Corona-Maßnahme
Lufthygiene-Experte empfiehlt an Schulen feste Abluftanlagen

Lüftungsanlagen, Geräte mit Filtern oder UV-Licht - was sollte in Corona-Zeiten in Schulen zum Einsatz kommen? Die beste Akut-Lösung sei eine, die für manchen vielleicht «übersimpel und steinzeitlich» klinge, heißt es dazu vom Umweltbundesamt.

Dienstag, 24.11.2020, 13:33 Uhr aktualisiert: 24.11.2020, 13:36 Uhr
Laut Experten funktioniert das Lüften an Schulen besser als mobile Luftreiniger aufzustellen.
Laut Experten funktioniert das Lüften an Schulen besser als mobile Luftreiniger aufzustellen. Foto: Christoph Schmidt

Berlin (dpa) - Statt auf mobile Luftreiniger sollten Schulen Expertenzufolge besser auf sinnvollere langfristige Lösungen setzen. «Festinstallierte Lüftungsanlagen sind auch nach der Corona-Pandemie nochvon großem Nutzen».

Das sagte der Präsident des Umweltbundesamtes , Dirk Messner, der Deutschen Presse-Agentur. Anders als viele mobile Luftreiniger verursachten sie häufig nur geringe Geräusche im Klassenzimmer und ließen nicht nur die Menge an Krankheitserregern in der Raumluft sinken, sondern auch die an Kohlendioxid und ausgedünsteten Schadstoffen. Kurzfristig stehe ohnehin eine ebenso simple wie hoch effektive Lösung im Vordergrund: regelmäßiges Lüften.

Derzeit ist unklar, wie es für die Schüler in den nächsten Wochenweitergeht. Bund und Länder hatten ihre Entscheidung über das weitereVorgehen im Zuge der Corona-Pandemie auf den kommenden Mittwoch (25.November) verschoben.

Die Kommission für Innenraumlufthygiene (IRK) am Umweltbundesamt(Uba) mit 23 Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweizhatte erst kürzlich wieder betont, dass mobile Luftreiniger keinErsatz für ausreichendes Lüften seien. Sie seien nur dort einesinnvolle Ergänzung, wo Fenster nicht ausreichend geöffnet werdenkönnten und auch keine einfachen Zu- und Abluftsysteme in Fragekämen. Luftreiniger mit speziellen Filtern sammeln Viruspartikel ausder hindurchströmenden Luft, andere Geräte sollen Erreger etwamittels UV-Licht abtöten.

Etliche Hersteller preisen ihre Luftreiniger derzeit als idealeLösung unter anderem für die rund 33.000 Schulen bundesweit an, ineinigen Klassenzimmer sind solche Geräte bereits im Einsatz. Wenn füreinen mobilen Luftreiniger angegeben werde, dass er 99,99 Prozent derViren herausfiltere, sei dies in Bezug auf eine Virenlast im Raumnicht erreichbar, erklärte Messner. «In der Praxis können 80 bis 90Prozent erreicht werden, wenn die Reinigung lange genug erfolgt unddas Gerät im Raum richtig aufgestellt ist.» Von einem entfernt davonsitzenden infizierten Schüler oder Lehrer abgegebene Viruspartikelgelangten unter Umständen aber erst nach längerer Zeitdauer zumGerät.

Viele Menschen hofften in der Corona-Pandemie auf technischeLösungen, erklärte Messner. Luftreiniger könnten dazu verführen, sichin falscher Sicherheit zu wiegen. «Und so übersimpel undsteinzeitlich diese Lösung für manchen klingen mag: Lüftenfunktioniert nun mal am besten.» Erreger verschwänden nach draußen,ebenso das für Müdigkeit und Konzentrationsschwäche sorgendeKohlendioxid, gesundheitsschädliche Stoffe, die aus Materialien imKlassenraum ausdünsten und auch Feuchte, die zu Schimmel führenkönne.

Aber offene Fenster bei kalter Außenluft sorgen für Erkältungen,oder? Diese Sorge sei unberechtigt, hatte der HNO-Arzt BernhardJunge-Hülsing kürzlich erklärt. Im Gegenteil sei es wahrscheinlicher,sich in einem schlecht gelüfteten Raum bei anderen anzustecken. DennLuftaustausch hält nicht nur die Menge an Sars-CoV-2 klein, sondernauch die anderer möglicherweise vorhandener Erreger wie Grippevirenoder Bakterien.

Die Ansteckungsgefahr in Schulen grundsätzlich und nachhaltig zusenken, könne mit fest installierten zentralen Lüftungsanlagenerreicht werden, sagte Messner. «Es ist seit Jahren Forderung desUba, Schulen damit auszustatten.» Bei einem Neubau entfielen nurwenige Prozent der Bausumme auf eine solche Anlage.

«Als rasche Maßnahme empfehlen sich Zu- und Abluftanlagen füreinzelne Klassenräume», ergänzte Messner. Professionelle Modelle mitWärme- und Feuchterückgewinnung könnten an der Fensterfrontangebracht werden. «Das wäre zeitnah umzusetzen und hält vieleJahre», so der Uba-Präsident. Auch improvisierte Abluftanlagen ausBaumarktmaterialien könnten Abhilfe im Klassenraum schaffen, wie einVorschlag der Max-Planck-Gesellschaft gezeigt habe. Bei den mobilenLuftreinigern hingegen sei unklar, wie lange sie nach der Pandemieüberhaupt noch eingesetzt werden. Auch aus Umweltgesichtspunktenseien Lüftungsanlagen daher besser.

© dpa-infocom, dpa:201124-99-442104/3

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