Pflege-Tipps
Pflegeheim-Besichtigung am besten mit Zeit und Notizen

Was gibt es zu essen? Gibt es ein Therapieheim? Was bietet die Umgebung? Was bringt der neue Pflege-TÜV? Fragen über Fragen, die es bei der Wahl eines Pflegeheims zu klären gibt. Wichtig dabei: Nicht hetzen lassen!

Freitag, 01.11.2019, 10:02 Uhr aktualisiert: 01.11.2019, 10:12 Uhr
Bei der Wahl des Pflegeheims sollten Angehörige sich Zeit nehmen und eine Liste mit Fragen mitbringen, die es zu klären gibt.
Bei der Wahl des Pflegeheims sollten Angehörige sich Zeit nehmen und eine Liste mit Fragen mitbringen, die es zu klären gibt. Foto: Markus Scholz

Bonn (dpa/tmn) - Die Wahl eines Pflegeheims will gut überlegt sein. Natürlich spielt dabei der Preis eine Rolle - das sollte aber nicht das einzige Kriterium sein, rät die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO).

Die teuerste Unterkunft ist demnach nicht unbedingt die beste, auch günstige Anbieter bieten oft gute Betreuung oder Zusatzleistungen.

Die Experten raten daher, sich bei einer Besichtigung vorher von den Qualitäten eines Anbieters zu überzeugen. Dabei gilt: Viel Zeit mitbringen - und eine Liste mit Fragen, die es zu klären gibt. Ideal ist, wenn es bei der Besichtigung auch die Möglichkeit gibt, mit anderen Bewohnern zu sprechen und vielleicht beim Mittagessen dabei zu sein. Manche Heime bieten sogar ein Probewohnen an.

Checkliste und Mustervertrag

Um Unterkünfte besser vergleichen zu können, bietet die BAGSO eine Checkliste zum kostenlosen Download an. Hier lässt sich zum Beispiel festhalten, welche Therapieeinrichtungen ein Heim hat, auch für Serviceangebote und Details wie die Weck- und Bettruhezeiten ist Platz.

Wichtig dabei: Einen Anspruch auf bestimmte Leistungen haben Pflegeheim-Bewohner nur, wenn diese im Heimvertrag aufgeführt sind. Die Experten raten daher, den Vertrag nicht vor Ort bei der Besichtigung zu unterschreiben. Stattdessen sollte man nach einem Muster-Vertrag fragen und diesen zu Hause in Ruhe durcharbeiten.

Der neue Pflege-Tüv

Patientenschützer haben inzwischen vor zu hohen Erwartungen an neue Qualitätsbewertungen für Pflegeheime gewarnt. «Zweifellos war der alte Pflege-Tüv ein Desaster», sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der Deutschen Presse-Agentur. Ob das neue Prüfsystem der angekündigte Riesenschritt in Richtung Vertrauen sei, stehe aber in den Sternen. Weiterhin sollten allein die Träger der Heime die Versorgungsqualität der Bewohner messen. Eine externe Überprüfung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen erfolge nur bei einer kleinen Stichprobe.

Das neue System soll nach jahrelanger Kritik den alten Pflege-Tüv ablösen, bei dem Heime bisher oft Bestnoten bekamen. Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sollen so künftig aussagekräftige Informationen über die Qualität der 13.000 Heime erhalten. Dafür läuft in diesem Herbst eine geänderte Datenerhebung an - ab November wollen die Medizinischen Dienste der Kassen mit dem neuen Prüfverfahren starten.

Vorgesehen ist ein zweistufiges System:

Die Heime selbst sollen Daten zu zehn Themen liefern - etwa wie gut sie die Mobilität der Bewohner erhalten oder wie selbstständig diese noch Körperpflege und anderes machen können. Dies soll bei jedem Bewohner jedes halbe Jahr gemessen und an eine Datenstelle gemeldet werden. Alle 14 Monate sollen zudem Prüfer der Kassen die Qualität der Heime zu 24 Aspekten prüfen.

Patientenschützer Brysch verwies darauf, dass dafür sechs Bewohner vom Heim bestimmt und drei weitere vom Prüfer zufällig ausgewählt würden. Doch knapp die Hälfte aller Einrichtungen habe mehr als 60 Bewohner. «Es ist fraglich, ob auf dieser kleinen Basis tatsächlich die Realität erfasst werden kann.» Brysch meldete auch Zweifel an der neuen Darstellung der Ergebnisse mit Kreisen, Punkten und Quadraten an. «Da wird sowohl eine Orientierung als auch ein Vergleich mit anderen Pflegeheimen schwierig.»

Die Ergebnisse sollen wie bisher im Internet veröffentlicht werden und auch in den Heimen einsehbar sein. Bis Ende 2020 sollen alle Heime nach dem neuen Verfahren geprüft sein. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte von einem «Riesenschritt für mehr Vertrauen ins System» gesprochen.

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