Di., 29.05.2018

Karriere Nach der Kündigung - wann haben Arbeitnehmer Anspruch auf Abfindung?

Karriere: Nach der Kündigung - wann haben Arbeitnehmer Anspruch auf Abfindung?

Foto: colourbox.com

Vor plötzlicher Beendigung eines Beschäftigungsverhältnisses durch den Arbeitgeber fürchten sich zwar viele Arbeitnehmer, doch in Deutschland gibt es einen ziemlich strengen Kündigungsschutz. Gerade deswegen können viele Arbeitnehmer sich bei einer Kündigung zurecht Hoffnungen auf eine Abfindung machen. Ob Ihnen diese laut deutschem Recht zusteht und ob Sie sich auch sonst eine Hoffnung auf Abfindung machen dürfen, erfahren Sie hier.

Abfindung nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses - so sieht das deutsche Recht die Sache

Auch wenn es die landläufige Meinung gibt, dass die Beendigung des Arbeitsverhältnisses durch den Arbeitgeber zwangsläufig eine Abfindung nach sich ziehe ist dem nicht so. Einen wirklichen Anspruch auf eine Abfindung haben Sie als Arbeitnehmer nur unter gewissen Umständen. 
Dazu gehört etwa eine vertragliche Vereinbarung im Arbeits- oder Tarifvertrag oder aber eine Vereinbarung durch den Betriebsrat, die explizit eine Abfindung nach Kündigung durch betriebliche Gründe vorsieht. 
Auch wenn der Arbeitgeber ohne Ausgleich mit dem Betriebsrat oder ohne sich um den Ausgleich zu bemühen, eine betriebliche Änderung durchführt, ist eine Abfindung fällig. Dies gilt auch für eine fristlose Kündigung, selbst wenn diese berechtigt ist - zumindest sofern der Arbeitgeber sich vertragswidrig verhalten hat. 
Unter Umständen haben Sie auch dann als Arbeitnehmer Recht auf eine Abfindung, wenn das Arbeitsverhältnis (noch) nicht aufgelöst, aber unzumutbar geworden ist oder eine Fortführung der Arbeit nicht länger sinnvoll wäre.
Ein häufiger Grund für eine Abfindung findet sich aber in einem ganz anderen Paragraphen des deutschen Rechtes, nämlich im §1a Kündigungsschutzgesetz. Dieser Paragraph sieht nämlich vor, dass Arbeitgeber Arbeitnehmern eine Abfindung anbieten können, sofern diese auf eine Kündigungsschutzklage verzichten. 

Abfindung trotz anderer Rechtslage

Aus dieser Aufstellung verschiedener Gründe für eine Abfindung wird bereits ersichtlich, dass Sie nicht zwangsläufig Recht auf eine Abfindung haben. Dennoch gibt es viele Fälle, in denen Arbeitgeber bereit sind, scheidenden Arbeitnehmern eine Abfindung auszuzahlen.
Die Gründe hierfür liegen vor allem in der rechtlichen Absicherung für den Arbeitgeber. Denn prinzipiell lassen sich alle Kündigungen zunächst einmal dem Arbeitsgericht zur Prüfung vorlegen. In vielen Fällen stehen die Chancen hier für Arbeitnehmer gar nicht schlecht, denn der deutsche Kündigungsschutz ist strikt. Arbeitgeber gehen mit einem möglichen Prozess also ein hohes Risiko ein, schließlich müssten sie dann dem ausgeschiedenen Arbeitnehmer eine hohe Summe zahlen, deutlich höher als eine mögliche Abfindung. 
Ein solches Risiko wollen viele Arbeitgeber gar nicht erst eingehen, entsprechend sind sie von sich aus bereit, Ihnen noch vor einer bevorstehenden Kündigung einen Aufhebungsvertrag inklusive Abfindung anzubieten.

Die Höhe der Abfindung

Für Sie als Arbeitnehmer lohnt es sich, sich im Einzelfall beraten zu lassen. Vor allem, wenn eine Abfindung nicht vertraglich oder durch den Betriebsrat fest vereinbart ist.
Sollten Sie eine Abfindung nach §1a KSchG erhalten, lautet die Grundregel: pro Beschäftigungsjahr (ab sechs Monaten gilt ein Beschäftigungsjahr als voll) erhalten Sie ein halbes Monatsgehalt Abfindung. Ausschlaggebend ist das Gehalt im Monat der Kündigung. 
Es gibt auch Höchstwerte für die Abfindung, sollten Sie sich zu einer Klage entschließen. Diese betragen für Arbeitnehmer bis 50 Jahren Lebensalter 12 Monatsgehälter, ab 50 Jahren sind dies bis zu 15 Monatsgehälter (Voraussetzung: 15 Jahre Betriebszugehörigkeit) und ab 55 Jahren bis zu 18 Monatsgehälter (Voraussetzung: 20 Jahre Betriebszugehörigkeit).
Einen wichtigen Aspekt des deutschen Rechtes sollten Sie bei Erhalt der Abfindung unbedingt beachten: Abfindungen werden ab dem ersten Cent versteuert, einen Freibetrag gibt es nicht. 

Gute Chancen auf Abfindungen für Arbeitnehmer

Auch wenn die Kündigung oder Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses durch betriebliche Änderungen für Arbeitnehmer zunächst einmal einen harschen Einschnitt darstellt, haben Sie gute Chancen auf eine Abfindung. Dies gilt auch dann, wenn diese vertraglich nicht vereinbart ist, schließlich wollen Unternehmen so ihr Risiko minimieren. 
Durch diese Abfindung soll verhindert werden, dass Sie finanzielle Nachteile in einer Phase Ihrer Karriere erleiden, in der Sie sich beruflich neu orientieren müssen. Bevor Sie einer Abfindungszahlung zustimmen, sollten Sie sich aber um Rat und rechtlichen Beistand bemühen, denn eine einmal gezahlte Abstimmung lässt sich nachträglich nicht erhöhen.



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