Sonderveröffentlichung

Finanzen
Ein Erbe ist nicht immer ein Grund zur Freude

In der Regel bereitet der Nachlass eines Verstorbenen seinen Erben Freude, weil er in irgendeiner Form mit einem Vermögenszuwachs verbunden ist. Die begüterte Großmutter hat dem Enkel Geld hinterlassen. Die Eltern vererben das Haus an ihre Kinder. Wer Alleinerbe ist, kann seine finanzielle Situation durch eine Erbschaft verbessern. Aber auch als Teil einer Erbengemeinschaft ist man nicht schlecht gestellt, wenn man weiß, dass es etwas zu erben gibt.

Mittwoch, 22.05.2019, 10:42 Uhr aktualisiert: 22.05.2019, 10:46 Uhr
Finanzen: Ein Erbe ist nicht immer ein Grund zur Freude
Manchmal kann es Sinn machen, das Erbe extern zu verkaufen. Foto: Pixabay.com / Olichel

Was ist aber, wenn der Erbe den Nachlass gar nicht annehmen will? Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn man sich - als Teil einer Erbengemeinschaft - mit den Miterben zerstritten hat und keine weitere Auseinandersetzung provozieren möchte, indem man gemeinsam mit den anderen über das Erbe verfügt. 

Welche Möglichkeiten hat ein unfreiwilliger Erbe?

Setzt der Erblasser für seinen Nachlass eine Erbengemeinschaft ein, kann nur diese Erbengemeinschaft gemeinsam bestimmen, was mit dem Erbe geschieht. Der Wille des Einzelnen ist unerheblich. Möchte ein Erbe nicht Teil einer Erbengemeinschaft sein, kann er sich dafür einsetzen, dass die Erbengemeinschaft sich auseinandersetzt. Eine Alternative für den ungewollten Erben aus der Erbengemeinschaft auszutreten, besteht in dem Verkauf eines Erbteils . Diese Möglichkeit ist in § 2033 BGB gesetzlich fixiert. Wenn der Erbe seinen Erbteil verkaufen will, hat er die Wahl: Er kann diesen an einen Miterben veräußern. Er kann seinen Anteil am Erbe aber auch an einen fremden Dritten veräußern. Den Miterben steht es nicht zu, dem Verkauf zu widersprechen. In den ersten zwei Monaten nach dem Verkauf des Erbteils haben sie aber ein Vorkaufsrecht. Macht keiner davon Gebrauch, kann der Anteil am Erbe an einen Dritten veräußert werden. Für den verkaufswilligen Erben stellt sich die Frage, was sein Erbanteil wert ist. Hierbei kann ihm das Deutsche Erbenzentrum Unterstützung bieten. Wird ein Kaufvertrag über den Erbteil abgeschlossen, ist es wichtig, diesen von einem Notar beurkunden zu lassen.

Das Erbe ausschlagen

Wenn der zukünftige Erbe schon vor der Testamentseröffnung weiß, dass der Erblasser ihm Schulden hinterlassen hat, könnte dies für ihn ebenfalls ein Grund sein, das Erbe nicht annehmen zu wollen. In diesem Fall steht ihm der Weg offen, das Erbe auszuschlagen. Hierbei ist aber zu beachten, dass nur das Erbe oder der Erbanteil im Ganzen ausgeschlagen werden kann. Wird sowohl Vermögen als auch Schulden vererbt, muss der Erbe auch das Vermögen ausschlagen. Des Weiteren muss für die Ausschlagung eine Frist von sechs Wochen nach Kenntnis über das Erbe gewahrt bleiben. Außerdem muss der ausschlagende Erbe beachten, dass seine Entscheidung unwiderruflich ist. Nur mit einer sehr guten Argumentation könnte der Erbe versuchen, die Ausschlagung zu einem späteren Zeitpunkt rückgängig zu machen. Wird der Erbteil ausgeschlagen, geht er automatisch an den nächsten in der testamentarischen oder in der gesetzlichen Erbfolge weiter. 

Fazit

Nicht jede Erbschaft ist mit Freude über einen Vermögenszuwachs verbunden. Möchte ein Erbe aus einer Erbengemeinschaft aussteigen, weil er mit den Miterben zerstritten ist, gibt ihm das Verfügungsrecht des Miterben in § 2033 BGB die Möglichkeit, über seinen Anteil anderweitig zu verfügen. Die Miterben können ihm dieses Recht nicht absprechen. Ihnen steht aber in den ersten zwei Monaten nach Verkauf ein Vorkaufsrecht zu. Machen sie hiervon keinen Gebrauch, kann der Erbteil auch an einen Außenstehenden veräußert werden. Wenn der Erbe vor dem Bekanntwerden des Nachlasses erfährt, dass er nur Schulden erben wird, steht es ihm frei, sein Erbe auszuschlagen.

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