Weniger Fett und Salz
Fertiggerichte sollen gesünder werden

Im Kampf gegen «Dickmacher» mit vielen Kalorien will die Bundesernährungsministerin die Lebensmittelbranche ins Boot bekommen. Nun liegt ein Plan vor. Kritiker sind davon aber nicht begeistert.

Dienstag, 16.10.2018, 17:17 Uhr aktualisiert: 16.10.2018, 17:22 Uhr
Fertiggerichte wie Tiefkühlpizza sollen in Zukunft weniger Fett, Salz und Zucker enthalten.
Fertiggerichte wie Tiefkühlpizza sollen in Zukunft weniger Fett, Salz und Zucker enthalten. Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Berlin (dpa) - Für eine gesündere Ernährung sollen Fertiggerichte wieTiefkühlpizza künftig schrittweise mit weniger Fett, Salz und Zuckerauskommen. Auch Portionsgrößen von Produkten sollen kleiner werden,um Übergewicht gerade bei Kindern zu vermeiden.

Das sieht eine Grundsatzvereinbarung vor, die Bundesernährungsministerin JuliaKlöckner (CDU) mit mehreren Branchenverbänden geschlossen hat. BisJahresende sollen Details erarbeitet werden und dann als Beitrag derWirtschaft in eine generelle Strategie der Regierung einfließen.

Klöckner begrüßte die Bereitschaft der Verbände. «Die Wirtschafterkennt erstmals an, Teil der Lösung des Problems Übergewicht zusein», sagte sie. In den nächsten Wochen müssten nunkonkrete Zielvereinbarungen folgen. Der Grundsatzvereinbarung zufolgegeht es darum, «auf freiwilliger Basis eine möglichst breiteMitwirkung der Wirtschaftsunternehmen zu erreichen». Belange vonHandwerksbetrieben sollen im Blick behalten werden.

Ein erster Anlauf für eine solche Strategie der alten großenKoalition hatte heftige Proteste der Branche ausgelöst. MancheHersteller setzen aber schon ähnliche Programme um.

Laut Ministerium verpflichtet sich die Ernährungsindustrie, ab 2019den Gehalt an Zucker, Fetten und Salz in Fertiggerichten schrittweisezu senken - bis 2025 sollen die gesetzten Ziele dann erreicht sein.

Der Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft BLL betonte, es gelte,die Verbraucher bei der Änderung von Rezepturen mitzunehmen. EineReduktion von Nährstoffen, die nicht nur Geschmacksträger sind,sondern auch technologische Funktionen bei der Herstellung hätten,gehe nicht von heute auf morgen, sondern müsse schrittweise erfolgen.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisierte die Pläne und hieltKlöckner einen «Kuschelkurs» gegenüber der Branche vor. DieVereinbarung überlasse es den Unternehmen selbst, welche Zielvorgabensie sich setzten, und lasse ihnen dafür auch noch bis 2025 Zeit.

Klöckner sagte, es gelte, die Häufigkeit krankmachenden Übergewichtsund ernährungsmitbedingter Krankheiten zu senken. In Deutschlandseien 43 Prozent der Frauen, 62 Prozent der Männer und 15 Prozent derKinder übergewichtig. Zu viel Zucker, Fett und Salz erhöhten auch dasRisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes.

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