Gesundheit
Erhöhte Blutfette: Risiko frühzeitig erkennen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt sind die häufigste Todesursache in Deutschland. In einer aktuellen Studie zeigen Forscher vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, dass bereits gering erhöhte Blutfettwerte langfristig das Risiko für einen Herzinfarkt erhöhen. Dafür sind insbesondere hohe Werte des LDL-Cholesterins im Blut verantwortlich.

Freitag, 12.06.2020, 16:28 Uhr aktualisiert: 12.06.2020, 16:34 Uhr
Gesundheit: Erhöhte Blutfette: Risiko frühzeitig erkennen
Foto: unsplash, Chang Duong

Bei Patienten mit erhöhten Blutfetten können Mediziner das Risiko für einen Herzinfarkt für die kommenden zehn Jahre berechnen. Im Rahmen einer aktuellen Studie haben Forscher des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) die Daten von 38 Studien aus 19 Ländern ausgewertet und ein neues Risikomodell entwickelt. Damit können sie anhand des sogenannten non-HDL-Wertes nahezu auf Lebenszeit das Risiko für einen Herzinfarkt bestimmen. Neben dem Blutwert fließen auch das Alter, Geschlecht und weitere Risikofaktoren wie Übergewicht und Rauchen in die Berechnung ein.

Mediziner unterscheiden bei den Blutfetten zwischen LDL- und HDL-Cholesterin. LDL-Cholesterin gilt als schädlich: Zu hohe LDL-Werte im Blut tragen maßgeblich zur Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) bei. Das LDL-Cholesterin lagert sich hierbei an den Innenwänden der Gefäße ab. In der Folge kann es nicht nur zu einem Herzinfarkt, sondern auch zu Störungen der Durchblutung in Beinen und Gehirn oder sogar zu einem Schlaganfall kommen . Das HDL-Cholesterin ist der gute Gegenspieler des LDL-Cholesterins und gilt als gefäßschützend. Der non-HDL-Wert fasst das Cholesterin im Blut zusammen, das nicht zum HDL-Cholesterin zählt.

Kleine Abweichung, große Wirkung

Die Forscher am UKE konnten bei der Analyse von rund 400.000 Patientendaten beobachten: Bereits geringe Abweichungen vom Idealwert des non-HDL-Wertes beeinflussen auf lange Sicht das Risiko für einen Herzinfarkt. Ähnlich wie beim Rauchen häuft sich die schädliche Wirkung erhöhter Blutfette im Laufe des Lebens an, im Körper entsteht sozusagen eine Cholesterin-Last.

Erhöhte Blutfette verursachen bei den Betroffenen lange Zeit keine Schmerzen oder andere Symptome, sie werden daher oftmals erst spät festgestellt. Um kardiovaskulären Erkrankungen vorzubeugen, sollten Patienten jedoch frühzeitig von ihrem Arzt ihr individuelles Risiko bestimmen lassen. Dann lässt sich rechtzeitig gegensteuern – beispielsweise durch eine gezielte Ernährungsumstellung, den Abbau von Übergewicht oder mit Medikamenten, die den Cholesterinspiegel senken. 

Jeder 300. Deutsche ist von erblicher Stoffwechselstörung betroffen

Ein deutlich erhöhter LDL-Wert kann ein Hinweis auf eine angeborene Störung des Fettstoffwechsels sein. In Deutschland sind rund 270.000 Menschen von familiärer Hypercholesterinämie betroffen. Experten schätzen jedoch, dass nur ein bis zehn Prozent von ihrer Erkrankung wissen. Oftmals erhalten Betroffene ihre Diagnose erst, wenn es infolge der fortgeschrittenen Gefäßverkalkung bereits zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall gekommen ist.

Eine nicht behandelte familiäre Hypercholesterinämie erhöht das kardiovaskuläre Risiko der Betroffenen erheblich und verkürzt die Lebensdauer um bis zu 21 Jahre. Wird die Krankheit jedoch frühzeitig diagnostiziert und behandelt, haben die Betroffenen eine normale Lebenserwartung.

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