Umgangsrecht
Vater darf Tochter auch in Zeiten von Corona sehen

Wenn Corona-Verordnungen vorsehen, dass Kontakte auf ein absolutes Minimum zu reduzieren sind, gilt das nicht für Elternteile mit Umgangsrecht: Das Kind darf dennoch bei ihnen übernachten.

Montag, 07.09.2020, 09:24 Uhr aktualisiert: 07.09.2020, 09:32 Uhr
Ein Elternteil kann dem anderen Elternteil mit Umgangsrecht nicht wegen der Corona-Pandemie verbieten, das gemeinsame Kind zu sehen. Das entschied das Oberlandesgericht Braunschweig.
Ein Elternteil kann dem anderen Elternteil mit Umgangsrecht nicht wegen der Corona-Pandemie verbieten, das gemeinsame Kind zu sehen. Das entschied das Oberlandesgericht Braunschweig. Foto: David-Wolfgang Ebener

Braunschweig (dpa/tmn) - Kann ein Elternteil dem anderen Elternteil mit Umgangsrecht verbieten, das gemeinsame Kind wegen der Covid-19-Pandemie zu sehen? Nein, entschied das Oberlandesgericht Braunschweig (Az: 1 UF 51/20), wie die Arbeitsgemeinschaft Familienrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) mitteilt.

In dem konkreten Fall stritten die Eltern um das Umgangsrecht des Vaters. Dieser sah seine Tochter fast nur im Beisein der Mutter. Sie war nicht damit einverstanden, dass die Tochter den Vater in dessen Haushalt besucht und dort auch übernachtet.

Beschwerde gegen Übernachtungsbesuche beantragt

Doch das Familiengericht sprach dem Vater einen umfangreicheren Umgang mit Übernachtungsbesuchen zu. Dagegen wollte die Mutter Beschwerde einlegen und beantragte Verfahrenskostenhilfe für das beabsichtigte Beschwerdeverfahren. Vergeblich.

Die Richter sahen keine ausreichende Aussicht auf Erfolg. Das Familiengericht habe den Umgang des Vaters mit seiner Tochter dem Kindeswohl entsprechend geregelt. Da sei auch die Corona-Epidemie kein Grund, den Umgang des Kinds mit seinem Vater zu verweigern.

Umgang gehört zum Minumum an Kontakten

Allein das Auftreten der Pandemie rechtfertige nicht, den Umgang auszusetzen - auch wenn Corona-Verordnungen vorsehen, den Kontakt zu anderen Menschen auf ein absolut nötiges Minimum zu reduzieren. Zu diesem Minimum gehöre aber eben gerade der Umgang zwischen dem nicht betreuenden Elternteil und seinem Kind.

Ausnahmen gäbe es nur im Falle einer Quarantäne, einer Ausgangssperre oder einer Infektion des umgangsberechtigten Elternteils oder eines Angehörigen seines Haushalts. Die Erkrankung des Kinds dagegen sei kein Grund, den Umgang auszusetzen.

© dpa-infocom, dpa:200907-99-458255/2

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