Kabarett: 320 Zuschauer wollten "Storno" gar nicht gehen lassen

METELEN Storno? Geht immer. Auch unter der Woche. 320 Leute können nicht irren. Im ausverkauften Bürgerhaus holte das Kabarett-Trio am Dienstagabend gewaltig aus und legte die Irrungen und Wirrungen des politischen und gesellschaftlichen Lebens offen. Ganz so, wie es ihr Ruf verspricht.

  • Das Storno-Trio holte beim Jahresrückblick weit aus und nahm das Metelener Publikum mit auf eine abwechslungsreiche und niemals ernste Reise durch 2012.

    Das Storno-Trio holte beim Jahresrückblick weit aus und nahm das Metelener Publikum mit auf eine abwechslungsreiche und niemals ernste Reise durch 2012. Foto: Zimmer

Und ganz so, wie man sich einen rundum vergnüglichen Abend vorstellt. Als Veranstalter weiß die Kulturinitiative (KIM) um diesen Publikumsgaranten. "Die Karten waren schnell vergriffen", sagte der Vorsitzende Joachim Fontaine. Nicht vorhandene Skepsis wischte er in seiner Begrüßung trotzdem vom Tisch: "In Metelen gibt es keine schmutzige Wäsche zu waschen, das geht immer nur andere an."

Paraderollen

Die Besucher wollten sich gar nicht trennen, als nach zweieinhalb Stunden Schluss sein sollte. Er selbst könne ja noch stundenlang weitermachen, erklärte Harald Funke, der als kleines, rundliches und begriffsstutziges Unikum mal wieder seine Paraderolle neben dem zu Oberlehrer-Gehabe neigenden Jochen Rüther und dem in Beinen, Gesicht und Wortspiel äußerst bewegungsfreudigen Thomas Philipzen spielte. Wenn nur die Kollegen nicht wären.

Zuvor waren die drei prächtig aufeinander eingespielten Akteure auf einen Streifzug durch das fast abgelaufene Jahr gegangen. Felix Baumgartner sei im freien Fall wie der Nikolaus vom Himmel gefallen. Und er war nicht allein: Die FDP, sagte Philipzen, und der 1. FC Köln zum Beispiel haben es ihm gleichgetan. Sorgen macht sich Storno um die Demokratie, die Kabarettisten überlegen, wie es wäre, wenn der Rapper Bushido in die politische Elite aufsteigt. "Ich versprech' mehr Netto vom Ghetto", rappen die drei. Und bestimmt stünde Bushido zur Fäkalunion. Oder war's vielleicht die Fiskalunion?

Scheues Reh

Die Finanzkrise - ein dankbares Thema. "Das Kapital ist ein scheues Reh, es flieht aus Griechenland, Italien und Spanien. Es ist auf der Flucht", hob Rüther zu Erklärungen an. "Ich gewähre ihm Asyl", kehrte Funke seine soziale Ader hervor. Die Steuer-CD habe wahre Flüchtlingstrecks in die Schweiz ausgelöst, "die armen Leute müssen jetzt als Boatpeople auf dem Genfersee darben". Die ganze Misere wird besungen, einige Stimmlagen höher imitiert Storno die Bee Gees und lässt sich zur Melodie von "Night fever" über "diese Scheiß-Krise" aus.

Themen, die die Republik bewegten, gab es zuhauf: Energiewende, Olympiade, Fußball-Europameisterschaft, das Betreuungsgeld, die Salafisten, Organspende, digitale Demenz und die älter werdende Gesellschaft sowie Bücher, die keiner braucht, wie das von Bettina Wulff. Ernste Sachen? Nicht mit Storno.

Autor
Dorothee Zimmer
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    12. Dezember 2012, 15:20 Uhr
    Aktualisiert:
    17. Dezember 2012, 11:44 Uhr
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