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Arbeit: Wie sinnvoll sind online Weiterbildungen wirklich?

Die Angebote an Onlinekursen scheinen minütlich mehr zu werden. Schenken wir Ratgebern Glauben, die vorhersagen, dass die größtmögliche berufliche und finanzielle Freiheit in der Produktion von digitalen Produkten liegt, erklärt das den starken Marktzuwachs an Seminaren im Internet. Doch machen sie tatsächlich Sinn? Das hängt von verschiedenen Faktoren ab, die hier einmal näher beleuchtet werden.

Dienstag, 01.12.2020, 03:06 Uhr aktualisiert: 01.12.2020, 08:08 Uhr
Digitales: Arbeit: Wie sinnvoll sind online Weiterbildungen wirklich?
Foto: Pixabay

Unterschiede bei Onlineweiterbildungen

Die Angebote von Weiterbildungen online unterscheiden sich in Technik, Art, Inhalt, Preis und Dauer. Aus der technischen Sicht gibt es Livechats, Videokurse und Präsenzkurse in virtuellen Seminarräumen. Aus der verwendeten Technik ergeben sich die unterschiedlichen Möglichkeiten, Wissen zu vermitteln und Fragen zu beantworten. Bei den Präsenzkursen in virtuellen Klassenzimmern ist sogar der Austausch zwischen Seminarteilnehmern möglich. Je mehr Möglichkeiten für Interaktion und Feedbacks es gibt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass bei auftretenden Fragen schnelle Antworten kommen und der Fortgang des Seminars reibungslos möglich ist.

Bei den Inhalten kann sicher gesagt werden, dass jedes Thema seine Interessenten findet. Doch eine berufliche Weiterbildung muss deutlich mehr bieten, als ein Kurs, der Entspannungstechniken vermittelt. Wie tief in die Thematik eingedrungen werden kann, ist an der Kursdauer ablesbar. Dass ein Seminar mit einer Dauer von zwei Stunden keinen Experten aus einem Interessenten macht, ist nachvollziehbar.

Der Preis ist leider kein sicherer Indikator für Qualität und Sinn einer Onlineweiterbildung.

Qualität und Seriosität überprüfen

Natürlich kann jeder ein Video drehen, wo er zeigt, wie ein Faden in eine Nadel eingefädelt wird und es Nähkurs nennen. Doch für die Karriere sind solche Angebote nicht relevant. Arbeitgeber möchten personalisierte Bildungsnachweise sehen, die Auskunft darüber geben, wo ein Seminar besucht wurde, welche Inhalte thematisiert wurden, wie lang das Seminar dauerte und vor allem, in welchem konkreten Zeitraum der Kurs lief.  Wenn es Leistungsnachweise gab, beispielsweise Prüfungen, dann sollten auch die auf diesem Nachweis angeführt sein. Ein downloadbares PDF zum Selberausdrucken, ohne Namen und konkrete Schulungsdaten sind für Bewerbungen um eine Stelle nahezu wertlos.

Bildungsträger, die zertifiziert sind, müssen die Zertifizierung öffentlich machen. Das heißt anhand der Webseite kann schon erkannt werden, ob der Träger sich den Vorgaben eines strengen Qualitätsmanagements unterwirft. Zertifizierungen nach AZAV, DIN, ISO etc. sind daher immer ein Qualitätsmerkmal. Werden Bildungsangebote damit beworben, dass sie mit Bildungsprämien oder -gutscheinen gefördert werden können, spricht das ebenfalls für einen gewissen Qualitätsstandard.

Doch nicht alle Bildungsanbieter ohne Zertifizierung sind gleich unseriös. Hinweise auf die Seriosität geben Impressum und Vertragsbedingungen. Seriöse Seminaranbieter haben ein aussagekräftiges Impressum, aus der Unternehmensform und Anschrift hervorgehen. Die Verträge sind nicht nur mit einseitigen Vorteilen für den Anbieter gestaltet, sondern holen einen Interessenten ab und geben Raum, für ein Kennenlernen und vor allem die Möglichkeit, unkompliziert wieder aus einem Vertrag herauszukommen. Oft werben Anbieter entweder mit einer Geld-zurück-Garantie oder bieten kostenlose Schnupperstunden an. Beides sind deutliche Signale für eine gute Qualität, weil die Veranstalter sich ja trotz dieser Angebote am Markt positioniert haben. Von den Kennenlernangeboten würden sie vermutlich schnell zurücktreten, wenn es zu häufigen Rückzahlungen käme.

Die Preisgestaltung bei Onlineweiterbildungen wird durch viele Faktoren beeinflusst. Nicht nur die Nachfrage nach den Kursen bestimmt den Preis, sondern auch der Aufwand. Dass Präsenzkurse mit einem Dozenten, der für eine bestimmte Zeit an das Seminar gebunden ist und via Chats und Mails Fragen beantwortet, Vorträge hält und für Einwände und Nachfragen sogar unterbricht, teurer sind, als einmalig aufgezeichnete Videokurse, ist betriebswirtschaftlich begründet. Denn die Lehrkraft steht ja jedes Mal wieder bereit, wenn der Kurs stattfindet und möchte jedes Mal wieder bezahlt werden. Bei Präsenzkursen die Online stattfinden, sind auch die Teilnehmerzahlen üblicherweise begrenzt, was die Kosten je Teilnehmer erhöht. Je höher also die technischen Anforderungen und der personelle Einsatz, desto eher ist ein hoher Preis gerechtfertigt.

Berufliche Onlineweiterbildung bei einem Träger vor Ort

Arbeitgeber und Leistungsträger wie Arbeitsagentur, Jobcenter und Rentenkassen fördern vor allem solche Onlineweiterbildung, die bei einem Anbieter in der Region stattfinden. Das gewährleistet, dass dem Teilnehmer die technischen Zugangsvoraussetzungen zugesichert sind. Besonders in Bezug auf EDV Schulungen ist es bei spezieller Software ja nicht so ohne weiteres möglich, Privatlizenzen zu bekommen und für die Schulung muss ggf. im Programm gearbeitet werden. Bildungsträger haben hierfür eingerichtete Arbeitsplätze. Im Gegensatz zu einem Seminar vor Ort, können hier aber Teilnehmer aus verschiedenen Seminaren in einem Raum sitzen und ihre Kurse online absolvieren.

Außerdem ist die Kombination mit praktischen Anteilen auf diese Weise möglich. In Übungswerkstätten oder der Bildungsmaßnahme angegliederten Praktika, kann das online erworbene theoretische Wissen, direkt angewendet und gefestigt werden.

Arbeitgeber oder Unternehmen, die Software vertreiben, haben oft eigene Akademien, zu denen Mitarbeiter entsprechend Zugang erhalten. So können diese ihr Wissen online erweitern, was aufgrund der Protokollierung von Datennutzung auch nachweisbar ist. Dies gehört für die Anbieter von Software zum Support und sichert den Kunden dahingehend ab, dass ihre Mitarbeiter die sichere Anwendung und entsprechendes Hintergrundwissen erlernen können. Dabei können die Lerninhalte auf den Bedarf des Einzelnen abgestimmt werden.

Onlinekurse zur persönlichen Entwicklung helfen natürlich auch, dem Anspruch des Berufsalltags gerecht zu werden. Das Arbeitsleben hat sich stark verändert. Neben den Fachkenntnissen wird die Persönlichkeit immer wichtiger, um im Berufsleben bestehen zu können. Der Umgang mit Stress, das Erlernen von Achtsamkeitsmethoden oder auch das Führen von Gehaltsverhandlungen, können ebenfalls in Onlineseminaren erlernt werden. Bei solchen Kursen entscheiden sich die Qualitäten weitaus deutlicher voneinander als in der beruflichen Weiterbildung. Denn die Themen sind teilweise Auslegungssache und können stark von individuellen Ansichten geprägt sein.

Fazit: Onlineweiterbildungen können nicht pauschal bewertet werden. Inhalt und Dauer eines Webinars geben Auskunft über den fachlichen Wert so einer Fortbildung. Die Kompetenz des Kursleiterst entscheidet letztendlich darüber, ob die Weiterbildung für den Kunden sinnvoll ist oder nicht. Dabei sind die fachlichen Qualifikationen ebenso wichtig, wie die Kommunikationskompetenz und Fähigkeit, didaktisch abwechslungsreich und effektiv Inhalte zu vermitteln. Kurse mit fest vorgegebenen Zeiten sind vor allem für Menschen besser geeignet, die zum Prokrastinieren neigen oder selbst das Gefühl haben, immer unter Zeitdruck zu stehen. Seminare die dazu dienen, anerkannte Nachweise zu erlangen (IHK Zertifikate oder gesetzlich vorgeschriebene Nachweise für die Ausübung bestimmter Tätigkeiten) sind in jedem Fall sinnvoll, wenn eine Tätigkeit angestrebt wird, bei der so ein Nachweis gefordert wird. 

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