Di., 24.07.2018

Sicherheit vor Geld Studenten zieht es in den öffentlichen Dienst

Trotz boomender Wirtschaft zieht es Studienabsolventen in den öffentlichen Dienst. Die Aussicht auf Sicherheit ist für viele attraktiv.

Trotz boomender Wirtschaft zieht es Studienabsolventen in den öffentlichen Dienst. Die Aussicht auf Sicherheit ist für viele attraktiv. Foto: Julian Stratenschulte

Die Wirtschaft brummt, Fachleute werden an allen Ecken und Enden gesucht. Studenten könnten hier nach ihrem Abschluss gutes Geld verdienen. Viele wollen laut einer Studie aber lieber etwas anderes.

Von dpa

Stuttgart (dpa) - Deutschlands Studenten setzen bei der Berufswahlstärker auf Sicherheit und einen Job beim Staat. Mehr als 40 Prozenthalten mittlerweile einen Arbeitsplatz im öffentlichen Dienst fürattraktiv, wie die «Studentenstudie 2018» des BeratungsunternehmensEY ergab.

In der vorangegangenen Befragung vor zwei Jahren waren esnoch 32 Prozent. Kultureinrichtungen (22 Prozent) und dieWissenschaft (20 Prozent) folgen auf den Plätzen zwei und drei. EinenAbsturz von Platz drei auf acht in der Rangfolge erlebte dieAutoindustrie. Nur noch 8 Prozent der rund 2000 Befragten aus 27Universitätsstädten in Deutschland halten die Branche für attraktiv.Vor zwei Jahren waren es noch 22 Prozent.

Geld ist den Studenten seit der letzten Befragung zwar wichtigergeworden. Das Gefühl, einen sicheren Job zu haben, überwiegt lautStudie aber weiter deutlich. «Junge Berufsanfänger in Deutschlandhaben während ihrer Studienzeit wirtschaftlich eigentlich nur eineserlebt: Es ging immer weiter nach oben», sagte der Leiter derEY-Personalabteilung, Oliver Simon. Konjunktur rauf, Arbeitslosigkeitrunter, Fachkräfte dringend gesucht: «Hochschulabsolventen finden indieser Situation vergleichsweise einfach einen Job», sagte er. «Daherist es schon verwunderlich, dass sie so auf Sicherheit bedacht sindund offenbar das Risiko weitgehend scheuen.»

Allerdings sei die Unsicherheit in der Industrie auch sehr groß,ganze Branchen seien im Umbruch. «Der öffentliche Dienst wirkt da wieein Hort der Beständigkeit inmitten des Umbruchs», sagte Simon.

Einen Job beim Staat finden der Studie zufolge vor allem Juristen undGeisteswissenschaftler attraktiv. Die Mehrheit unter denWirtschaftswissenschaftlern hingegen wünscht sich einen Job in einemBeratungsunternehmen oder bei Wirtschaftsprüfern. Ingenieure wiederumbegeistern sich hauptsächlich für die IT- und Softwarebranche. Vorallem hier büßt die Autoindustrie immens an Zuspruch ein.

Dass der öffentliche Dienst bei Studenten mit überdurchschnittlichenStudienleistungen sogar noch stärker an Attraktivität gewonnen hatals im Durchschnitt, hält EY-Personalchef Simon zwar für erfreulich.Die Innovationen, die Deutschland weltweit so erfolgreich gemachthätten, entstünden aber in der freien Wirtschaft. «Die Unternehmensollten sich Gedanken darüber machen, wie sie weiter fürBerufsanfänger attraktiv sein können», sagte Simon. «Geld alleinereicht dafür nicht.»



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