Mi., 13.05.2015

HR trifft Social Media Soziale Medien – Champions für HR-Aufgaben der Zukunft

HR trifft Social Media : Soziale Medien – Champions für HR-Aufgaben der Zukunft

Modelfoto: colourbox.de

Nur 5 % der Unternehmen nutzen nach eigener Einschätzung die Sozialen Medien wirklich aus, um neue Mitarbeiter zu finden oder sich als Arbeitgeber positiv darzustellen. 81 % dagegen sind auf diese Möglichkeiten kaum oder gar nicht vorbereitet. Zu solch ernüchternden Ergebnissen kommt die neue "Global Human Capital Trends 2015" Studie der internationalen Beratungsgesellschaft Deloitte. Dabei liegen gerade im HR- und Personalbereich große Chancen, Soziale Medien wie Facebook, Xing, Twitter & Co. sinnvoll zu nutzen.

Online allein reicht nicht mehr

Dass die gedruckte Suchanzeige weitgehend ausgedient hat, hat sich herumgesprochen. Doch vielen Unternehmen scheint es ausreichend, dieselben ermüdenden Textwüsten einfach online zu stellen. Dominierend sind laut Online-Recruiting.net (Netigate-Studie 2015) Jobportale (92 %) und eigene Karriereseiten (87 %). Darüber hinaus hat allenfalls Xing noch Bedeutung, während Twitter, YouTube oder Pinterest kaum genutzt werden. 54 % der von Netigate befragten Personaler haben nicht mal ein Budget für derartige Aktivitäten, die übrigen meist unter 5.000 Euro.

Offenbar wissen die meisten HR-Verantwortlichen nichts mit den Möglichkeiten der Sozialen Medien anzufangen, oder die Angst vor Negativeffekten verstellt den Blick auf ihre überwältigenden Stärken. Besonders deutlich wird dies bei Facebook: Während bis zu 90 % aller arbeitenden oder arbeitsfähigen Deutschen zwischen 18 und 55 sich dort regelmäßig bewegen, wird es nur von 29 % der Unternehmen (regelmäßig oder gelegentlich) für HR-Ziele eingesetzt. Dabei sind sich die Befragten schmerzlich der Aufgaben der Zukunft bewusst: neue Fachkräfte zu finden, gute Mitarbeiter zu binden und ein positives Arbeitgeberimage aufzubauen.

Arbeitgeber im Wettbewerb

Qualifizierte Fachkräfte können sich heute aussuchen, wo und wie sie arbeiten. Vor allem Jüngere sind auch viel eher zum Wechseln bereit, wenn sich anderswo eine reizvolle Alternative bietet. Da reichen vollmundige Floskeln nicht mehr aus, um als Arbeitgeber im Rennen zu bleiben. Greifbares ist gefragt wie zum Beispiel der Nachweis einer guten Work-Life-Balance, ansprechende, individuelle Motivation oder ein authentisches Auftreten von Chefs und Mitarbeitern – gern auch mal mit Ecken und Kanten, solange das Gesamtbild passt. All dies können Soziale Medien zielgruppengenau und zeitnah vermitteln: Facebook oder Twitter bieten Einblicke in einen lebendigen Alltag. YouTube macht Menschen real und Arbeit anschaulich. Bilder auf Pinterest o.ä. stärken die emotionale Ansprache. Bewertungsplattformen wie kununu, Glassdoor oder Azubister bieten wichtige Orientierungshilfen. Spielartige, sogenannte Recruitainment-Programme ziehen vor allem den Nachwuchs in ihren Bann und führen Jugendliche schon im Vorfeld an typische Aufgaben heran.

Mitarbeiter als Botschafter in eigener Sache

Mitarbeiter als Botschafter der eigenen Unternehmenskultur einzusetzen, bietet dabei einen doppelten Vorteil. Es macht ein Arbeitgeberprofil nicht nur nach außen glaubwürdig. Es stärkt auch das Bewusstsein dafür im Unternehmen und damit die Mitarbeiterbindung. Natürlich müssen klare Regeln vereinbart werden, was geht und was nicht. Sensible Daten oder Informationen über Kunden haben nichts in der Öffentlichkeit zu suchen. Doch warum nicht im Stil von "Shopping Queen" über ein Prämienprogramm mit Einkaufsgutscheinen berichten, die neuste Azubi-Deko-Aktion dokumentieren oder den Geburtstagskuchen der Kollegin samt Backrezept vorstellen?

Kosten sparen durch Beziehungsmanagement

Ferner sind in Zeiten von Facebook & Co. die Bindung bestehender Mitarbeiter und die Ansprache von Bewerbern keine grundsätzlich getrennten Aufgaben mehr. Natürlich gilt es nach wie vor, geeignete Kandidaten gezielt anzusprechen und offene Stellen mit attraktiver Personalkommunikation direkt zu bewerben. Doch mit den Mitteln der Sozialen Medien lassen sich Bindungsmechanismen auch auf Potentials übertragen: Schüler und Studenten können im Vorfeld ihres Berufslebens abgeholt und virtuell in das Arbeitsgeschehen eingebunden werden. Der fortgesetzte Kontakt zu geeigneten Bewerbern hilft, bei der nächsten Vakanz eine Stelle gezielt und extrem kostengünstig zu besetzen. Und der ehemalige Mitarbeiter von gestern ist vielleicht der Leistungsträger von morgen, wenn er nicht gerade im Zorn gegangen ist.

Soziale Medien können nicht alle HR-Probleme lösen. Doch richtig eingesetzt, sind sie für zentrale Aufgaben der Mitarbeiterfindung und -bindung geradezu ideal. Wenn lt. Handelsblatt allein im Handwerk 2014 über 15.000 Lehrstellen Leerstellen geblieben sind, stellt sich heute drängend die Frage, ob die alten Instrumente nicht schon längst an ihre Grenze gekommen sind.



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