Denkmal verschwand 1918
Umstrittene Prager Mariensäule wird wiederaufgebaut

Die tschechische Metropole Prag ist bald um eine Attraktion reicher. Die historische Marienstatue aus dem 17. Jahrhundert wird wiedererrichtet. Doch nicht alle Prager sind davon begeistert.

Dienstag, 18.02.2020, 11:02 Uhr aktualisiert: 18.02.2020, 11:06 Uhr
Die erste Vorarbeiten für die Wiedererrichtung einer historischen Mariensäule aus dem 17. Jahrhundert haben begonnen. Der Platz mit Rathausturm und astronomischer Uhr ist eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der tschechischen Hauptstadt.
Die erste Vorarbeiten für die Wiedererrichtung einer historischen Mariensäule aus dem 17. Jahrhundert haben begonnen. Der Platz mit Rathausturm und astronomischer Uhr ist eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der tschechischen Hauptstadt. Foto: Ondøej Deml

Prag (dpa) - Der bei Touristen beliebte Altstädter Ring in Pragerhält eine neue Dominante. Am Montag begannen erste Vorarbeiten fürdie Wiedererrichtung einer historischen Mariensäule aus dem 17.Jahrhundert.

Der Platz mit Rathausturm und astronomischer Uhr isteine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der tschechischen Hauptstadt. In einem ersten Schritt sollen bis in eine Tiefe von rund zwei Metern die ursprünglichen Fundamente der Säule freigelegt werden. Dabei hoffen die Initiatoren um den Bildhauer Petr Vana, den Grundstein aus dem Jahr 1650 - und möglicherweise sogar eine Zeitkapsel - zu entdecken.

Die Stadtverordnetenversammlung der Moldaumetropole hatte im Januarnach langem Hin und Her ihre Zustimmung zur Wiedererrichtung derStatue mit der Jungfrau Maria an der Spitze gegeben. Befürwortersehen in der Säule ein architektonisch-historisch wertvollesBaudenkmal, das zur Gestaltung des Platzes gehört. Kritiker lehnensie als ein Symbol der verhassten Habsburgermonarchie und dergewaltsamen Rekatholisierung der Böhmischen Länder ab.

Kaiser Ferdinand III. hatte die Säule zum Dank für die Rettung Pragsvor den protestantischen Schweden am Ende des Dreißigjährigen Kriegserrichten lassen. Sie wurde am 3. November 1918 von eineraufgebrachten Menge gestürzt und zerstört, nachdem dieTschechoslowakei wenige Tage zuvor ihre Unabhängigkeit vonÖsterreich-Ungarn erklärt hatte. Die neue Replik soll, wenn allesnach Plan geht, im September fertiggestellt sein.

Er habe seit 23 Jahren jedes Jahr zwei Monate für die Realisierungdes Projekts geworben und gearbeitet, sagte Bildhauer Vana derAgentur CTK. Tschechien ist in der Gegenwart stark atheistischgeprägt. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2011 bekannten sich nur20,8 Prozent der Befragten zu einer Glaubensgemeinschaft.

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