Mo., 09.03.2015

Gesundheit Hintergründe zur Grippewelle

Gesundheit : Hintergründe zur Grippewelle

Die Grippewelle trifft Deutschland momentan mit voller Wucht Foto: Fotomodel: colourbox.de

Trotz zunehmend frühlingshaften Wetters leidet Deutschland nach wie vor unter einer außergewöhnlich heftigen Grippewelle. Die Arbeitsgemeinschaft Influenza des Robert-Koch-Instituts (RKI) meldet schon fast 40.000 bestätigte Fälle, davon gut 6000 in der Region Westfalen/Mitte, und spricht für sämtliche Regionen Deutschlands von einer „stark erhöhten Influenza-Aktivität“. Dem Gesundheitsamt Münster wurden im Januar und Februar bereits 51 Fälle von Grippe gemeldet, während es im gesamten Jahr 2014 lediglich sechs Fälle waren. Hinzu kommt wahrscheinlich eine erhebliche Zahl unerkannter Fälle, denn „es wird ja nicht immer und überall sofort ein Influenza-Test gemacht“, wie Dr. Michael Lürwer vom Münsteraner Gesundheitsamt erklärt.

Zwar gehen viele Experten, darunter auch das RKI, davon aus, dass der Höhepunkt der Grippewelle erreicht ist und diese nun bald abflauen wird. Gewissheit darüber wird es jedoch erst in den nächsten Wochen geben.

Ansteckungsgefahr durch Tröpfcheninfektion

Mit Grippe kann man sich vor allem durch die sogenannte Tröpfcheninfektion anstecken. Eine Übertragung der Viren findet also hauptsächlich durch direkten Kontakt mit Erkrankten statt, zum Beispiel durch Niesen oder Husten. Besonderen Belastungen ausgesetzt sind daher Menschen, die viel Öffentliche Verkehrsmittel nutzen oder in Großraumbüros oder anderen geschlossenen Räumen mit vielen Personen (etwa Klassenräumen) arbeiten. In noch größerem Maße gilt das natürlich für Menschen in medizinischen Berufen wie Ärzte, Pflegepersonal oder Verwaltungskräfte in Krankenhäusern und Arztpraxen, die täglich mit Erkrankten zu tun haben.

Diese Menschen gehören zu den Personengruppen, für die eine Schutzimpfung gegen die Grippe besonders empfehlenswert ist. Das gleiche gilt für Menschen mit weniger leistungsfähigem Immunsystem wie Kleinkinder, Senioren und chronisch Kranke.

Neben einer Schutzimpfung ist die wirksamste Vorbeugungsmaßnahme gegen eine Grippe eine gute Hygiene, insbesondere gründliches Händewaschen, wie Gesundheitsexpertin Alexandra Breckweg erklärt. Dadurch wird nämlich verhindert, dass Krankheitserreger von den Händen ins Gesicht und auf die Schleimhäute gelangen.

Daneben kann auch ein allgemein gesunder Lebenswandel mit mindestens drei mal die Woche Sport, gesunder Ernährung und ausreichend Schlaf zur Stärkung des Immunsystems beitragen und so helfen, eine Erkrankung mit der Grippe zu verhindern.

Ungewöhnlich starke Mutation des Virus

Warum aber fällt die Grippewelle in diesem Jahr heftiger als gewöhnlich aus? Der Hauptgrund dafür liegt nicht im Verhalten der Menschen oder dem Wetter, sondern in unberechenbaren Veränderungen des Virus.

Während viele Viren – etwa jene, die die sogenannten Kinderkrankheiten wie Mumps, Masern und Windpocken auslösen – im Wesentlichen ihre Gestalt beibehalten, verändert sich der für die Grippe verantwortliche Influenza-Virus ständig. Parallel existieren verschiedene Virenstämme, die noch dazu immer wieder ihre Eigenschaften verändern. Eine Immunität hält daher nicht, wie bei den meisten viralen Erkrankungen, lebenslang an – wer die Grippe hatte, kann sie durchaus im nächsten Jahr oder mehrere Jahre später noch einmal bekommen, wenn sich der Virus in der Zwischenzeit genug verändert hat. Fachleute sprechen von einer Mutation des Virus.

Ebenso wie die Immunität durch eine Erkrankung hält auch der durch eine Impfung erlangte Schutz gegen die Grippe nicht unbegrenzt an, weil die Antikörper im Blut nicht mehr zu neuen Varianten des Virus passen. Die Grippeimpfung muss deswegen jedes Jahr wiederholt werden, wenn sie zuverlässigen Schutz bieten soll.

Da der Impfstoff jedoch bereits vor der Grippewelle zur Verfügung stehen muss, müssen sich die Forscher bei dessen Entwicklung auf Prognosen verlassen, wie sich der Virus verändern wird. Das funktioniert mal mehr, mal weniger gut. In diesem Winter sorgten unberechenbare Mutationen des Virus dafür, dass die Impfung keinen so guten Schutz bietet wie normalerweise und viele Geimpfte trotzdem erkranken. In gleicher Weise werden auch viele Menschen, die in den letzten Jahren eine Immunität gegen andere Grippestämme aufgebaut haben, in diesem Jahr erneut krank.



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