Bezirksvertretung Südost: Wie soll die künftige Nutzung der Briten-Wohnungen aussehen?

SÜDOST Die Sprache wird zur Quelle allen Ungemachs: Was bedeutet der Begriff „sozialer Steuerungsbedarf“ – einmal in der Terminologie der Verwaltung und zum anderen in der Interpretation der Bürger? Kritik gab es in der Sitzung der Bezirksvertretung (BV) Südost am Dienstag von mehreren Seiten.

  • Die Idylle trügt: Um die künftige Nutzung der Briten-Wohnungen - wie hier am Torminweg - ist ein heftiger Streit entbrannt.

    Die Idylle trügt: Um die künftige Nutzung der Briten-Wohnungen - wie hier am Torminweg - ist ein heftiger Streit entbrannt. Foto: Dietrich Backmann

CDU-Ratsherr Andreas Nicklas sprach bei der Beschlussvorlage für den Rat von einer „missverständlichen Formulierung“, SPD-Mann Rolf Schönlauf von einem „etwas unglücklich gewählte Ausdruck“. Im Entwicklungskonzept „Briten-Wohnungen in Münster“ stellt das Stadtplanungsamt für den Von-Hünefeld-Weg in Gremmendorf unter der Überschrift: „Individuelle Wohnformen am Gasometer“ Überlegungen zur Vermarktung der Häuser an.

Sinnvoll sei der Einzelverkauf im nördlichen Bereich, also am Torminweg und Köhlweg; ferner ein Paketverkauf im südlichen Bereich (Boelckeweg, Fitzmauriceweg und Von-Hünefeld-Weg) an ein städtisches Wohnungsunternehmen oder eine münstersche Wohnungsgenossenschaft. Dahinter steht dann für den Süden in Klammern: „Standort mit sozialem Steuerungsbedarf“.

Damit provozierte das Planungsamt einen Aufschrei der Empörung, der Besorgnis und des Misstrauens bei den Einwohnern von Lütkenbeck. Etwa 50 von ihnen verfolgten die Diskussion in der Bezirks-vertretung, wo Jörg Krause, Abteilungsleiter im Planungsamt, einräumte, die Formulierung sei „missverständlich angekommen“.

Angst vor einem Ghetto

Gemeint sei damit nichts anderes als die Berücksichtigung sozialer Infrastrukturkosten für Schule, Kindertagesstätte und Spielplätze – die gibt es nämlich an diesem Standort nicht. Die Lütkenbecker hatten es anders interpretiert: Da soll ein Ghetto mit sozial problematischen Bewohnern entstehen. Krause wurde im Verlauf der Debatte sehr energisch: „Es gibt keine besondere soziale Zielrichtung und vor allem keine negative soziale Zielrichtung.“

Und falls eine städtische Wohnungsbaugesellschaft die Häuser erwerben sollte, dann gelte: „Es gibt keinen Auftrag an die Wohn- und Stadtbau, einen sozialen Brennpunkt zu schaffen – im Gegenteil.“

Krause erinnerte an den Ratsbeschluss zur Schaffung preiswerten Wohnraums für Familien mit geringem Einkommen und vor allem für solche mit Kindern.

Paket müsse verteilt werden

Zum Anwalt der Lütkenbecker Bedenken hatten sich CDU und Grüne gemacht. In Änderungsanträgen forderten sie, dass der Paketverkauf an einen möglichen Investor auf 20 Einheiten begrenzt werde. Auch dürfe es keinen „Block“ verkaufter Häuser im Süden geben, sondern das Paket müsse verteilt werden auf Süd und Nord.

Begründung der Union: Bliebe es bei dem bisher vorgesehenen Paket von 46 Wohneinheiten, hätte das eine „nachteilige Konzentration sozialen Wohnungsbaus zur Folge“. Begründung der Grünen: Irritationen und Befürchtungen in Lütkenbeck wegen der möglichen „Entstehung eines sozialen Brennpunktes“. Die SPD war anderer Ansicht. Rolf Schönlau: „Die Schaffung von sozial erschwinglichem Wohnraum ist nicht ein Bau von Asozialen-Wohnungen!“

Nur eine Wunschliste

Mit den Stimmen von CDU, FDP und Grünen entschied die Bezirksvertretung, das Verkaufspaket von 46 auf 20 Wohneinheiten zu reduzieren und diese Wohnungen auf den nördlichen und südlichen Bereich zu verteilen. Mit dieser Änderung winkten die Ortspolitiker dann auch die Gesamtvorlage der Verwaltung durch – nur die SPD enthielt sich.

Heinrich Hoffschulte (CDU) merkte an, das alles sei lediglich eine Wunschliste der Stadt. Auch Krause sagte, der anstehende Ratsbeschluss sei nur ein Auftrag für Verhandlungen mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima).

Schönlau sprach von den „knallharten Vermarktungsinteressen der Bima, die zu einem möglichst hohen Preis und mit wenig Aufwand am liebsten an einen Großinvestor und „nicht im kleinteiligen Ameisengeschäft verkaufen“ möchte.
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