Mehr tropische Hitze: Studie prophezeit Münster krassen Klimawandel bis 2055

MÜNSTER Die Münsteraner schwitzen in diesen Tagen. Die Temperaturen übersteigen die 30 Grad-Grenze. Klima-Wissenschaftler sprechen in solchen Fällen von tropischer Hitze. Das könnte in 40 Jahren in Münster laut einem neuen Klimamodell Normalität sein - inklusive neuer Krankheiten.

  • Geht es nach dem Klimaszenario, dann könnte es bald ein längeres Badevergnügen geben.

    Geht es nach dem Klimaszenario, dann könnte es bald ein längeres Badevergnügen geben. Foto: Helmut Etzkorn

Die Geographische Kommission des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe hat unter Federführung von Geowissenschaftler Prof. i.R. Julius Werner ein Klimaszenario für Westfalen für das Jahr 2055 veröffentlich, erstellt von Prof. Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe.

„Das ist nicht mal ein Trend oder eine Prognose, sondern zeigt nur, wie es in knapp 50 Jahren in und um Münster aussehen könnte“, sagt Prof. Werner.

Mögliche Schwankungen

Wissenschaftler hatten ein Klimamodell für Nordrhein-Westfalen erstellt, Werner und Dr. Rudolf Grothues haben dies weiter regionalisiert, in Klimakarten die Veränderungen für den Zeitraum 2051 bis 2060 im Vergleich zu den Jahren 1951 bis 2006 dargestellt.
    
Demnach werden kalte Winter die Ausnahme bleiben, wärmere Sommertage die Regel. Schwankungen sind dennoch immer wieder möglich. Wichtigste Daten für das Klimaszenario waren die Lufttemperatur und die Niederschlagsmenge.

"Hohe Wahrscheinlichkeit"

„Wenn sich die Ausweitung des Ozonlochs und das Abschmelzen der Polarkappen in den nächsten Jahren so fortsetzt, dann bekommt dieses Szenario eine hohe Wahrscheinlichkeit“, so Werner weiter. Und dieses Szenario sieht für Münster eine durchschnittliche Jahrestemperatur von elf bis zwölf Grad Celsius vor, eine Steigerung um mehr als 2,4 Grad zum Vergleichszeitraum 1951 bis 2006. Dem folgend steigt die Zahl der Sommertage.

50 bis 60 Tage mit zum Teil tropischen Temperaturen sieht das Klimaszenario vor und damit doppelt so viele wie im Vergleichszeitraum.

Wein in Hamburg?

„Gastronomen dürfte das sicherlich erfreuen, denn wer sitzt nicht gerne in einem Straßencafé“, sagt Werner. Es gebe schon Visionäre, die in Hamburg Wein anbauen wollen. Unmöglich wäre das nicht. Die Zucht von Südfrüchten – auch das ginge.

Doch auch die Zahl der Regentage und die Niederschlagsmenge wird steigen. 20 bis 30 Tage mit mehr als zehn Millimeter Niederschlag könnte es im Jahresschnitt dann geben, drei bis sechs mehr als im Vergleichszeitraum. Die Niederschlagsmenge steigt auf durchschnittlich 800 bis 1000 Millimeter, 60 bis 130 Millimeter mehr als bisher. In Spitzen aber durchaus mit tropischem Starkregen. Doch das sind nur die nüchternen Zahlen.

Brutherd für Krankheiten

„Wer jetzt einem mediterranen Klima entgegenfiebert, der vergisst die Begleiterscheinungen und Veränderungen, die dieser Klimawandel mit sich bringen“, betont Dr. Rudolf Grothues. Und das könnten unter Umständen Tropen-Krankheiten wie Malaria sein.

Stehende Gewässer würden sich stärker erwärmen und wären damit ein ausgezeichneter Brutherd für Krankheiten. Die Gewährleistung der Wasserhygiene verlange künftig eine noch stärkere Aufmerksamkeit. Mediterrane Pflanzen und Tiere werden hier Einzug halten.

Siesta in Münster

„Der Aufwand für Heizenergie wird sinken, wir werden seltener die Straßen von Schnee und Eis befreien müssen“, ergänzt Werner. Für Arbeitnehmer, so Weber, könnte es insgesamt stressiger werden, immer mehr werden auf Klimaanlagen zurückgreifen. „Diesen Trend beobachten wir schon seit geraumer Zeit“, erzählt Werner.

Dann sollten diese aber auch mit Sonnenenergie betrieben werden, schließlich habe man ja mehr Sonnenstunden. „Vielleicht muss man aber auch einfach den Arbeitsalltag verändern, so wie es die Südländer schon lange machen – eine Siesta zwischen 13 und 15 Uhr“, fügt Grothues an. Auch eine Möglichkeit.

Veränderte Architektur

In einigen Bereichen stellt man sich auf diese möglichen klimatischen Veränderungen schon ein. So setzen Architekten bei Neubauten verstärkt auf eine Fassaden- und Dachbegrünung.

Nur zum Teil eine Lösung, wie Werner anmerkt. Mehr Grün steigert die Verdunstung. Die Folge: schwüle und stickige Luft. Auch Landwirtschaftskammern testen schon seit Jahren Nutzpflanzen, die widerstandsfähiger gegen Trockenperioden sind.

Umdenken kommt zu spät

Das hätte nicht sein müssen, hätte man früher auf wissenschaftliche Erkenntnisse reagiert. Das Ozonloch wurde in den 70er Jahren heiß diskutiert, „aber nur sehr zögerlich bearbeitet“, sagt Werner. Der Anstieg der Treibgase in der Umwelt – „das Umdenken der Menschen kommt viel zu spät“, so Werner weiter.

Eine Nation wie die USA hat ihren Treibgasausstoß sogar noch immens erhöht. „Nun müssen wir mit den Folgen leben.“
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