Städte-Ranking
Pendler im Corona-Jahr fast einen Tag weniger im Stau

Corona hat den Verkehr ausgebremst und die Staus verringert. Wer mit dem Auto zur Arbeit pendelte, konnte 2020 in einigen Städten übers Jahr gerechnet fast einen Tag an Zeit sparen. Staufrei war die Fahrt aber bei weitem nicht.

Dienstag, 09.03.2021, 11:35 Uhr aktualisiert: 09.03.2021, 11:42 Uhr
Autos stauen sich im Berufsverkehr auf dem Berliner Kaiserdamm stadteinwärts. Die Berliner haben im vergangenen Jahr weniger Zeit im Stau verbracht als zuvor.
Autos stauen sich im Berufsverkehr auf dem Berliner Kaiserdamm stadteinwärts. Die Berliner haben im vergangenen Jahr weniger Zeit im Stau verbracht als zuvor. Foto: Michael Kappeler

München (dpa) - Stau auf dem Weg zur Arbeit, Stau auf dem Weg nachHause: Auch im Corona-Jahr 2020 blieb das vielen Pendlern nichterspart, obwohl Beschränkungen und Homeoffice für deutlich wenigerVerkehr sorgten.

In der deutschen Stau-Hauptstadt München verloren Pendler so über dasJahr hinweg im Schnitt 65 Stunden, wie aus einer am Dienstagveröffentlichten Analyse des Verkehrsdatenanbieters Inrix hervorgeht.Das ist allerdings fast ein Tag weniger als 2019, als der typischeMünchner Pendler noch 87 Stunden einbüßte. Und auch in anderendeutschen Städten sank der Zeitverlust.

Stärkster Rückgang in Frankfurt/Main und Düsseldorf

Den stärksten Rückgang gab es in Frankfurt/Main und Düsseldorf, wodie Pendler jeweils 23 Stunden weniger verloren. Bundesweit amstärksten leiden nach wie vor die Münchner unter Staus. Nummer zweibleibt Berlin mit 46 Stunden - immerhin 20 weniger als im Jahr davor.Dahinter folgt Nürnberg: Weil der Zeitverlust dort nur um 7 auf 35Stunden sank, springt die Stadt vom sechsten auf den dritten Platzder Stau-Städte. Hamburg liegt mit 33 Stunden auf Rang vier vorLeipzig (31), Freiburg (30), Hannover (28), Düsseldorf und Bremen mitje 27 Stunden sowie Stuttgart mit 26.

Der Grund für den Stau-Rückgang ist schnell gefunden: Diedurchschnittliche tägliche Fahrleistung sank deutlich - bei den zehnbelastetsten Städten um Werte zwischen 12 und 25 Prozent. «DasCorona-Virus verändert die Art und Weise, wann, wo und wie wir unsbewegen», sagt Bob Pishue, Verkehrsanalyst bei Inrix. «Diemorgendlichen Pendlerströme in die Städte gingen weltweit zurück, dadie Menschen ihre Fahrten zu Büros, Schulen, Einkaufszentren undanderen öffentlichen Orten reduzierten.»

Weltweit höchster Zeitverlust

Den weltweit höchsten Zeitverlust durch Staus ermittelte Inrix 2020in der rumänischen Hauptstadt Bukarest mit einem Zeitverlust von 134Stunden. Dahinter folgt Bogota in Kolumbien mit 133 vor New York undMoskau mit je 100 Stunden. Im Vergleich dazu kommen die deutschenAutofahrer noch glimpflich davon. Allerdings rückten einige deutscheStädte im weltweiten Stau-Ranking hoch - München beispielsweise vonPlatz 47 auf 20.

Auch andere Unternehmen und Organisationen nehmen regelmäßig dieStau-Dichte in Deutschland unter die Lupe - mit anderen Methoden undteils unterschiedlichen Ergebnissen. So kam der Karten-SpezialistTomTom zum Ergebnis, dass vergangenes Jahr Berlin vor Hamburg,Wiesbaden, Nürnberg und Stuttgart am schlimmsten von Staus betroffenwar. München kommt hier erst auf Platz sieben. Der ADAC wiederumbetrachtet die Stau-Intensität auf Autobahnen, die meisten gibt es inNordrhein-Westfalen und Bayern. Auch in diesen Untersuchungen war dasStau-Aufkommen aber klar rückläufig.

Stau-Rankings nur Hinweise

Experten sehen Stau-Rankings mit gemischten Gefühlen. So findetJustin Geistefeldt, Professor für Verkehrswesen an derRuhr-Universität Bochum, sie grundsätzlich «ein Stück weitproblematisch», weil sie Besonderheiten der einzelnen Städte nichtausreichend berücksichtigten. «Die Platzierung im Ranking sagt wenigüber die Qualität des Verkehrsmanagements oder das Angebotalternativer Verkehrsmittel aus», sagt er. Dennoch lieferten dieStudien gewisse Hinweise: «Es gibt kaum eine bessere Datengrundlage,um das Stau-Geschehen zu bewerten.»

Inrix betrachtet für seine Erhebung typische Pendlerstrecken in denuntersuchten Städten und berechnet, wie viel Zeit Autofahrer dortdurch Staus verlieren. Das Unternehmen verkauft Verkehrsanalysen undDienstleistungen für vernetzte Autos an Verwaltungen und Unternehmen.Je größer die Stau-Probleme erscheinen, desto besser sind seineGeschäftsaussichten.

© dpa-infocom, dpa:210309-99-746381/6

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