Sonderveröffentlichung

Wirtschaft
Private Immobilienauktion – Lukrative Plattform für Verkäufer, Investoren und Selbstnutzer

Niedrigste Zinsen, anhaltende Unsicherheit wegen der Corona-Pandemie, vielerorts weiter steigende Mieten – bei Anlegern und Eigennutzern waren Immobilien selten so beliebt wie heute. Eine noch wenig bekannte Möglichkeit zum Immobilienerwerb und auch Immobilienverkauf sind die privaten Immobilienauktionen. Im Interview erläutert Gabor Kaufhold, Vorstand der Westdeutsche Grundstücksauktionen AG und öffentlich bestellter und vereidigter Auktionator (IHK), was dahintersteckt und wie beide – Verkaufswillige und Kaufinteressenten – profitieren können.

Montag, 04.01.2021, 03:52 Uhr aktualisiert: 04.01.2021, 08:55 Uhr
Wirtschaft: Private Immobilienauktion – Lukrative Plattform für Verkäufer, Investoren und Selbstnutzer
Foto: Colourbox

Herr Kaufhold, Anfang Dezember fand die erste Hybrid-Auktion der Westdeutsche Grundstücksauktionen AG statt. Wegen Corona leider ohne anwesende Besucher, stattdessen wurde die Veranstaltung via Live-Stream ins Internet übertragen. Dennoch war der Objektumsatz mit rund  7,5 Millionen Euro der zweitbeste in der Unternehmensgeschichte. Woran liegt das?

Sehr wichtige Gründe sind nach wie vor die niedrigen Finanzierungskosten aufgrund der historisch günstigen Hypothekenzinsen sowie die Tatsache, dass Sparzinsen nominal und real keine Erträge mehr abwerfen oder man sogar dafür Strafzinsen oder sogenannte Verwahrgelder zahlen muss. Die Corona-bedingt anhaltend große oder sogar weiter wachsende Unsicherheit hat den Run auf Immobilien als vergleichsweise sichere Sachwerte noch beschleunigt.

Und es bedarf tatsächlich einer privaten Auktion, um Immobilien zu vermarkten? Das müsste doch jeder herkömmliche Immobilienmakler ebenfalls können…

Die WDGA und die anderen Tochtergesellschaften der Unternehmensgruppe Deutsche Grundstücksauktionen AG sind Immobiliendienstleister, deren Geschäftsmodell nicht mit dem üblicher Makler zu vergleichen ist.   Das hat unübersehbare Vorteile für Käufer und Verkäufer. Denn wir bedienen uns viermal im Jahr privater Auktionen als Vermarktungsvehikel. Zudem sind wir, ein weiterer großer Vorteil, nicht ortsgebunden, also nicht in einem regional überschaubaren Umkreis tätig, sondern praktisch in ganz Deutschland. Das ist attraktiv für verkaufswillige Immobilieneigentümer wegen der quantitativ höheren und qualitativ besseren Nachfrage. Selbstverständlich, auch für Kaufinteressenten, die aus einem deutlich breiteren Immobilienangebot auswählen können als bei nur im regionalen Umfeld aktiven Maklern.

Im Gegensatz zu Zwangsversteigerungen und Teilungsversteigerungen sind private Immobilienauktionen nur den wenigsten Menschen geläufig, wie es scheint. Worin bestehen die wesentlichen Unterschiede?

Sowohl Teilungs- als auch Zwangsversteigerungen haben, vereinfacht gesagt, eine rechtliche Veranlassung. So geht es bei den Teilungsversteigerungen oft um Erbengemeinschaften, die eine ihnen übertragene Immobilie verwerten möchten. Eine Zwangsversteigerung wird meist von einem Kreditgeber, in der Regel einer Bank oder Sparkasse, anberaumt, weil der Schuldner seinen Darlehensverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Eine private Immobilienauktion hat diese Basis nicht. Egal ob Privatperson oder juristische Person wie etwa eine GmbH oder eine Aktiengesellschaft – beide können Liegenschaften aller Art bei uns versteigern lassen.

Gibt es denn bei Ihren Auktionen den typischen Verkäufer und den typischen Verkäufer?

Im Grunde nicht, denn der Kreis der „Einlieferer“ – so nennen wir verkaufswillige Eigentümer, die ihre Objekte über die WDGA vermarkten möchten – ist seit jeher bunt gemischt. Gleichwohl gibt es seit einiger Zeit Tendenzen, dass auf der Verkäuferseite der Anteil von Profis, also Unternehmen, Stiftungen und Vermögensverwaltern zunimmt. Diese Klientel will sich schnell, problemlos und rechtlich sicher etwa von nicht mehr betriebsnotwendigem Immobilienvermögen trennen oder auch von solchem Vermögen, das künftig bei der Anlagestrategie keine oder nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Wir vermarkten bereits seit Jahren Liegenschaften etwa im Auftrag der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und der Deutsche Bahn AG, seit etlicher Zeit verstärkt auch von Mittelständlern und größeren Unternehmen. In jüngster Zeit sind insbesondere Familienstiftungen und Asset‑Manager auf der Verkäuferseite.

Den größten Anteil auf der Käuferseite haben nach unseren Erkenntnissen Privatleute. Suchten die meisten von ihnen vor ein paar Jahren noch Wohnungen oder Häuser zur Eigennutzung, die mit handwerklichem Geschick dann oft modernisiert werden bzw. Baugrundstücke, so steht nunmehr oft das Thema Kapitalanlage im Vordergrund. Überdies rückt das Thema der Projektentwicklung ebenso weiter in den Fokus unserer Käufer. Besonders beliebt sind neben Eigentumswohnungen verstärkt solide Mehrfamilienhäuser – häufig als private Altersversorgung. Dank billigen Baugelds sind oft selbst mit vergleichsweise wenig Eigenkapital real, also nach Steuern und inflationsbereinigt, positive Erträge möglich.

Ebenfalls haben wir häufig kleinere und mittelständische Unternehmen auf der Käuferseite, die aufgrund Expansion Büroobjekte, Produktionshallen oder Logistikimmobilien suchen.

Noch einmal kurz zurück zur Verkäuferseite. Ist das rechtlich sattelfest, wenn juristische Personen wie die GmbH, AG und andere betriebseigene Immobilienwerte über eine private Auktion veräußern?

Das ist ohne Zweifel juristisch sattelfest. Nach zwei Urteilen des Landgerichts Berlin (Aktenzeichen 86 T 77/95 sowie 20 O 114/07) ist klar: Der Zuschlagspreis in einer privaten Immobilienauktion entspricht dem Verkehrswert des Objekts.

Die einen wollen möglichst teuer verkaufen, die anderen so billig wie möglich kaufen. Das klingt nicht gerade nach Schnäppchenmarkt…

Letztlich geht es ja nicht um Schnäppchen, obwohl es die bei unseren Versteigerungen diese auch gibt, sondern um angemessene Preise, die sich unter anderem auf Basis von Angebot und Nachfrage ergeben. Schlussendlich bilden wir einen repräsentativen Teil des Marktes ab. Zudem unterliegen Auktionen wie unsere einigen – auch psychologischen – Besonderheiten. Wird etwa das Mindestgebot vergleichsweise niedrig angesetzt, entwickeln sich häufig derart heftige Bieterwettkämpfe, dass am Ende der Zuschlag zu einem Preis erfolgt, der selbst die kühnsten Erwartungen des Verkäufers übertrifft. Und umgekehrt: Wird das Mindestgebot etwa in Höhe des von uns geschätzten Verkehrswertes einer Immobilie angesetzt, ist das Interesse eher durchschnittlich. Diese und einige weitere Dinge müssen wir als Auktionshaus berücksichtigen, damit beide Seiten zufrieden sind.

 

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