Finanzen
Solvency II: Mehr Schutz für Versicherungskunden

Die 28 Mitgliedsländer der EU haben sich auf eine harmonisierte strenge Versicherungsaufsicht geeinigt. Ab dem 1. Januar 2016 gilt Solvency II mit Richtlinien, die Verbraucher und Finanzsystem besser vor Krisen schützen als dies bislang der Fall war. Lesen Sie hier, was Solvency II für die Anbieter von Versicherungen und für die Verbraucher bedeutet.

Dienstag, 22.12.2015, 14:22 Uhr aktualisiert: 22.12.2015, 14:39 Uhr
Finanzen : Solvency II: Mehr Schutz für Versicherungskunden
Dank Solvency 2015 solle Risiken in der Versicherungsbranche auch für Verbraucher gesenkt werden. Foto: colourbox.de

Mehr Eigenkapital nötig

Tendenziell fällt es großen und finanzstarken Versicherungskonzernen leichter, die neuen Richtlinien zu erfüllen, wie Dr. Markus Leibundgut, CEO von Swiss Life, im Focus-Interview erläutert . Denn der Kern von Solvency II ist die vom Gesetzgeber geforderte verbesserte Ausstattung mit Eigenkapital. Konzerne müssen alle Risiken abdecken, die in ihrem Versicherungsgeschäft und in ihren Wertpapieranlagen liegen. Neue Kennzahlen geben an, wie hoch das Eigenkapital der Versicherer mindestens sein muss. Diese Werte liegen zum Teil deutlich über den Anforderungen in der Vergangenheit. In diesem Zusammenhang haben viele Großkonzerne einen Vorteil gegenüber kleineren Versicherungsunternehmen, weil sie bereits in der Vergangenheit über eine solidere Kapitalausstattung verfügten. Für alle Unternehmen gibt es allerdings Übergangsfristen, um sich auf die neue Situation einzustellen.

Bessere Überwachung der Risiken

Ein weiterer Bestandteil von Solvency II ist der Umgang mit Risiken im laufenden Geschäft. Strenge Vorschriften zur sogenannten Governance stellen sicher, dass die Unternehmen Risiken im Blick haben und auf Krisen schnell und umsichtig reagieren. Versicherungen benennen einen Verantwortlichen für Risikomanagement, der entsprechende Prozesse und Sicherungssysteme installiert und überwacht. Die Versicherungen erheben und bewerten die Risiken aus ihrem Versicherungsgeschäft und aus der Wertpapieranlage, zudem benennen sie weitere Manager für die Kontrolle und die interne Revision.

Transparenz und Verbraucherschutz

Solvency II bedeutet auch ein Mehr an Transparenz: Sowohl Aufsichtsbehörden als auch Öffentlichkeit werden regelmäßig über Risiken und Geschäftsentwicklung informiert, über das heute vorgeschriebene Maß hinaus. Auch das vermindert das Risiko einer akuten finanziellen Schieflage einzelner Institute.

Bislang war es zumindest in Deutschland undenkbar, dass eine Versicherung ihre Verpflichtungen nicht erfüllen könnte. Doch die Finanzkrise hat die gesamte Branche schwer getroffen, niedrige Zinsen belasten das Geschäft zusätzlich. Vor diesem Hintergrund ist Solvency II eine Verbesserung für die Versicherungskunden. Die Versicherungsbranche insgesamt wird fit gemacht für die Zukunft – so überstehen die Unternehmen Finanzkrisen oder Schockereignisse aus eigener Kraft. Und die Verbraucher können darauf vertrauen, dass ihre langfristigen Verträge auch in 30 oder 40 Jahren wie versprochen erfüllt werden.

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