Der Umwelt zuliebe
Forscher entwickeln essbare Verpackung aus Nordsee-Algen

Snacks zum Mitnehmen werden immer beliebter. Dadurch steigt der Verbrauch von Verpackungen immens. Nun wollen Forscher und die Wirtschaft essbare Behälter aus Algen entwickeln. Umweltschützer sind skeptisch.

Donnerstag, 15.03.2018, 14:25 Uhr aktualisiert: 15.03.2018, 14:32 Uhr
Die konventionelle Snackbox könnte bald Geschichte sein: Nordsee arbeitet mit Forschern an einer essbaren Verpackung aus Algen.
Die konventionelle Snackbox könnte bald Geschichte sein: Nordsee arbeitet mit Forschern an einer essbaren Verpackung aus Algen. Foto: David-Wolfgang Ebener

Bremerhaven (dpa) - Forscher wollen zusammen mit der RestaurantketteNordsee Behälter aus Algen für Snacks zum Mitnehmen entwickeln. DieHochschule Bremerhaven, das Alfred-Wegener-Institut unddie Fisch-Fast-Food-Kette unterzeichneten dazu einenVertrag.

Das Forschungsprojekt ist auf zwei Jahre angelegt, gefördertwird es aus Bundesmitteln. Ziel ist es, einen nachhaltig produziertenBehälter für den Außer-Haus-Verkauf herzustellen, der kompostierbarist. «Wunsch ist, dass er sogar essbar ist», sagteProjektleiterin Frederike Reimold von der Hochschule Bremerhaven.

Wichtig sei, dass die Box weder nach Alge schmecke noch abfärbe oderschnell aufweiche. Das Produkt soll ausschließlich aus Meeresalgenaus der Nordsee bestehen. «Wir wollen das gesamte Gewebe verwertenund nicht nur einen Inhaltsstoff isolieren», unterstrich BrittaGrote, Wissenschaftlerin am Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut fürPolar- und Meeresforschung.

Die Nutzung von Serviceverpackungen in der Gastronomie hat sich nachAngaben des Umweltbundesamtes von 110 Kilotonnen im Jahr 2000 auf 256Kilotonnen im Jahr 2015 immens erhöht. Auch die RestaurantketteNordsee verzeichnet einen immer höheren Bedarf. In den rund 400Filialen setze das Unternehmen ausschließlich auf ökologischabbaubare Schachteln sowie auf Recycling-Materialien.

Der Umweltverband BUND hält biologisch abbaubare Behälter nicht fürden richtigen Weg im Kampf gegen die Verpackungsflut. «Ich fürchte,dass der Konsument dann denkt, es sei nicht so schlimm, wenn er dieBox ins Gebüsch wirft», sagte BUND-Meeresschutzexpertin NadjaZiebarth der dpa. Ein weiteres Problem sei, dass die Sortiermaschinenin der Abfallwirtschaft Verpackungen aus dem Biomüll aussortierten,auch wenn sie kompostierbar seien. «Am Ende werden sie dann dochverbrannt», sagte sie. Nachhaltig sei nur ein Mehrwegsystem.

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