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Medienhaus Lensing
UBC Münster
03.08.2010 07:00 Uhr
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Interview: Bundestrainer Bauermann: "Der Lebensnerv unserer Sportart"

MÜNSTER Knapp zwei Wochen nachdem der Rechtsausschuss des Deutschen Basketball-Bundes die Ausländerbeschränkung in der 1. Regionalliga auf Antrag des TV Werne gekippt hat, schlägt das Urteil noch immer hohe Wellen. Bundestrainer Dirk Bauermann hat ein ureigenes Interesse an einer sachlichen Regelung, wie er in diesem Interview erläutert.Von Thomas Rellmann

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Bezieht Stellung: Dirk Bauermann. (Foto: dpa)

Dabei macht der 52-Jährige deutlich, dass er die Angelegenheit ähnlich sieht wie Götz Rohdewald. Der Coach des UBC Münster hatte zuletzt heftige Kritik an der Aufhebung der Regulierung geäußert und war vor allem seitens des TV Werne dafür scharf attackiert worden. Bauermann möchte sich am westfälischen Disput natürlich nicht beteiligen. Er sieht das große Ganze.

Wie kommt der Bundestrainer dazu, sich einer Thematik der 4. Liga anzunehmen?
Bauermann: Weil sie eine Bedeutung für den gesamten Basketball in Deutschland hat. Die Diskussion gibt es seit mehreren Jahren. Es gab sie in der BBL, in der Pro A und Pro B (zweigleisige 2. Liga). Und es handelt sich um eines der Kernthemen des deutschen Basketballs.

Auch unterhalb des Bundesliga-Bereichs?
Bauermann: Ja, gerade da. Junge Spieler müssen doch adäquate Möglichkeiten sehen, selbst zu spielen. Sonst können sie sich nicht entwickeln. Nur wenn sie als Junioren die Perspektive erkennen, irgendwann in die erste Mannschaft zu gelangen, werden sie entsprechend Intensität und Umfänge trainieren, um auf einem hohen Niveau anzukommen.

Liegt in diesem Punkt also der eigentliche Wert einer 1. Regionalliga?
Bauermann: Für mich zählt ja nicht nur der Profi-, sondern auch der Amateursport. In dieser Klasse ist er doch schon teils semiprofessionell. Ich finde es unentschuldbar, wenn man meint, sich in diesem Bereich nicht um die Jugendarbeit kümmern zu müssen. Wenn der Nachwuchs zehn Amerikaner auf dem Parkett sieht. Auch wenn das Ganze die Hoheit der Landesverbände betrifft, halte ich es für ein übergeordnetes Thema. Es geht um den Lebensnerv unserer Sportart.

Klingt, als sei Ihnen die Basis besonders wichtig.
Bauermann: Natürlich. Man darf doch nicht nur die Spitze sehen. Die Regionalliga liegt mittendrin, ist aber eine zentrale Schnittstelle, eine ganz wichtige Ebene mit einem Erfolgs- und Leistungsanspruch. Gerade dort müssten viele, viele Talente entdeckt werden. Es gibt doch weitaus mehr Viert- als Erstligisten, dort wird doch ein viel größeres Maß an Spielern ausgebildet. Wenn ich beim UBC spiele und 14, 15 bin und zu einem Spiel der Regionalliga-Mannschaft gehe, da ist es doch mein Ziel, es irgendwann dorthin zu schaffen. Das war jedenfalls bei mir so als junger Spieler in Krefeld. Spielen zehn Amis, geht die Motivation flöten. Das ist doch ganz logisch.

Wie groß ist nun Ihre Möglichkeit der Einflussnahme als Bundestrainer? Können Sie nur warnen?
Bauermann: Die Sache entzieht sich natürlich meinem Verantwortungsbereich. Die Einflussnahme ist nicht direkt. Aber ich werde in nächster Zeit viele Gespräche führen mit Verantwortlichen im Verband und in den Landesverbänden.

Wie sieht denn nun Ihre Idealvorstellung einer Regelung für die 1. Regionalliga aus?
Bauermann: Ich wünsche mir, dass in allen Vereinen ab der Pro B nicht mehr als ein Ausländer spielt, egal ob Amerikaner, Russe. Und man müsste eine Lösung finden für Spieler mit Migrationshintergrund. Wer den Pass nicht hat, aber in unserem Land groß geworden ist, darf nicht unter diese Regel fallen. Denn der Sport besitzt eine große soziale Verantwortung, der man ebenfalls gerecht werden muss. Das sieht man bei uns in der Nationalmannschaft mit Leuten wie Mithat Demirel, das sah man zuletzt auch bei der Fußball-Nationalmannschaft. Es funktioniert.

Ist eine freiwillige Selbstbeschränkung, wie sie die Erstregionalligisten in NRW anstreben, praktikabel?
Bauermann: Es wäre jedenfalls ein sehr wichtiges Signal. Die Proftireure dürften aber nicht die sein, die sich in einer Form von Egoismus nicht dran halten. Es kann doch nicht sein, dass in der Pro A und Pro B alle in Jugendarbeit und Jugendtrainer investieren, während im Amateurbereich komplett andere Regeln gelten. Damit wird doch jede Forderung von mir als Bundestrainer ad absurdum geführt. Eine Selbstverpflichtung wäre ein guter Schritt – aber nicht der Weisheit letzter Schluss. Wenn ein Klub aufsteigen will, hält er sich nicht dran. Im nächsten Jahr sind es dann vier, fünf und dann kann es schnell zum Dammbruch kommen.

Die Liga schimpft auf den TV Werne als Auslöser. Ist der Schwarze Peter nicht auch beim Verband zu suchen?
Bauermann: Es geht nicht um den Verein, den ich gar nicht kenne. Es muss möglich sein, eine Regelung zu finden, die juristischen Prüfungen standhält. Die Verantwortlichen im Landesverband, im WBV, stehen in der Bringschuld. Es wird immer Vereine geben, die sportliche Ziele haben und nicht an ihre Verantwortung denken. Das ist verständlich.

Könnte es nicht sehr schwer werden, einen entsprechenden Passus in der Spielordnung zu formulieren, der ihre Wünsche umfasst?
Bauermann: Was für die BBL und die Pro A und Pro B möglich ist, muss auch hier gehen. Aber das ist die Einschätzung eines Nicht-Juristen.

UBC-Trainer Götz Rohdewald hat deutliche Worte gefunden zu besagtem Urteil.
Bauermann: Ja, das ist sehr erfreulich, wie er sich in den Brennpunkt stellt und eindeutig positioniert. Ich denke, er möchte etwas zurück geben als ehemaliger Bundesliga-Spieler.

Einen Boykott des TV Werne bezeichnete er als allerletztes Mittel. Ein legitimes?
Bauermann: Das muss er selbst wissen. Die Aussage zeigt aber, wie groß die Not ist, und dass eine Regelung von anderer Stelle her muss.

Könnten Sie sich ein Modell vorstellen, bei dem etwa immer drei Deutsche auf dem Platz stehen müssen?
Bauermann: Mir ist das eigentlich noch zu wenig. Ich sage, wir sollten einen, maximal zwei Ausländer pro Team zulassen.


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