Die Rückkehr in den Alltag sei so womöglich leichter. Die Ruhe vor dem Start. Sie kann sogar förderlich sein. Sicher ist: Sie wird sich noch früh genug auflösen. In Euphorie oder Tristesse.

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