Sonderveröffentlichung

Trauern
Trauern mit Distanz – wie soll das gehen?

Die Coronapandemie legt das alltägliche Leben zunehmend wieder lahm. Kontakte reduzieren ist das Gebot der Stunde. In einigen Lebensbereichen fällt dies besonders schwer, gerade dort, wo Familie und Freunde normalerweise einen wichtigen Beistand geben. Den Tod eines Angehörigen zu verarbeiten ist auch ohne Social Distancing nicht leicht. Wie kann man mit Abstand trauern?

Mittwoch, 28.10.2020, 14:43 Uhr aktualisiert: 28.10.2020, 14:46 Uhr
Trauern: Trauern mit Distanz – wie soll das gehen?
Foto: Colourbox

Der Tod eines Angehörigen ist für niemanden leicht. Trauer ist eine große emotionale Anstrengung, die für viele vor allem mit anderen Menschen in Gemeinschaft vollbracht werden kann. Viele Dinge, die das gemeinsame Trauern ermöglichen, sind jedoch zu Zeiten der Coronapandemie nicht oder nur eingeschränkt möglich. Trauerfeiern können nur in kleinem Kreise stattfinden, Angehörige mit erhöhtem Risiko durch die Erkrankung können unter Umständen nicht teilnehmen und sogar die Beisetzung unterliegt Beschränkungen. Viele Menschen leiden ohnehin schon unter dem Stress, den die Pandemie und die durch sie ausgelöste Krise mit sich bringt, zeigte eine Umfrage im Auftrag der DKV, Deutsche Krankenversicherung AG, bereits im Juli. Eine zusätzliche Belastung durch erschwerte Trauer ist kaum zuzumuten. Wie lässt sich also online trauern ?

Bei der Trauer ist es wichtig, einen Ort zu finden, der dem Verstorbenen gewidmet ist. Nicht umsonst ist das Grab deshalb so ein wichtiger Ort. In Zeiten der sozialen Distanz und der Reisebeschränkungen können jedoch nicht alle Angehörigen Zugang zum Grab erhalten. Menschen in Risikogruppen können unter Umständen die Anreise zum Friedhof nicht leisten, Angehörige in häuslicher Isolierung erst recht nicht. Doch um der Trauer um einen geliebten Menschen gerecht zu werden, muss der Ort der Trauer nicht unbedingt ein Grab sein. Er kann auch klein und sogar privater gestaltet werden. Ein Platz auf einer Kommode, mit einem Bild des Verstorbenen oder einem Gegenstand, den man mit ihm verbindet, eine Kiste mit Kleinigkeiten, die an schöne Zeiten mit ihm erinnern, oder ein Ort, den man oft mit der Person geteilt hat – all diese Dinge können einem helfen, eine Verbindung zum geliebten Partner, den Eltern oder einer anderen nahen Person zu spüren.

Um auch in Zeiten der Trauer Abstand halten zu können, gibt es digitale Möglichkeiten, sich mit weiteren Angehörigen zu versammeln. Für diesen Zweck gibt es mittlerweile virtuelle Friedhöfe mit frei gestaltbaren Gräbern, um die man sich ebenso kümmern kann wie um ein physisches Grab. Der Gegenstand, der bei der Trauer helfen soll, spielt also keine große Rolle, solange man ihn mit der verstorbenen Person verknüpft. Auch Trauerportale und Gedenkseiten können bei der gemeinsamen Trauer helfen. Hier können Hinterbliebene Erinnerungen austauschen, gemeinsame Erlebnisse teilen oder sich gegenseitig Mut zusprechen.

Vielen Menschen ist gerade dieses Gemeinschaftsgefühl sehr wichtig, um die Trauer zu bewältigen . Um die Unterstützung und das Mitgefühl anderer zu spüren, ist Nähe sehr wichtig. Leider ist genau diese jetzt erschwert. Auch wenn körperliche Nähe nicht virtuell ersetzt werden kann, können digitale Alternativen immerhin die emotionale Nähe ermöglichen. Dafür muss nicht einmal eine dezidierte Technologie verwendet werden – eine Liveübertragung der Beerdigung kann beispielsweise schon vielen helfen. Einige Bestatter bieten das inzwischen schon an, das eigene Handy kann aber auch Abhilfe leisten. Auch Trauerfeiern über Videokonferenzen können emotionale Nähe ermöglichen. Hier können Bilder oder Videos gezeigt werden oder über die gemeinsame Zeit mit dem Verstorbenen gesprochen werden.

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