Finanzen
Was kostet die Welt? Warum Geld alleine nicht glücklich macht

Viele Mythen ranken sich um Glück und das liebe Geld. Macht Geld glücklich? Und wenn ja, unter welchen Voraussetzungen? Ein Blick auf verschiedene Studien gibt hier Aufschluss. Doch keine Sorge, es ist nicht nur das Geld, dass einem Lebensglück verschafft.

Mittwoch, 10.08.2016, 04:55 Uhr aktualisiert: 10.08.2016, 14:31 Uhr
Finanzen : Was kostet die Welt? Warum Geld alleine nicht glücklich macht
Wohlhabenderen Menschen geht es zwar besser als ärmeren, aber Geld alleine macht nicht glücklich. Foto: Fotolia.com, © pathdoc (#101319077)

Wohlhabenderen Menschen geht es besser als ärmeren

Es gibt nationale und internationale Studien, die zeigen, dass es wohlhabenderen Menschen besser geht als armen. Doch sind diese deswegen auch glücklicher? Im World Happiness Report 2016 wurden 160 Länder unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse basierten unter anderem auf Befragungen zur gefühlten Unterstützung aus dem sozialen Umfeld, dem Vertrauen in die Regierung und der empfundenen Freiheit, das eigene Leben selbst zu bestimmen. Zusätzlich wurden Aspekte wie das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf und die durchschnittliche Lebenserwartung mit berücksichtigt. Unter den Top Ten befanden sich vor allem die reicheren Länder, angeführt mit Dänemark auf Platz 1. Deutschland schaffte es dabei immerhin auf Platz 16. Die letzten 30 Länder der Liste befanden sich überwiegend in Afrika. Die letzten fünf Länder waren Syrien, Afghanistan, Burundi, Togo und Benin.

Diesen Ergebnissen nach, geht es wohlhabenderen Ländern nicht nur besser als armen, sondern sie fühlen sich im gesamten auch glücklicher. Aber auch innerhalb der Länder scheint es einen Zusammenhang zwischen Wohlstand und Glück zugeben. So zeigte die Auswertung des Gallup-Healthways Well-Being-Index in den USA einen positiven Zusammenhang zwischen subjektiven Wohlbefinden und Jahreseinkommen. Allerdings nur bis zu einer Grenze von 75.000 Dollar. Dies entsprach zur damaligen Zeit der Studienauswertung 2008/2009 etwa 60.000 Euro. Ist dieser Wert, der alle Grundbedürfnisse ausreichend abdeckt erreicht, steigt das eigene Glücksgefühl nicht mehr automatisch weiter an.

Ein Mindestlohn von 70.000 Dollar

Diese Erkenntnis machte sich der amerikanische Unternehmer Dan Price zunutze. Er beschloss 2015 sein eigenes Gehalt von etwa einer Millionen auf 70.000 Dollar zu kürzen und allen Mitarbeitern seiner Firma Gravity Payments ebenfalls ein Mindestgehalt von 70.000 Dollar zu zahlen. Ihn störte, dass Menschen, die gute Leistung bringen sich teilweise mit finanziellen Problemen herumschlagen müssen, während es für die meisten bei einem Gehalt über 70.000 keinen großen Unterschied mehr zu machen schien, ob sie mehr verdienen oder nicht. Die mediale Reaktion war enorm. Viel Lob auf der einen Seite, und auch einige neue Kunden, die diese Idee unterstützenswert fanden. Aber auch einiges an Kritik von der anderen Seite, von Unternehmen die befürchteten, dass durch seine Aktion der Sozialismus eingeführt werden könne.

Die eigenen Mitarbeiter waren zum allergrößten Teil begeistert von dieser Idee. Immerhin war ihre Freude so groß, dass sie alle zusammenlegten, um ihrem Chef ein Jahr später einen Tesla zu schenken. Ein Elektroauto, von dem sie wussten, dass es der Traum ihres Chefs ist. Nun gab es allerdings zwei Mitarbeiter, die von der Idee, allen denselben Mindestlohn zu zahlen weniger begeistert waren. Sie kündigten. Ihnen kam es unfair vor, dass alle Mitarbeiter, unabhängig davon wie viel sie leisten, mindestens die 70.000 Dollar bekamen. Außerdem würden die Mitarbeiter, die eh schon fast 70.000 verdienen, von der Erhöhung am wenigsten profitieren.

Damit zeigt sich, dass Glück und Zufriedenheit von mehreren Faktoren abhängig ist. Geld steht in unserer Gesellschaft als ein Stück Anerkennung. Für gewöhnlich ist es in einer Leistungsgesellschaft an die erbrachte Leistung geknüpft. Je mehr Leistung erbracht wird, desto höher sollte das Gehalt und damit die Anerkennung sein. Im Fall von Gravity Payments erhielten jedoch die mit dem niedrigsten Einkommen die höchste Anerkennung und nicht die mit der stärksten Leistung. Damit wird es nachvollziehbar, dass einige Mitarbeiter ein Ungerechtigkeitsempfinden bezüglich des bezahlten Gehalts hatten.

Möglicherweise findet sich deswegen in vielen Studien auch Ergebnisse, die zeigen, dass nicht unbedingt die konkrete Summe an Geld glücklich macht, sondern das Verhältnis des Verdiensts zu anderen. Jedoch wurde auch herausgefunden, dass die Möglichkeit sich alles erdenkliche leisten zu können, den Wert der Dinge mindert. Wer sich jede Woche eine neue Gucci-Handtasche oder eine neue Rolex leisten kann, für den sind diese Wertgegenstände nichts Besonderes mehr. Die Fähigkeit Dinge wertzuschätzen scheint verloren zu gehen. Doch darin liegt das Geheimnis von Glück verborgen.

Das Erkennen von Glück

Erst wenn der Wert einer Sache geschätzt wird, kann auch das eigene Glück erkannt werden. In vielen weisen Sprüchen aus dem Alltag findet sich diese Erfahrung wieder. So soll Wilhelm Busch einst gesagt haben „Glück entsteht oft durch Aufmerksamkeit in kleinen Dingen“, und der römische Kaiser Marc Aurel: „Vergiss nicht – man braucht nur wenig, um ein glückliches Leben zu führen“.

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„Es sind die kleinen Momente im Leben, die uns glücklich machen.“ Foto: Fotolia.com, ©Rido (#88856719)

Um glücklich zu sein, bedarf es also an Aufmerksamkeit auf die kleinen Dinge. Auf nette Gesten, schöne Momente und kleine Erfolge. Die Wahrnehmung auf „Glücksmomente“ muss geschult werden, damit Glück überhaupt erst wahrgenommen werden kann. Glücklich sein fängt bei einem selbst an. Es ist die eigene Einstellung den Dingen gegenüber, die beeinflusst, wie wir Dinge oder Situationen bewerten. Während das Verhalten anderer Menschen oft schwer änderbar ist, kann das eigene Verhalten und die eigene Einstellung beeinflusst werden . Sich nicht lange an Problemen aufhalten, nicht immer alles persönlich nehmen oder in schwierigen Situationen höflich zu bleiben. Auch die Fähigkeit bei sich selbst zu bleiben, sich selbst schätzen zu wissen und nicht immer mit anderen vergleichen zu müssen, steigert die innere Zufriedenheit. So zeigte eine Facebook-Studie von 2013, dass die Tendenz sich auf dem sozialen Netzwerk mit anderen Nutzern zu vergleichen, zu mehr Frust und Unzufriedenheit bei den Nutzern führte. Für diese Studie wurden 600 Nutzer zu ihrem Empfinden bezüglich positiver Posts ihrer Facebook-Freunde befragt. Oftmals führten diese positiven Nachrichten zu Neid und negativen Gefühlen.

In einer weiteren Studie vom Happiness Research Institute wurde gezeigt, dass Personen, die Facebook nicht weiter nutzten, schon nach einer Woche eine signifikant höhere Lebenszufriedenheit erreichten.

Die richtige Haltung zum Glück

Völlig unabhängig von Geld und der eigenen Einstellung fanden Forscher allerdings auch einen starken Einfluss von physischen Faktoren auf das Glücklichsein. Als Grundlage diente die Beobachtung, dass an der Körperhaltung eines Menschen gesehen werden kann, ob dieser glücklich oder unglücklich ist. So wird ein glücklicher, zufriedener Mensch mit aufrechter Körperhaltung, wachem Blick und festem Schritt durch die Gegend laufen. Ein unglücklicher Mensch hingegen, wird sich eher mit hängenden Schultern, gesenktem Blick und schlurfenden Schritten fortbewegen.

Doch das Gefühl, welches die Körperhaltung ausdrückt, lässt sich auch ganz bewusst induzieren. Werden Personen aufgefordert aufrecht, mit geradem, hoch erhobenem Haupt zu stehen, fällt es ihnen schwer sich dabei gleichzeitig schlecht zu fühlen. Auch durch einen Bleistift, der quer in den Mund genommen wird, lässt sich gute Laune induzieren. Es wird vermutet, dass durch die Stimulation derselben Muskeln wie beim Lächeln oder Lachen, Glückshormone ausgeschüttet werden.

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Egal in welchem Alter: Die Körperhaltung beeinflusst nachweislich das Lebensgefühl. Foto: Fotolia.com, ©jd-photodesign (#36596340)

Ebenso scheinen die Bewegungsmuster auf einer unbewussten Ebene, die eigene Wahrnehmung zu beeinflussen. Professor Michalak, von der Universität Witten-Herdecke, führte dazu ein Experiment mit 39 gesunden, psychologisch unauffälligen Studenten durch. Eine Versuchsgruppe sollte sich auf einem Laufband in einem typisch glücklichen Laufstil, die andere in einem typischen unglücklichen Laufstil fortbewegen. Beide Laufbänder liefen mit derselben Geschwindigkeit und ein Monitor gab Anweisungen, wie der jeweilige Gehstil auszusehen hat. Während des Laufens wurde sich mit den Studenten über jeweils positive und negative Dinge gesprochen. Im Anschluss an das „Gehen“ wurde getestet, an welche Themen sich die Studenten erinnerten.

Das Ergebnis war laut Michalak eindeutig. Studenten mit dem glücklichen Laufstil erinnerten sich tendenziell eher an die positiven Gesprächsthemen und die mit dem unglücklichen Lauf an die negativen. Durch eigene Körperhaltung werden demnach die Wahrnehmung und die Stimmung beeinflusst. Wer sich also grundlos unglücklich fühlt, sollte seinem eigenen Körper mehr Aufmerksamkeit schenken. Einen aufrechten Gang und öfter mal Lächeln lässt sich auch trainieren.

Zusammenfassung und Fazit:

Der Ausspruch „Geld allein macht nicht glücklich“ hat an seinem Wahrheitsgehalt nichts verloren. Impliziert er doch, das Geld zum Glücklichsein mit dazu gehört. Geld ist eine Form der Anerkennung und damit etwas Grundlegendes für die eigene Zufriedenheit. Allerdings ist es nicht die einzige Form der Anerkennung. Wer nur ein ordentliches Gehalt bekommt und selten ein lobendes Wort, der wird auch bald sein Gehalt nicht mehr als Wertschätzung verstehen. Ähnlich wird es einem Arbeitnehmer gehen, der viele lobende Worte von seinem Chef erhält, aber keinen Lohn, von dem er leben kann. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird er die lobenden Worte auf Dauer nicht mehr als Anerkennung ernst nehmen. Dabei ist Geld insofern noch mehr als eine Form der Wertschätzung, da es für den Lebensunterhalt benötigt wird. Miete und Essen müssen bezahlt werden. Und auch Kleidung und alltägliche Gegenstände kosten. Geld schafft hier die Freiheit seine Grundbedürfnisse zu stillen und sein Leben selber zu gestalten.

Es verwundert nicht, dass diese Freiheit zur Zufriedenheit beiträgt. Um eine ausreichende Freiheit zur Gestaltung reicht allerdings eine gewisse Menge an Geld aus. Sicher gibt es einige, die der Meinung sind, dass sie bei noch mehr Reichtum noch glücklicher wären. Doch wie unter anderem die Gallup-Healthways Studie zeigte, ist dies ein Irrglaube. Es ist womöglich eher so, dass das Streben nach immer mehr eine Aufwärtsspirale entstehen lässt, bei der nicht mehr der eigene Besitz glücklich macht, sondern den Erwerb von Besitz. Dadurch ist das Glücksgefühl nur von kurzer Dauer und trägt nicht wesentlich zu einer höheren Gesamtzufriedenheit bei. Wird verlernt, das erreichte zu schätzen und zu genießen, droht womöglich ein Verlust der Zufriedenheit.

Daher ist es auch nicht alleine das Geld, das Glücklich macht. Es muss auch das Gespür für Glück vorhanden sein. Die eigene Aufmerksamkeit auf sich selber und seine Umgebung muss geschult werden, damit die glücklichen Momente auch als solche wahrgenommen werden. Und auch eine stärkere Achtsamkeit auf das eigene Verhalten und die eigene Körperhaltung kann den Grad an Zufriedenheit positiv beeinflussen: Den Blick auf sich selbst lenken, sich nicht ständig mit anderen Vergleichen, „auch mal gönnen können“ und im wortwörtlichen Sinne aufrecht durchs Leben gehen.

Bildquellen:

Fotolia.com, © pathdoc (#101319077)

Fotolia.com, © Rido (#88856719)

Fotolia.com, © jd-photodesign (#36596340)

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