Neue Trinkwasserverordnung: Gesundheitsamt: Legionellen-Kontrollen nicht umsetzbar

MÜNSTER Ein besserer Schutz vor tödlichen Bakterien - am Ziel der neuen Trinkwasserverordnung, die seit Dienstag bundesweit gilt, gibt es nichts zu kritisieren. Wohl aber am Weg dorthin. Die Verordnung, sagt das städtische Gesundheitsamt, ist in ihrer jetzigen Form schlicht nicht umzusetzen. Hausbesitzer müssen deshalb erst mal nicht mit Kontrollen ihrer Wassertanks rechnen.

  • Besitzer von Mietshäusern müssen ihr Trinkwasser künftig einmal pro Jahr auf Legionellen testen lassen. Den Kommunen fehlt für die nötigen Kontrollen allerdings das Personal.

    Besitzer von Mietshäusern müssen ihr Trinkwasser künftig einmal pro Jahr auf Legionellen testen lassen. Den Kommunen fehlt für die nötigen Kontrollen allerdings das Personal. Foto: dpa

Alle zentralen Warmwasserbehälter, die mehr als 400 Liter fassen, müssen künftig einmal im Jahr auf Legionellen untersucht werden. Mit dieser Vorschrift nimmt die Trinkwasserverordnung die privaten Hausbesitzer beim Kampf gegen die gefährlichen Krankheitserreger in die Pflicht. Bisher wurden nur öffentliche Gebäude wie Krankenhäuser, Altenheime oder Hotels regelmäßig überprüft.

Nun muss auch in fast jedem Mietshaus ein zertifiziertes Labor Wasserproben nehmen und sie auf Legionellen-Befall untersuchen. Dr. Michael Lürwer, Chef der Hygiene-Abteilung im Gesundheitsamt, schätzt, dass drei Viertel aller größeren Wohngebäude Münsters davon betroffen sind. Das Ergebnis der Tests hat der Hausbesitzer zu melden. Wenn das Wasser belastet ist, muss das Gesundheitsamt umgehend die „erforderlichen Maßnahmen“ einleiten.

Wer zahlt die Kontrollen?

Wie diese Maßnahmen genau aussehen, weiß allerdings noch niemand. Genauso wenig ist klar, wie die Kontrollen bezahlt werden und wer sie durchführt. Zu den Details schweigt sich das Land bisher aus, von zusätzlichem Personal kann das Gesundheitsamt nur träumen.

Dabei ist es laut Lürwer „mit dem jetzigen Bestand nicht zu leisten, diese Verordnung auszuführen“: So müssten städtische Mitarbeiter jeden Legionellen-Fall vor Ort untersuchen, das Warmwassersystem prüfen, mit den Eigentümern über die anstehende Sanierung reden.

Tests bis spätestens 2012

Für Prof. Werner Mathys fängt das Problem sogar noch früher an: Schon um die Berichte über die Wasserproben zu sichten, fehlten dem Amt die Leute. „Dabei gibt es Befunde, nach denen eine Anlage sofort geschlossen werden muss“, sagt der Leiter des Labors für Wasser- und Umwelthygiene an der Uni.

Es ist eines von vier Laboren in Münster, bei denen Hausbesitzer die Legionellen-Tests in Auftrag geben können. Das müssen sie von sich aus tun – spätestens bis Oktober 2012.

Ein Test kostet 100 Euro

„Viele werden bis zum letzten Drücker warten“, vermutet Mathys, der sich trotzdem bereits auf „deutlich verstärkten Untersuchungsbetrieb“ einstellt.

Der Test kostet bei ihm rund 100 Euro, ein Ergebnis liegt nach zehn Tagen vor. Auch er braucht geschultes Personal, denn pro Haus müssen nach strengen Vorgaben vier bis fünf Wasserproben genommen werden – die meisten in Privatwohnungen: „Das wird ein Nadelöhr.“

Viele Tanks sind kleiner

Bisher halten sich die Anfragen besorgter Hausbesitzer aber in Grenzen. Das sagt auch Peter Guski vom Eigentümerverband Haus & Grund. Er glaubt ohnehin, dass die Wassertanks vieler münsterscher Mietshäuser weniger als 400 Liter fassen und gar nicht unter die neue Verordnung fallen.

Deren Sinn zweifelt Guski generell an, da Legionellen-Infektionen durch verseuchtes Wasser in Mehrfamilienhäusern „äußerst selten“ seien: „Ich sehe nicht wirklich eine Veranlassung, das so durchzuziehen.“

"Wir warten auf praktikable Regelung"

Davon ist im Gesundheitsamt erst einmal auch nicht die Rede. „Wir warten auf eine praktikable Regelung des Landes“, beruhigt Michael Lürwer. Bis die vorliege, werde es weder Fristen geben, in denen sich betroffene Hauseigentümer melden müssen, noch Bußgelder für diejenigen, die das versäumen: „Niemand wird von uns unter Druck gesetzt.“
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