Reise
Auf den Spuren der Nuraghen auf Sardinien

Sardinien beeindruckt nicht nur mit feinen Sandständen, einer einzigartigen Flora und Fauna mit Tausenden seltenen Tieren und Pflanzen sowie mediterranem Klima. Die zweitgrößte Insel im Mittelmeer blickt auch auf eine geheimnisvolle Besiedlungsgeschichte zurück.

Donnerstag, 25.02.2016, 11:33 Uhr aktualisiert: 25.02.2016, 15:17 Uhr
Reise : Auf den Spuren der Nuraghen auf Sardinien
Foto: Flickr

In der ausgehenden Bronzezeit, ca. vom 14. bis zum 11. Jahrhundert vor Christus, waren der gesamte Mittelmeerraum und der nahe Osten wirtschaftlich eng vernetzt. Es gab verschiedene Reiche und Stadtstaaten, die regen Handel miteinander trieben. Die mächtigsten waren das Ägypten Ramses III., das Hethiterreich und das der Mykener. Recht unvermittelt kam es jedoch zum Untergang all dieser Kulturen. Dies wurde anhand verschiedener Theorien zu erklären versucht, die sich inzwischen aber zum Bild eines Kollapses mit mehreren Faktoren zusammenfügen .

Neben den Großreichen und Stadtstaaten vor allem im östlichen Mittelmeerraum, deren Geschichte durch Tontafeln und Hieroglyphentexte dokumentiert ist, gab es auch Kulturen, über die heute keinerlei oder kaum schriftliche Zeugnisse übriggeblieben sind. Dabei handelt es sich vor allem um Inseln wie Korsika, die Balearen und eben Sardinien. Meist sind dort nur Bauten, Votivgegenstände und Gebrauchsgegenstände erhalten, die nur unvollständige Bilder vom Leben dieser Menschen zeichnen.

Hochkultur ohne Schrift

Eine der vergleichsweise gut dokumentierten Kulturen findet sich auf Sardinien. Zwar weiß man wenig über die Ethnizität der dortigen Ureinwohner, sicher ist aber, dass sie begnadete Baumeister waren. Dies belegt die große Zahl der verbliebenen Nuraghen, wuchtige turmähnliche Bauten aus großen Steinblöcken. Ungefähr 7.000 sind auf der Insel registriert, hauptsächlich im Westen und im Zentrum. Den meisten Nuraghen wird entweder ein religiöser Zweck oder der von Verteidigungsanlagen zugesprochen . Darüber hinaus wurden sogenannte kupferne Ochsenhautbarren gefunden, eine Art Währung dieser Zeit im Mittelmeerraum, sowie Bronzestatuetten, symbolische Opfergaben, deren Datierung jedoch sehr schwierig ist. Die Ochsenhautbarren stammen hauptsächlich aus Zypern und heißen so, da sie in ihrer Form wohl aufgespannten Ochsenhäuten nachempfunden sind. Ebenfalls fanden sich zahlreiche Scherben mykenischer Keramik. Entsprechend muss ein reger Handel und Austausch mit diesen Inselreichen bestanden haben.

Handel und Wandel

Gehandelt wurde hauptsächlich mit Metallen. Kupfer war auf Sardinien als Importgut sehr begehrt, auch wenn es dort große Vorkommen gab. Da es dabei um die Herstellung von Bronze ging, ist von einer starken Militarisierung auszugehen. Offen bleibt dabei jedoch, woher das dafür benötigte Zinn kam.
Die Nuraghenkultur ging kurz nach der mykenischen Kultur unter. Hier spielte auch die wachsende Macht der Phönizier im westlichen Mittelmeer eine Rolle, die ab ca. 650 v. Chr. auch Sardinien besiedelten. Es ist nicht auszuschließen, dass die Nuraghenkultur dann langsam von der phönizischen absorbiert wurde – ein Prozess, der sich wohl bis um 500 v. Chr. hinzog.

Wo beginnt man – und wie kommt man hin?

Reist man nach Sardinien , sollte man sich vor allem die Nuraghenkomplexe wie Santu Antine oder Su Nuraxi ansehen. Unbedingt sehenswert aufgrund ihrer perfekten architektonischen Konstruktion sind auch die Brunnenheiligtümer wie Sa Testa oder Santa Cristina. Ganz vorbei kommt man an den Nuraghen auf der Insel sowieso nicht.

Vom Flughafen Münster/Osnabrück aus fliegen die Lufthansa, airberlin und Meridiana fly die viertgrößte Stadt der Insel, Olbia, mit 1-2 Zwischenstopps an. Auf charmingsardinia.com erhält man einen guten Überblick über ausgesuchte Hotels und kann diese direkt buchen. Zu beachten ist die Reisezeit: Die Saison geht ca. von Mai bis September, davor und danach sind viele Hotels geschlossen.

Bildrechte: Flickr Nuraghe Ruju M4rvin CC BY-SA 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

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