Zu kitschig
Der gefährliche Heiratsantrag am Valentinstag

Hüpfende Herzchen, romantisches Kerzenlicht, hübsch dekorierte Tische und Rosen satt: So sieht die Klischeevorstellung vom Valentinstag aus. Es scheint die perfekte Kulisse für die Fragen aller Fragen zu sein. Doch ein Paartherapeut hält dagegen.

Freitag, 08.02.2019, 11:17 Uhr aktualisiert: 08.02.2019, 11:22 Uhr
Für die Frage aller Fragen eignet sich ein besonderer Moment im Alltag besser als ein aufwendig inszenierter Heiratsantrag an einem speziellen Tag.
Für die Frage aller Fragen eignet sich ein besonderer Moment im Alltag besser als ein aufwendig inszenierter Heiratsantrag an einem speziellen Tag. Foto: Bodo Marks

Hamburg (dpa/tmn) - Die einen streichen ihn rot im Kalender an, für andere ist er eine Erfindung geschäftstüchtiger Floristen: Wie auch immer man zum 14. Februar steht - Blumen, Pralinen und Liebeserklärungen dominieren den Valentinstag.

Da liegt die Krönung nicht so fern: Warum seine Liebe nicht am Tag der Verliebten mit einem Heiratsantrag zelebrieren? Der Paartherapeut Eric Hegmann aus Hamburg hält das allerdings für eine fatale «Disneyfizierung» der Liebe - und rät eher zum Spontan-Antrag auf dem Sofa.

Eignet sich der Valentinstag dazu, um ihn zum Verlobungstag zu machen?

Eric Hegmann: Meist ist es ja nach wie vor immer noch der Mann, der den Antrag macht, und der kann da fast nur verlieren. Wie soll denn der arme Kerl am Valentinstag, der ja an sich schon genug mit Klischees überfrachtet ist, die Erwartungen erfüllen? Nur für den Fall, dass ein Mann wirklich so romantisch veranlagt ist, ist der Antrag an dem Tag natürlich das I-Tüpfelchen.

Also raten Sie von der Idee eher ab?

Hegmann: Ich kann es nicht empfehlen, an dem Tag einen Heiratsantrag zu machen. Sowohl der Valentinstag als auch der Verlobungstag sind so überromantisiert, dass es schon etwas Kitschiges und Aufdringliches hat.

Was ist daran aufdringlich?

Hegmann: In den letzten Jahren hat sich vor allem durch falsche Vorbilder in den sozialen Medien ein Trend rund um den Heiratsantrag entwickelt, den ich als «Disneyfizierung der Liebe» bezeichne. Dazu gehören auch groß inszenierte Anträge in der Öffentlichkeit, vielleicht sogar noch verbunden mit einem Flashmob. Damit wird nur die Angst kompensiert, dass man vom Partner ein «Nein» bekommen könnte.

Vielleicht wählen ja Leute einfach nur den Valentinstag, um das Datum der Verlobung nicht zu vergessen?

Hegmann: Wer so pragmatisch veranlagt ist, sollte sich fragen, ob das Heiraten nicht sogar in die falsche Richtung geht. Um das ganze Drumherum einer Hochzeit noch zusätzlich aufzupeppen, ist die Verlobung wieder unglaublich hipp geworden. Dabei ist es doch die Beziehung an sich, die das wichtigste Gut sein sollte.

Welcher Tag ist denn besser geeignet?

Antwort: Das kommt auf die Stimmung und die Situation an. Warum denn nicht beim Spazierengehen? Wenn es spontan im Alltag einen schönen Moment gibt, braucht es doch keinen speziellen Tag, auf den man warten muss. Der richtige Moment kann auch beim Kuscheln auf dem Sofa sein.

Woran erkenne ich denn den richtigen Moment?

Hegmann: Die perfekte Gelegenheit kann es natürlich nie geben. Aber wenn ein Gespräch gerade mit etwas zu tun hat, wo es um die gemeinsame Lebensplanung geht, passt das doch sehr gut. Das passt sogar viel besser als der berühmte Ring im Champagnerglas, an dem sich dann vielleicht noch der Partner verschluckt. Grauenhaft!

Sie plädieren also für den besonderen Moment im Alltag statt den besonderen Heiratsantrag?

Auf jeden Fall. Es ist doch Quatsch zu glauben, dass eine Ehe deshalb glücklicher wird, weil der Heiratsantrag sehr aufwendig war. Meine Erfahrung als Paartherapeut bestätigt sich immer wieder: Umso größer das Tam-Tam um den Antrag und umso teuerer und spektakulärer die Hochzeit, desto weniger glücklich gerät die Ehe. Die meisten Paare kommen doch zu mir in die Praxis, weil sie in den Themen Achtsamkeit und Dankbarkeit verfangen sind.

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