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VW-Abgasaffäre – die Kfz-Steuer kümmert das wenig

VW-Abgasaffäre – die Kfz-Steuer kümmert das wenig

Die Nachricht ging durch die Medien wie ein Lauffeuer: Der Autokonzern VW hat zugegeben, Abgastests manipuliert zu haben. Elf Millionen Fahrzeuge seien weltweit davon betroffen, denn in diesen ist eine Software verbaut, die weniger Stickoxide gemessen hat, als in Wirklichkeit ausgestoßen wurden.

Automobil : VW-Abgasaffäre – die Kfz-Steuer kümmert das wenig
Der Abgasskandal des Automobilherstellers VW hat die Kunden schwer getroffen. Foto: pixabay.com © tookapic (CC0 Public Domain)

Die Folgen sind weitreichend: Die Justiz gleich mehrerer Länder ermittelt gegen Volkswagen. Die VW-Aktien fielen massiv , Aktionäre und Kunden klagen und dem Automobilkonzern drohen Strafen in Milliardenhöhe. Der Konzern plant eine groß angelegte Rückrufaktion – doch was beim Endverbraucher bleibt, sind viele Fragezeichen.

-          Was passiert mit betroffenen Fahrzeugen?

-          Welche Fahrzeuge sind genau betroffen?

-          Was wird gemacht, um den Fehler zu beheben?

-          Erfüllen die Dieselmotoren die gesetzlichen Vorgaben?

-          Und: Müssen VW-Fahrer nun mit einer höheren Kfz-Steuer rechnen?

Die Antwort auf die letzte Frage dürfte für Erleichterung sorgen: Nein. Gegenüber dem MDR gab Silvia Schattenkirchner vom ADAC bereits Entwarnung: Da sich die Kfz-Steuer über Hubraum und CO2-Ausstoß berechne, hätten die bisher im Mittelpunkt stehenden Stickoxide keinen Einfluss auf die Steuerhöhe. Auch können die Autobesitzer ihre jeweiligen Umweltplaketten weiterführen und die Fahrzeuge werden nicht stillgelegt, heißt es weiter. So weit, so gut. Doch was nicht wegzuleugnen ist, ist das „aber“, das mitzuschwingen scheint – und das nicht ohne Grund, denn wenn bei genaueren Untersuchungen ans Licht käme, dass nicht nur der Ausstoß an Stickoxiden fehlerhaft gemessen sei, sondern auch der CO2-Ausstoß, müssten Autobesitzer auch mit Auswirkungen auf die Kfz-Steuer rechnen.

Was steckt hinter der Kfz-Steuer?

Die Kraftfahrzeugsteuer ist – rein rechtlich betrachtet – eine Bundessteuer. Seit Juli 2014 trägt die Bundesfinanzverwaltung, die Zollverwaltung, Sorge für die Erhebung der Kraftfahrzeugsteuer. Ein Fahrzeug wird dann steuerpflichtig, wenn es für den Straßenverkehr zugelassen wird. Die Steuerpflicht endet mit der Abmeldung des Fahrzeugs. Berechnet wird die Höhe der Steuer in Abhängigkeit von mehreren Parametern sowie beispielsweise dem Fahrzeugtyp und der Schadstoffklasse. Derzeit gibt es diese Schadstoffklassen:

-          Euro 1 bis Euro 6

-          3-Liter-Auto

-          nicht schadstoffarme Autos, die bei Ozonalarm fahren dürfen/nicht fahren dürfen

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Grundsätzlich gilt: Je weniger Abgase in die Luft gepustet werden, desto geringer ist die Kfz-Steuer, die für einen Wagen anfällt.Abbildung 2: pixabay.com © Paulina101 (CC0 Public Domain)

Die Schadstoffklasse lässt sich über die sogenannte Schadstoff-Schlüssel-Nummer herausfinden, die in der Zulassungsbescheinigung I (dem früheren Fahrzeugschein) im Feld 14.1 angegeben ist. Die Schadstoffklasse selbst steht im Feld 14. Grundsätzlich gilt, dass Dieselmotoren mit höheren, oft sogar doppelt so hohen Steuern belegt sind als Otto-Motoren. Der Steueraufwand hingegen sinkt, je höher die Euro-Klasse ist, denn das impliziert einen niedrigeren Schadstoffausstoß.

Ein Blick in die Statistik zeigt, dass vor allem Kleinkrafträder und Motorräder mit Euro 4 oder Euro 5 fahren. Auch Pkws erreichen diese Schadstoffklasse oder fahren alternativ mit der Euro 6. Warum Automobilhersteller ein gesteigertes Interesse daran haben, möglichst gute Abgaswerte zu produzieren, wird mit einem Blick auf die langfristige Planung der EU deutlich: Ab dem Jahr 2021 gilt die 95-Gramm-Grenze, die Automobilhersteller in punkto Kohlendioxid-Ausstoß nicht überschreiten dürfen. Das heißt, dass mit Hochdruck daran gearbeitet wird, Autos herzustellen, die unter dieser Grenze liegen.

Doch zurück zu den Gründen, die die Höhe der Steuer beeinflussen: Der Hubraum sowie der Ort der Zulassung fallen nämlich ebenso ins Gewicht bei der Berechnung der Kfz-Steuer. So schlägt die Kfz-Steuer vom VW Golf Cabrio 1.6 TDI mit rund 212 Euro pro Jahr zu Buche, wenn das Fahrzeug nun zugelassen würde. Da neben den genannten Gründen nicht nur die Motorleistung sondern auch das Zulassungsjahr sich im Steuerbetrag niederschlägt, empfehlen Experten, nachzurechnen. Wer selber einmal die Höhe der eigenen Kfz-Steuer nachrechnen möchte, sollte auf entsprechende Rechner im Netz zurückgreifen.

Und was wird aus dem VW-Debakel?

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Bei VW-Kunden macht sich Enttäuschung und Misstrauen breit. Viele haben sich extra wegen der geringen Schadstoffbelastung für ein bestimmtes Modell entschieden und müssen nun warten, bis die Rückrufaktion startet. Foto: pixabay.com © olivermonschau (CC0 Public Domain)

Da das Image des Automobilherstellers massiv gelitten hat, ist VW nun auf Schadensbegrenzung aus. Da sich der Autokonzern dessen sehr wohl bewusst ist und auch weiß, dass er voraussichtlich eine Weile unfreiwilliges Dauerthema in den Medien sein wird, begegnet VW den Kunden nun mit Transparenz. Eine Maßnahme dabei ist, sich auf einer eigens eingerichteten Seite über den aktuellen Stand zu informieren. Bleibt abzuwarten, ob der Konzern das Vertrauen zurückgewinnen kann.

 

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