Fr., 07.09.2018

Großer Luxus für die Kleinen Spendable Eltern im Milliardenmarkt

Eltern geben für den Kinderwagen zum Teil viel Geld aus.

Eltern geben für den Kinderwagen zum Teil viel Geld aus. Foto: Oliver Berg

Für ihren Nachwuchs greifen Eltern tief ins Portemonnaie. Aber müssen die Kleinsten in Luxusschlitten kutschiert oder in teure Biobaumwolle gehüllt werden? Dies sind einige der Fragen vor der weltgrößten Messe für Baby- und Kinderausstattung, der «Kind+Jugend».

Von dpa

Köln (dpa) - Nur das Beste für den Nachwuchs: Diese Einstellungvieler Eltern sorgt für große Ausgaben zugunsten der Kleinsten undfür einen wachsenden Milliardenmarkt. Experten beobachten zudem einenzunehmenden Hang zum Noblen und Teuren.

Das lässt die Kassen nochzusätzlich klingeln. Eltern kaufen Hochpreisiges und Markennamen,«weil das für sie Sicherheit, Orientierung und Kompass bedeutenkann», sagt Marktforscherin Birgit Langebartels vom KölnerRheingold-Institut.

Zunächst die Zahlen: Allein für die Ausstattung von Babys undKleinkindern haben Eltern 2017 gut 2,5 Milliarden Euro ausgegeben -für Autositze, Kinderwagen oder Spielzeug in den ersten dreiLebensjahren. Das waren zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Und esbedeutet Ausgaben von 1100 Euro pro Junge und Mädchen bis drei Jahre,rechnet der Handelsverband Spielwaren BVS vor. Immer öfter verdientenbeide Eltern. «Dann ist mehr Geld für Kinder- und Babyausstattungda», erläutert BVS-Vize Steffen Kahnt vor der weltgrößten Messe fürKinderausstattung «Kind+Jugend» (20. bis 23. September).

Sogar 7,3 Milliarden Euro umfasst der Markt, wenn man alle Ausgabenfür Jungen und Mädchen bis 14 Jahre einrechnet, erklärt MichaelNeumann vom Bundesverband der Kinderausstattungs-Hersteller (BDKH). «Es wird teuer gekauft.» Aus Gründen der Sicherheit, sagtder Vorstand des BDKH.

Aber es steckt noch mehr dahinter. Warum also greifen viele Elternfür ihren Nachwuchs so tief in den Geldbeutel? «Kinder sind mehr dennje Ausdrucksform und Projekt der Eltern geworden», glaubtLangebartels. In einer Gesellschaft der «unfassbaren Möglichkeiten»fühlten sich viele Eltern auch unter Druck und verunsichert.

Zwar können nicht alle sich das leisten, viele Kinder leben ineinkommensarmen Familien. Aber die Schwäche für Teures undMarkenware sei nicht nur auf die besonders kaufkräftige Oberschichtbeschränkt, stellt die Expertin klar: «Mittelschicht-Kinder habenheute eine paradiesische materielle Grundausstattung.» Eltern wolltenmaximale Förderung und optimale Chancen für ihre Kinder. «Sie sindbereit, viel Geld auszugeben. Eltern zeigen damit ihre Fürsorge, auchnach außen.»

Welchen Anteil die besonders teuren Produkte am Gesamtmarkt haben,ist Langebartels zufolge statistisch nicht erhoben. Aber es zahlesich für Industrie und Handel aus. Die Tendenz sei stark und seiteinigen Jahren zu beobachten. In der extrem breitgefächerten Branche- vom Schnuller bis zum Prinzessinnen-Bettchen - ließen sich solcheErhebungen nicht machen, meint Kahnt vom BVS.

Fest steht: Das Flaggschiff ist die Kinderkutsche. «Kinderwagen sindauch elterliche Ausdrucksformen. Die Suche dauert oft unfassbarlange», weiß Langebartels. «Der Kinderwagen ist das Bild nach außen.»

Luxus- und Markenangebote ziehen auch, weil «man in der eigenen PeerGroup nicht als «Underperformer» erkennbar werden will», ergänztKai-Uwe Hellmann, Marktforscher aus Berlin. Dazu passen ein6000-Euro-Kinderwagen oder eine ganz in Samt ausgekleideteLuxus-Babywiege für 1135 Euro - beide werden nun bei der«Kind+Jugend» präsentiert. Die Messe wächst jedes Jahr, rund 1250Anbieter aus 53 Ländern kommen diesmal ab 20. September.

Und was sagen die Eltern? «Der Kinderwagen ist für viele ganz klarein Statussymbol», meint Philipp Schulz, junger Vater von Zwillingen.«Man muss schon einen sauteuren Kinderwagen haben, wenn man durchBerlin schieben will oder sonst durch eine Großstadt.» Die Devise beiden Klamotten lautet: «Biobaumwolle, wenn es direkt an der Haut ist.»Beim Spielzeug soll es hochwertig zugehen. Und wie sind all dieteuren Sachen finanzierbar? Tipp: «Zum Kindergeburtstag bei Onkel,Tante und Großeltern Wunschlisten abgeben.»



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