Die eigene heile Welt
Modelleisenbahn als Hobby liegt wieder im Trend

In der Corona-Krise haben viele Menschen wieder mehr Zeit, sich ihren Hobbys zu widmen. Davon profitiert auch die Modelleisenbahnbranche.

Dienstag, 24.11.2020, 13:11 Uhr aktualisiert: 24.11.2020, 13:16 Uhr
Was Modelleisenbahner an ihrem Hobby schätzen: Man kann sich seine eigene heile Welt bauen.
Was Modelleisenbahner an ihrem Hobby schätzen: Man kann sich seine eigene heile Welt bauen. Foto: Daniel Karmann

Nürnberg (dpa) - Seit mehr als 20 Jahren baut der Sänger Rod Stewartschon an einer riesigen Modelleisenbahn. Im vergangenen Jahrpräsentierte er das Ergebnis stolz in einer Fachzeitschrift. AuchBundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) ist seit langem bekennenderModelleisenbahn-Fan.

Es gab Zeiten, da war das Hobby etwas aus der Mode gekommen. Doch in den vergangenen Jahren haben viele ihre alte Eisenbahn im Keller wiederentdeckt oder sind neu in die Modellbauwelt eingestiegen. Gerade in Corona-Zeiten erweist sich das Hobby als krisenfest.

Ein Hobby mit Höhen und Tiefen

Bis unter die Decke türmen sich bei Eisenbahn Dörfler in Nürnbergnostalgische Dampflokomotiven, moderne ICE-Züge, unzählige Häuser,Figürchen und winzige Tiere. 10.000 verschiedene Produkte hat dasTraditionsgeschäft in der Innenstadt zu bieten, das in diesem Jahrsein 100-jähriges Bestehen feiert.

In der Zeit erlebte die Modelleisenbahn Höhen und Tiefen. Letzterevor allem in den 1990er und Nuller-Jahren, als die Spielkonsolen aufden Markt drängten, wie Geschäftsinhaber Rudolf Böhlein erläutert. Inden vergangenen Jahren habe das Hobby aber wieder Fahrt aufgenommen.«Im Gegensatz zu früher ist die Modelleisenbahn günstiger geworden.Ich kann für kleines Geld ins Hobby einsteigen», sagt Böhlein.

Imagewandel belebt die Nachfrage

Seit ein paar Jahren gehe die Entwicklung stetig nach oben, bestätigtauch Ulrich Brobeil vom Deutschen Verband der Spielwarenindustrie.«Den Herstellern ist es gelungen, das Hobby stärker zuemotionalisieren, einen Imagewandel zu erreichen und neue Zielgruppenjenseits der klassischen Klientel anzusprechen.» Zahlen zumGesamtumsatz der Branche gibt es nach seinen Angaben nicht. Diemeisten Hersteller seien zurzeit aber mit der Umsatzentwicklung sehrzufrieden, sagt er. Trotz Corona-Krise.

«Man kann sich seine eigenen heile Welt bauen, unabhängig von dem,was draußen passiert», beschreibt Böhlein, selbst passionierterModelleisenbahner, den Charme des Hobbys. Im Gegensatz zu anderenSpielzeugen unterliegt es keinen Trends, es begleitet seine Anhängeroft ein Leben lang - und braucht vor allem Zeit, die viele Menschenseit dem Ausbruch der Corona-Pandemie im Frühjahr wieder mehr haben.

Das bekommt Marktführer Märklin in seiner Service-Hotline deutlich zuspüren. «Es gibt extrem viele Leute, die sich neu mit dem Hobbybeschäftigen und Aufbauhilfe brauchen», sagt der GeschäftsführendeGesellschafter Florian Sieber. Der Bobby-Car-Produzent Simba Dickieim fränkischen Fürth hatte den insolventen Modellbahnhersteller ausBaden-Württemberg 2013 übernommen. Nach Jahren der Stagnation war derUmsatz zuletzt wieder gestiegen.

© dpa-infocom, dpa:201124-99-443283/3

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