Mi., 18.02.2015

Finanzen Mangelhaftes Finanzwissen: Die Deutschen entscheiden nach Bauchgefühl

Finanzen : Mangelhaftes Finanzwissen: Die Deutschen entscheiden nach Bauchgefühl

Das Finanzwissen der Deutschen ist teilweise sehr schlecht. Foto: pixabay.com

Studien beweisen, was viele Menschen bereits seit Jahren ahnen: Viele Verbraucher haben von Geld nicht den blassesten Schimmer.

Geld regiert die Welt - diese Redewendung könnte kaum stärker der Realität entsprechen. Eigentlich sollten die Verbraucher Geld nutzen, um sich durch das Leben zu schlagen. Scheinbar ist es aber eher andersherum: Das Geld benutzt die Verbraucher. Studien zeigen, dass vielen Menschen dringend benötigtes Allgemeinwissen im Bereich Finanzen fehlt. Ohne dieses entscheiden sie im Alltag praktisch nach ihrem Bauchgefühl.

Finanzielles Unwissen anno 1998

In einem Artikel von 1998 informiert ZEIT ONLINE über eine Untersuchung der Commerzbank zur finanziellen Allgemeinbildung der deutschen Gesellschaft. Bereits damals war klar, dass die deutsche Bevölkerung überaltert. Das Statistische Bundesamt geht in dieser Publikation davon aus, dass im Jahr 2060 etwa 20 Prozent der Bevölkerung zwischen 65 und 80 Jahre alt sein wird. 14 Prozent sollen mindestens 80 Jahre alt sein. Zum Vergleich die Bevölkerung nach Altersgruppen im Jahr 2008:

  • 65 bis unter 80: 15 Prozent
  • 80 und älter: fünf Prozent

Das große Problem ist natürlich die Arbeiterschicht, die von 61 auf 50 Prozent fällt. Ein Arbeitnehmer müsste somit die Pension für einen Rentner tragen - das ist wirtschaftlich nicht machbar.

Die alternde Bevölkerung ist aus dem Grund ein Problem, weil sich viele Menschen heute keine Gedanken über ihr hohes Alter machen. Sie gehen davon aus, dass sie im Jahr 2060 ihre Rente erhalten werden - so wie die Rentner heute.

Abseits der schwachen Altersvorsorge, gibt es noch viele weitere Wissenslücken, die die deutsche Bevölkerung im Bereich Finanzwissen aufweist. Viele kennen sich im Bereich Aktien, Fonds und Lebensversicherungen nicht aus. Einige haben selbst die Prozentrechnung, die sie in der Schule gelernt haben, vergessen.

Wenn die Eltern die Rolle des Finanzberaters einnehmen

Um das Problem mit dem fehlenden Finanzwissen zu lösen, muss man es bei der Wurzel packen. Politiker und Wirtschaftsverbände fordern seit Jahren mehr Wirtschaftsunterricht in Deutschlands Schulen. Eine Studie behauptet jedoch, das könne das Problem nur bedingt lösen. Das Rollenmodell der Eltern wäre weitaus wichtiger. Wenn die Eltern aber Lücken im Finanzwissen aufweisen, wie können sie dann ihrem Nachwuchs etwas beibringen?

Soyeon Shim von der Norton School of Family and Consumer Sciences der University of Arizona (USA) befragte im Rahmen seiner Studie „ Financial Socialization of First-year College Students: The Roles of Parents, Work, and Education“ 2.100 Studenten eines College zu ihrem finanziellen Wissen. Wie die Studie zeigt, können Schulen Finanzwissen vermitteln, dessen Umsetzung hängt jedoch in erster Linie von den Eltern ab. Wissen alleine reicht nicht, wenn es darum geht, mit finanziellen Situationen im Alltag klarzukommen.

Shim empfiehlt, Eltern dazu aufzufordern, ihre Kinder in finanzielle Entscheidungen miteinzubeziehen. Mithilfe von praktischen Szenarien soll dem Nachwuchs beigebracht werden, wie eine finanzielle Entscheidung das Leben beeinflussen kann. Der erste Job - nicht Vollzeit, eher ein Ferienjob - ist die ideale Möglichkeit, Kindern beizubringen, wie schwer es ist, Geld zu verdienen und wie schnell dieses für diverse Dinge verbraucht wird.

Weiterhin bleibt aber die Frage offen, wie man mit Eltern umgeht, denen Finanzwissen selbst fehlt. Um das Problem bei der Wurzel zu packen, müssen somit nicht nur Kinder entsprechend geschult werden, sondern auch ihre Eltern. Denn diese müssen noch viele Jahre lang finanzielle Entscheidungen treffen.

Selbst ist der Verbraucher

Dass der Staat Eltern nicht zurück in die Schule schicken kann, sollten jedem einleuchten. Bundesweite Kurse veranstalten, steht wahrscheinlich auch nicht auf der Liste der machbaren Vorschläge, dieses Problem zu lösen. Was bleibt also übrig? Wenn wir uns doch im Zeitalter des Internets befinden und ein Großteil der deutschen Haushalte Zugang zum World Wide Web besitzt, sollte man diese Zielgruppe auch online informieren.

Folgende Quellen helfen Verbrauchern, ihr Finanzwissen zu verbessern:

Mangelndes Finanzwissen und die Folgen

Wie wichtig es ist, als Verbraucher die Aneignung von Finanzwissen selbst in die Hand zu nehmen, zeigt eine Studie von TNS Infratest. Das fehlende Wissen resultiert in einer starken Zurückhaltung im Bereich Geldanlage. Viele Menschen lassen das Gesparte lieber auf ihrem Konto, anstatt es zu investieren. Dabei scheinen sie nicht zu wissen, dass ihr Erspartes durch die Inflation an Wert verliert. Leider zeigen aktuell nur wenige Menschen Interesse an der deutschen Börse oder anderen mit Risiko behafteten Formen der Geldanlage, die aber auch größere Gewinne bedeuten können.

Doch das wohl größte Manko, welches fehlendes Finanzwissen mit sich bringt, wird beim Kauf des Eigenheims deutlich. Insbesondere zu diesem Zeitpunkt, an dem Niedrigzinsen die Investition in die eigenen vier Wände sehr attraktiv macht, kann fehlendes Finanzwissen schnell teuer werden. Durch die Niedrigzinsen können sich aktuell Familien ein Eigenheim leisten, für die der Kauf vor einigen Jahren zu teuer war. Die Niedrigzinsen werden allerdings nicht für immer auf diesem Niveau bleiben. Wenn die besagte Familie in einigen Jahren einen neuen Zinssatz sichern muss, könnte sie ein böses Erwachen erleben - denn die Zinsen können weitaus höher ausfallen und die monatliche Ratenzahlung unbezahlbar machen.



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3086060?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686138%2F2686293%2F2686316%2F