Do., 11.12.2014

Finanzen Neue Standards für die Finanzberatung: DIN-Norm bei der Geldanlage?

Beratungsgespräche bei Finanz- und Versicherungsprodukten sind noch immer nicht so gut, wie sie sein sollten

Modelfoto: colourbox.de

Mehr Transparenz bei der Finanzberatung – das ist das Ziel eines Arbeitskreises aus der Wirtschaft, der in den nächsten Jahren eine DIN-Norm für die Beratung auf den Weg bringen will. Ein kontroverses Für und Wieder dürfte zunächst folgen.

Eine Norm im Interesse des Kunden

Ganz bei null muss der Arbeitsausschuss nicht anfangen: Bereits seit einiger Zeit gibt es die DIN SPEC 7222, als Regelwerk quasi eine Vorstufe der zu erarbeitenden Norm. Es wurde von Mitarbeitern der Stiftung Warentest, Finanzberatern, Vertretern von Universitäten und dem DIN-Verbraucherrat erarbeitet. Eine Finanzanalyse für Privatpersonen soll nach der Vorgabe des Regelwerks messbar, objektiv und am individuellen Bedarf der Einzelpersonen eines Haushalts ausgerichtet sein. Beim anstehenden Normungsvorhaben haben nun die einzelnen Interessengruppen selbst Gelegenheit, sich einzubringen und auch mal ein Veto auszusprechen – Konflikte dürften also in dieser Phase vorprogrammiert sein.

Nötiger Handlungsbedarf

Eine Normierung des Beratungsgesprächs im Interesse des Kunden wurde als notwendig erachtet, weil auf diesem Gebiet bisher eher Wildwuchs vorherrschte. Hintergrund ist hier, dass viele Finanzberater in der Vergangenheit in erster Linie Verkäufer von Finanzprodukten waren. Daher wurde es häufig versäumt, zuerst eine Analyse der finanziellen Gesamtsituation des Kunden durchzuführen. Sie kam früher oft zu kurz – dabei ist es aber extrem wichtig, im Zuge einer seriösen Finanzberatung erst einmal zu ergründen, ob ein Kunde alle notwendigen Finanzprodukte wie etwa eine Hausrat- oder Haftpflichtversicherung, eine Rechtsschutzversicherung oder auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung besitzt, bevor man ihm Schiffsfonds oder Aktienpakete empfiehlt.

Interessenkonflikte und Kompromisse

Viele Finanzberater werden im Zuge einer Normierung des Gesprächs nicht auf die Einnahmechancen verzichten wollen, die ihnen die individuelle Beratung in der Vergangenheit ermöglicht hat – und in der Diskussion um die neue DIN-Norm wohl darauf hinwirken, dass ihnen diesbezüglich Möglichkeiten offenbleiben. Weiterhin sollen im Zuge der Norm keine konkreten Finanzprodukte auf den Tisch gelegt werden, sondern lediglich Produktklassen. Aber auch hier besteht noch Definitions- und Handlungsspielraum: Ein Finanzberatungsunternehmen wie etwa der Finanzdienstleister tecis könnte beim Thema Altersvorsorge Fondssparpläne ins Spiel bringen, eine Bank wie die Commerzbank vielleicht eher private Zusatzvorsorgeprodukte. Im Zuge der Entwicklung der DIN-Norm dürfte da die eine oder andere Woge noch zu glätten sein, wenn die verschiedenen Vertreter einzelner Interessengruppen innerhalb der Finanzbranche sich dazu beraten werden.

Vielen ist der Ansatz wohl auch zu technokratisch: So wird argumentiert, dass bei einer standardisierten Abfrage Mängel entstehen können, etwa dann, wenn der Berater sich zu sehr auf sie verlässt und individuelle Besonderheiten seines Finanzkunden so übersieht.

Der Weg zu einer kundenfreundlichen DIN-Norm für Finanzberatungen dürfte also im Moment noch ein weiter sein.



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2937585?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686138%2F2686293%2F2686316%2F