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Schifffahrt an Rhein und Mosel startet in Saison

Ob Loreley, Deutsches Eck, Rüdesheim oder Andernacher Geysir: In vielen Ecken von Rheinland-Pfalz fahren Ausflugsschiffe wieder durch die Gewässer. Leinen los für die Saison 2018. Doch die Branche hat mit Unwägbarkeiten zu kämpfen.

Donnerstag, 05.04.2018, 11:25 Uhr aktualisiert: 05.04.2018, 11:32 Uhr
An Rhein und Mosel beginnt so langsam die Schifffahrtsaison.
An Rhein und Mosel beginnt so langsam die Schifffahrtsaison. Foto: Andreas Arnold

Mainz/Koblenz (dpa) - Die Fahrgastschifffahrt an Rhein, Mosel,Main und Lahn startet in diesen Wochen in ihre neue Saison. Damit sieerfolgreich verläuft, müssen Anbieter steigenden Ansprüchen derBesucher gerecht werden, kein immer leichtes Unterfangen.

«Hoffen auf gutes Wetter und frische Farbe auf's Schiff: Das langt nicht mehr», sagte Anton Nauheimer. Er ist Vorsitzender des Fachausschusses für Fahrgastschifffahrt beim Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt und Geschäftsführer der Frankfurter Primus-Linie , die unter anderem Fahrten auf Rhein und Main anbietet.

Viele Touristen seien mit modernen Flusskreuzfahrtschiffen unterwegsund würden diese mit den Tagesausflugsschiffen vergleichen, sagteNauheimer. Da falle etwa auf, dass Klimaanlagen bei Kreuzfahrern gangund gäbe seien, längst aber nicht bei allen Ausflugsbooten. Insofernmüssten Fahrgastschiffer immer wieder in ihre Flotte investieren.«Man muss auf der Höhe der Zeit bleiben», sagte Nauheimer.

Auch Werner Gilles von der Gilles Personenschifffahrt aus Vallendarbei Koblenz weiß um die Ansprüche der Kundschaft. Bei mehrstündigenFahrten komme es auch auf die Verpflegung an. «Da ist gastronomischeLeistung gefragt.» Er habe viele Stammgruppen, die jedes Jahrwiederkämen. «Die wollen nicht immer dasselbe essen.»

Und Gilles hat noch eine weitere Folge des Booms derFlusskreuzfahrten ausgemacht. Diese Reedereien beschäftigten vieleSchiffsführer. «Der Markt ist leergefegt.» Er selbst könne sichglücklich schätzen, dass seine Söhne auch Schiffsführer seien. «Dennes ist ein großes Problem, nautisches Personal zu finden.»

Bei Gilles läuft die Saison - wie bei vielen anderen auch - seitOstern. «Der Start war unerwartet gut gewesen», sagte der Firmenchef,der fünf Schiffe hat, inklusive eines Boots, das Fahrten zumAndernacher Geysir anbietet, dem höchsten Kaltwassergeysir der Welt.Hinzu kommt bei Gilles der Betrieb einer Personenfähre zwischen derKoblenzer Altstadt und der Festung Ehrenbreitstein.

Der Branchenriese Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschiffahrt (KD) hat seine Linienfahrten zum 24. März wieder aufgenommen. Abseits dieses Regelbetriebs gewinnt Sprecherin Nicole Becker zufolge das Geschäft mit Eventfahrten immer mehr Bedeutung. Erstmals soll es in diesem Jahr beispielsweise auch von Mainz und Koblenz aus Partyfahrten mit DJs geben. «Die Schifffahrt ist Teil eines Programms - ob gastronomisch oder Party -, aber da ist noch mehr drumherum»,umschreibt Becker die Entwicklung.

Die strikte Grenze zwischen Saison und Nicht-Saison gebe es ohnehinnicht mehr, erklärte Becker. Auch im Winter werde etwa einausgedünnter Fahrplan rund um die Loreley angeboten, das Angebot mitFahrten in der Adventszeit werde stetig ausgebaut. In Köln hättenzudem Fahrten an Karneval Tradition, auch Charterfahrten seien rundums Jahr möglich. Die Winterzeit, in der außer Wartungs- undReparaturarbeiten nichts los sei, werde immer kürzer. Gleichwohl seidie Zeit um Ostern traditionell der Auftakt in die touristischeSaison. «Nach dem langen Winter zieht es die Menschen raus.»

Bei Stefan Merkelbach, Inhaber der Personenschifffahrt Merkelbach in Koblenz, machen Charterfahrten inzwischen rund 60 Prozent desGeschäfts aus, der Anteil klassischer Rundfahrten habe abgenommen.Chartertouren seien besser planbar. Merkelbach bietet unter anderemBrunch-, Feuerwerks- und Oktoberfestfahrten an. Auch sein Boot istschon wieder unterwegs. Merkelbach betonte aber: «So richtig geht esab Pfingsten mit Tagestouristen los.»

Auch für Nauheimer von der Primus-Linie, der die Branche seit 42Jahren kennt, sind Eventfahrten im Kommen. Aber: «Der klassischeTourist ist nach wie vor das Rückgrat des Geschäfts.» Es braucheweiter den Gast, der das Erlebnis Schifffahrt suche. «Wir werdennicht die Diskotheken oder Vier-Sterne-Restaurants an Land ersetzenkönnen», betonte Nauheimer.

Ob Event- oder Rundfahrt: Nach Ansicht von Werner Gilles entscheidetletztlich immer noch das Wetter über eine Saison. «Es geht niekontinuierlich», sagte er. Ein Auf und Ab sei normal in dem Geschäft.«Es muss unter dem Strich stimmen, und das war bis jetzt noch jedesMal so.»

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