Hingucker unter den SUVs
Eine Probefahrt im Cupra Formentor

Egal ob VW, Seat, Audi oder Skoda: Wer sich für ein SUV auf Basis des Modularen Querbaukastens entscheidet, der kauft automobile Massenware. Doch jetzt lockt die Seat-Tochter Cupra mit dem Reiz des Raren.

Mittwoch, 04.11.2020, 10:27 Uhr aktualisiert: 04.11.2020, 10:32 Uhr
Mit dem Formentor mischt Cupra das Segement der kompakten SUVs auf. Das Besondere: Er trägt die Linie eines Coupés und verfügt über 310 PS.
Mit dem Formentor mischt Cupra das Segement der kompakten SUVs auf. Das Besondere: Er trägt die Linie eines Coupés und verfügt über 310 PS. Foto: Seat Cupra S.A.U.

Berlin (dpa-infocom) – Cupra? Den Namen kennen bis dato hauptsächlich Insider. Denn jahrelang liefen darunter lediglich die besonders dynamischen Seat-Modelle. Doch vor zwei Jahren haben die Spanier ihre Sportabteilung zur eigenen Marke geadelt und ihr ein Logo in den Kühlergrill gesetzt, das an ein Stammes-Tattoo erinnert.

Das prangt jetzt am ersten eigenständigen Modell: Vorhang auf für den Formentor, der in diesen Tagen zu Preisen ab zunächst 43.953 Euro in den Handel kommt und später mit weiteren Motoren noch einmal rund 20 Prozent billiger werden soll.SUV mit dem gewissen Etwas

Die endgültige Emanzipation von Seat probt Cupra in dem Segment der kompakten SUVs, in dem die Musik gerade am lautesten spielt. Auch wenn sich der Formentor die Plattform mit dem Seat Ateca und dem VW Tiguan teilt, bewahrt er seinen Eigensinn: Außen, weil der 4,45 Meter lange Viertürer eher die Linie eines Coupés trägt als das Heck eines Kombis und betont mit seinen LED-Scheinwerfern und den markanten Rückleuchten plänkelt. Innen, weil der Formentor das erste kompakte SUV im Konzern ist, das die Bedienlogik des neuen Golfs und seiner Verwandten übernimmt. Ateca und Co wirken dagegen fast schon veraltet.Der Formentor sieht einfach klasse aus und bietet trotz des schrägen Hecks bei 2,78 Metern Radstand auch hinten noch genügend Kopf- und Kniefreiheit. Und der Kofferraum ist mit 420 bis 1475 Litern allemal alltagstauglich. Doch bei der Bedienung wird ihm die Familienbande zum Verhängnis. Die digitalen Instrumente gehen noch in Ordnung und der große Touchscreen daneben natürlich auch. Aber so schick und modern die vielen Touchinseln mit den in den Konsolen eingelassen Bedienflächen und die Sensorslider auch aussehen, es lassen sich damit nur schwer treffsichere Einstellungen vornehmen. Erst recht nicht bei Dunkelheit oder wenn man engagiert unterwegs ist.Spaß am schnellen Fahren

Und das ist in einem Cupra die bevorzugte Gangart. Zwar wird es den Formentor anders als den Ateca und den Leon auch mit schwächeren Motoren geben, und neben zwei Plug-in-Hybriden kommt sogar ein Diesel mit vergleichsweise mageren 110 kW/150 PS, der den Preis deutlich unter die 40.000 Euro drücken soll. Doch für das Debüt beschränken sich die Spanier auf ihren 2,0-Liter-Turbo mit imposanten 228 kW/310 PS. Der geht entsprechend flott zur Sache. Erst recht, wenn man am Drehknopf im Lenkrad vom Comfort- in den Cupra-Modus wechselt. Dann knurrt der Vierzylinder lauter, die Federung versteift sich, die Doppelkupplung schaltet aggressiver, und der Formentor macht sich bereit für seine Spitzen-Performance.Das Ergebnis ist eindrucksvoll: Mit der Macht von maximal 400 Nm beschleunigt er in 4,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und beschleunigt so mühelos auf 250 km/h, dass man dem Formentor sogar noch mehr zutrauen würde. Aber so viel Freiraum lässt die Familienhierarchie dem jungen Wilden aus Barcelona dann offenbar doch nicht.

Und auch die Vernunft meldet sich da irgendwann zu Wort. Schließlich gönnt sich der Spanier schon auf dem Prüfstand 8,5 Liter und kommt so auf einen CO2-Ausstoß von 191 g/km. Und dieser Wert lässt sich in der Praxis problemlos verdoppeln. Angst um seine Sicherheit muss man im Cupra bei rasanten Fahrten allerdings nicht so schnell haben. Denn erstens ist Allrad beim Top-Modell Standard, und zweitens wacht ein Heer elektronischer Helfer über das wilde Treiben.Fazit: Ein Newcomer für Aufsteiger

Er bietet nicht nur den Reiz der neuen Marke, sondern hat auch ein begeisterndes Design. Dazu das noble Innenleben, der starke Motor und die sportliche Abstimmung - so setzt sich der Cupra von Tiguan, Ateca und Co ab und schließt die Lücke zu Nobelmarken wie Audi, BMW oder Mercedes. Allerdings klappt der Aufstieg nicht nur bei Auftritt, Ambiente und Antrieb, sondern leider ein Stück weit auch beim Preis.Datenblatt: Cupra Formentor

Motor und Antrieb: Vierzylinder-Turbo-Benziner
Hubraum: 1998 ccm
Max. Leistung: 228 kW/310 PS bei 5450 bis 6600 U/min
Max. Drehmoment: 400 Nm bei 2000 bis 5450 U/min
Antrieb: Allrandantrieb
Getriebe: Siebengang-Doppelkupplung
Maße und Gewichte  
Länge: 4450 mm
Breite: 1839 mm
Höhe: 1511 mm
Radstand: 2680 mm
Leergewicht: 1644 kg
Zuladung: 571 kg
Kofferraumvolumen: 420-1475 Liter
Fahrdaten:  
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 4,9 s
Durchschnittsverbrauch: 8,5 Liter/100 km
Reichweite: 650 km
CO2-Emission: 191 g/km
Kraftstoff: Super
Schadstoffklasse: Eu6
Energieeffizienzklasse: D
Kosten:  
Basispreis des Cupra Formentor: 43.953 Euro
Typklassen: KH 15 / VK 25 / TK 24
Kfz-Steuer: 232 Euro/Jahr
Wichtige Serienausstattung:  
Sicherheit: Sieben Airbags, LED-Scheinwerfer, Abstandsregelung
Komfort: Klimaautomatik, Touchscreen-Infotainment, adaptives Fahrwerk
Spritspar-Technik: Start-Stop-Automatik

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke

© dpa-infocom, dpa:201026-99-87708/13

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