Finanzen
Deutsche sparen weniger – Unterschiede im Sparverhalten

Der Anteil der Sparer liegt in Deutschland bei unter 50 Prozent. Dabei werden Sparkonten immer weniger attraktiv und Fondsanteile sowie Aktien sind auf dem Vormarsch. Durch die anhaltende Niedrigzinsphase ist den Deutschen die Lust am Sparen vergangen. Dabei gibt es erhebliche Unterschiede je nach Altersgruppe. Bei den über 60-Jährigen legen mehr als 50 Prozent Geld auf die hohe Kante, während es bei den 18- bis 29-Jährigen nur knapp 40 Prozent sind.

Freitag, 24.04.2020, 10:54 Uhr aktualisiert: 24.04.2020, 10:59 Uhr
Finanzen: Deutsche sparen weniger – Unterschiede im Sparverhalten
Nach wie vor sparen die Deutschen, doch lange nicht mehr so wie noch vor wenigen Jahren. Beim Sparverhalten zeigen sich ein paar Unterschiede – je nach Alter, Geschlecht oder auch Nation. Foto: Pixabay © Alexas_Fotos

Frauen sparen anders

Bei genauerer Betrachtung ist auch aufgefallen, dass es einen Unterschied zwischen Frauen und Männern gibt. Das Anlegerverhalten unterscheidet sich deutlich voneinander. Männer legen mehr Geld auf die Seite, das liegt allerdings daran, dass Männer im Durchschnitt auch mehr Geld verdienen als Frauen. Prozentual vom Einkommen gesehen sparen Frauen mehr. Frauen und Männer unterscheiden sich auch darin, wie sie das Geld investieren. Männer legen wesentlich mehr Geld in Aktien und Fonds an, während Frauen das Geld eher auf einem Sparbuch oder Festgeldkonto anlegen. Sie investieren auch eher kurzfristig, was sich am Ende in geringeren Renditen bemerkbar macht. Weitere Unterschiede im Sparverhalten sind in einer Umfrage zutage getreten.

Fokus auf Kapitalerhalt

Ein weiterer Unterschied im Sparverhalten von Männern und Frauen ist die Tatsache, dass für Frauen der Kapitalerhalt wichtiger ist als die Kapitalvermehrung. Frauen sind weniger bereit, Wertschwankungen oder gar kurzfristige Verluste hinzunehmen. Männer sind an dieser Stelle risikofreudiger. Es gibt ihnen sogar einen Kick, wenn das Geld nicht zu 100 Prozent sicher angelegt ist. Am Ende erhalten die risikoscheuen Frauen weniger Rendite, weil sie ihr Geld bevorzugt auf dem Sparbuch anlegen. Dennoch sind deutsche Frauen wie auch Männer sicherheitsbewusste Anleger . Bei 40 Prozent der Anleger (Frauen und Männer) sind Fondsanteile besonders beliebt. Aktien sind weniger attraktiv geworden, während Gold sich in der jüngsten Vergangenheit wieder größerer Beliebtheit erfreute.

Ist Sparen eine Frage des Alters?

In der Tat ist Sparen auch eine Frage des Alters, aus einem rein praktischen Grund: Junge Menschen haben häufig ein geringeres Einkommen zur Verfügung und investieren zunächst mehr in Konsum. Die ältere Generation über 60 ist finanziell abgesichert und es bestehen keine Sparzwänge mehr. Entsprechend niedrig ist die Sparquote in diesen Altersgruppen. In den mittleren Jahrgängen legen 75 Prozent regelmäßig Geld zurück. Das Hauptsparziel über alle Altersgruppen hinweg ist die Altersvorsorge und der Aufbau eines finanziellen Polsters. Jüngere sparen auch auf Anschaffungen, wie beispielsweise auf Wohneigentum. Ältere sparen auf die Instandhaltung ihrer Immobilien.

Unterschiede zwischen den verschiedenen Ländern

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Im Gegensatz zu anderen Nationen üben sich die Deutschen im Konsumverzicht, um Geld auf die hohe Kante zu legen. Foto: Pixabay © geralt

Auch von Land zu Land sind Spar- und Anlageverhalten unterschiedlich. Deutschland ist in der EU das Land der Aktienmuffel. In Europa ist das Geldvermögen trotz Finanz- und Eurokrise seit 2003 weiter gestiegen. Dafür verantwortlich ist einerseits frisch Gespartes aber auch Wertsteigerungen durch steigende Aktien- sowie Anleihekurse und die Ausschüttung von Dividenden. In vielen Ländern sorgen die Märkte für das Kapitalwachstum, nicht so in Deutschland. Hier üben die Sparer Konsumverzicht. In Irland beispielsweise sind 90 Prozent des Vermögenswachstums darauf zurückzuführen, dass Aktienkurse und Dividenden gestiegen sind. In Deutschland beträgt dieser Anteil am Vermögenswachstum gerade einmal sieben Prozent. Im Durchschnitt beträgt das Vermögenswachstum in der Eurozone aufgrund von Wertsteigerungen 41 Prozent.

Die konservative Sparmentalität der Deutschen

Durch die konservative Vorgehensweise bei Geldanlagen mit geringen Aktienquoten berauben sich die Sparer selbst der Chancen, höhere, zinsunabhängige Kapitalerträge und Wertzuwächse zu erzielen. Stattdessen erarbeiten sich die Deutschen ihr Kapital und verzichten beispielsweise auf Urlaub und „Dolce Vita“.

Spanien hat im Vergleich zu Deutschland in etwa den gleichen Vermögenszuwachs pro Kopf zu verzeichnen: 70 Prozent seit 2003. In Deutschland kommen 25 Prozent des Zuwachses aus höheren Sparbeiträgen. In Spanien hingegen legen die Haushalte nichts aus ihrem Erwerbseinkommen zurück. Im Gegenteil, sie geben circa 50 Prozent der Kapitalerträge für Konsumzwecke aus.

Portfoliomix macht den Unterschied

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Das Auf und Ab an der Börse ist vielen suspekt. Sie setzen lieber auf sichere, dafür aber weniger renditestarke Geldanlagen. Foto: Pixabay © stevepb

Diese großen Unterschiede sind auf das Sparverhalten zurückzuführen, das im Portfoliomix abgebildet wird. Börsennotierte und nicht börsennotierte Aktien machen bei deutschen Anlegern durchschnittlich sieben Prozent des Portfolios aus, während in Spanien dieser Anteil gleich dreimal so hoch ist und bei 22 Prozent liegt. Das durchschnittliche Vermögenswachstum liegt dadurch in Spanien bei 5,1 Prozent, während es in Deutschland nur 2,8 Prozent beträgt.

Wie wirken sich die niedrigen Zinsen auf das Sparverhalten aus?

Die meisten Sparer in Deutschland haben ihr Verhalten nicht an die Veränderungen in der Zinspolitik angepasst. Insbesondere die jüngeren Sparer setzen auf langfristigen Vermögensaufbau und ihre Altersvorsorge. Die Jüngeren legen ihr Geld weniger in Aktien an. Dadurch ist ein langfristiger Vermögensaufbau wesentlich schwieriger als bei Geldanlagen in Aktien oder Fondsanteile.

Wie kann dennoch der langfristige Vermögensaufbau erfolgreich sein?

Schwankende Kurse am Aktienmarkt sind für viele Anleger ein großes Problem. Sie scheuen das Risiko, das durch das Auf und Ab der Kurse entstehen kann. Allerdings ist eines klar: Jeder Abschwung am Börsenmarkt geht zu Ende. Das war schon immer so. Die Schwierigkeit besteht darin, den richtigen Einstieg zu finden. Als Strategie bietet es sich an, zunächst nur einen kleinen Teil des Geldes in Aktien anzulegen. Dabei kann beispielsweise ein aktiv verwaltetes Portfolio hilfreich sein, das zum großen Teil aus Fondsanteilen und nur einem geringen Teil aus Aktien besteht. So sammeln Anleger zunächst ein wenig Erfahrung am Aktienmarkt und verlieren vielleicht ihre Scheu vor dieser Form der Geldanlage.

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