Di., 07.06.2016

Special Verkehrsminister warnt: Hoverboards nicht gerade ungefährlich

Special: Verkehrsminister warnt: Hoverboards nicht gerade ungefährlich

Hoverboards sind wie motorgetriebene Waveboards. Aufgrund ihrer Geschwindigkeit können sie auch Bürgersteigen jedoch ein Sicherheitsrisiko darstellen. Foto: © kridneh (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

Schon in den 1980ern waren derartige Vehikel, gewissermaßen zweirädrige Bretter mit einem durch Gewichtsverlagerung ausgedrücktem Steuerungselement, in aller Mode.

Kein geringerer als Marty McFly höchstpersönlich, die Hauptfigur aus dem Science-Fiction-Epos „Zurück in die Zukunft“, war damit seiner Zeit voraus. Die Industrie hat sie „Hoverboards“ getauft, was insofern nur folgerichtig und in Abgrenzung zu Segways, den lange Zeit dominierenden Trendvehikeln auf den Straßen hipper Szeneviertel, relativ einleuchtend ist. Dass damit eine Reihe von Gefahren und Risiken in den Mittelpunkt geraten, war jüngst erneut ein Anliegen des Verkehrsministers von New South Wales (Australien). Aufgrund von Sicherheitsbedenken wurden die Hoverboards auf australischen Straßen und Gehwegen verboten.

In Australien wurde just ein bundesweit einheitlicher Verkaufstopp erlassen, der nun vorübergehend bis Juni gilt. Als Begründung wurden sechs Hausbrände in allen Teilen des Landes angeführt, die auf defekte Elektronik und Konstruktionsfehler eben jener Hoverboards zurückzuführen seien. Was steckt wirklich dahinter?

Was sind Hoverboards und wo liegen die Risiken?

Hoverboards funktionieren ähnlich den bereits bekannten Segways, die sich mittels Gewichtsverlagerung steuern lassen. Sie basieren auf zwei Rädern, die zueinander ohne verbindende Lenksäule stehen und über einen eingebauten Motor betrieben werden. Jedes Rad ist zentral unterhalb einer Plattform angebracht, diese sind wiederum über eine flexibel tarierbare Achse verbunden. Die nötige Balance soll durch die Grundenergie des Antriebs, also elektrisch betrieben, sichergestellt werden. Den richtigen Gleichgewichtssinn vorausgesetzt, lassen sich somit anspruchsvolle Hindernisse umfahren. Soweit die Theorie und die Anreizwirkung für viele, sich diese Board für den Sport- oder Freizeitbedarf anzuschaffen.

Allerdings überschätzen viele User ihre eigenen Fertigkeiten, auch scheinen die kurzen Reaktionszeiten die Hoheit über die Steuerungselemente zu verringern. Im Grunde seien folgende Risiken und Gefahren genannt, die im Umgang mit Hoverboards eingegangen werden.

Risikofaktor Gefahren
Gewichtsverlagerung als Steuerungselement Mangelnde Körperbeherrschung und eingeschränkte Korrektur in brenzligen Manövern.
Hohe Geschwindigkeiten Bis zu 20 km/h erreichen manche handelsüblichen Hoverboards, sodass durch direkte Unfalleinwirkung auf Asphalt oder im Straßenverkehr gefährliche Verletzungen drohen.
Überhitzung der Akkumulatoren Standardmäßig werden Lithium-Ionen-Akkus eingebaut, die mittels externem Netzteil geladen werden. Experten bemängeln einen unzureichenden Überladeschutz, der Explosionen verursachen kann.
Blockierende Räder Zu harsche Bewegungsabläufe, aber auch eingeschränkte Aktionsradien auf unebenem Grund, können ursächlich für eine Blockade der Räder sein. Hierdurch werden schwere Verletzungen provoziert.

 

Dürfen Hoverboards in Deutschland genutzt werden?

Dass Hoverboards seit Längerem im Zentrum der Kritik stehen, zeigt sich insbesondere an Initiativen privater Akteure. So verbot jüngst die Technik-Messe CES die Vermarktung von Hoverboards auf ihrer Branchenschau. Anders als beispielsweise die USA, agiert der deutsche Gesetzgeber in dieser Hinsicht ähnlich folgerichtig. Eine Nutzung auf öffentlichen Verkehrswegen ist explizit verboten. Nach Auskunft der Polizei sind damit insbesondere auch Gehwege gemeint, die ansonsten als Alternativstrecke in Erwägung gezogen würden. Ursächlich für diese Rechtsauffassung ist der Umstand, dass Hoverboards als „Kraftfahrzeug“ eingestuft werden, da sie schneller als sechs Stundenkilometer fahren und damit zulassungspflichtig wären.

Was droht denen, die sich trotz ausgesprochener Verbote darüber hinwegsetzen? Möglich wäre ein Bußgeld, das in diesem Fall mindestens 50 EUR betragen würde. Zudem droht die Beschlagnahmung der Hoverboards, wodurch juristische Auseinandersetzungen provoziert würden. In Einzelfällen wäre zudem der vorübergehende Entzug des Führerscheins möglich.

Wo besteht Spielraum bei der Rechtsauslegung bezüglich Hoverboards?

Viele Experten streiten seit Kurzem darüber, wie ein effektives Verbot von Hoverboards dennoch vermieden werden könnte. Sie legen den Fokus auf die Straßenverkehrsordnung, einem zentralen Dokument im deutschen Verkehrswesen. Dort sind in Paragraph 24 Absatz 1 sogenannte „besondere Fortbewegungsmittel“ aufgelistet, die so behandelt werden, als wären sie „Fußgänger“. Darunter fallen insbesondere Skateboards, ebenso Kickboards oder Tretroller. Das heißt natürlich im Umkehrschluss, dass derartige Fortbewegungsmittel auch nur auf entsprechenden Gehwegen „zum Einsatz“ kommen dürfen. Alternativ wäre der Straßenrand eine Möglichkeit, aber nur mangels entsprechender Gehwege.

Interessant dürfte in Zukunft die Bewertung der Vorschrift sein, dass unter dem benannten Paragraphen lediglich „nicht motorbetriebene“ Fortbewegungsmittel aufgelistet werden. Einschränkungen werden in Bezug auf die Geschwindigkeit vorgenommen, insbesondere bei Rollstühlen, die unter dieselbe Regel fallen. Es wäre daher in naher Zukunft denkbar, dass Hoverboards mit entsprechend gedrosselter Geschwindigkeit dennoch mit einem Fußgänger vergleichbaren Rechten ausgestattet werden. Derzeit verbieten sich aber derartige Spekulationen, da das Thema für politische Entscheidungsträger offenkundig noch keinerlei herausgehobenen Stellenwert besitzt.

Was sollte beim Kauf eines Hoverboards beachtet werden?

Wie bei anderen Trendprodukten auch, gestaltet sich eine einheitliche Bewertung von Hoverboards als schwierig. Die Standards, insbesondere in Bezug auf Materialeigenschaften und Fertigungsprozessen, unterscheiden sich deutlich gegenüber Ländern wie den USA oder asiatischen Produkten. Allerdings fehlen auch hier gesicherte Testergebnisse, was die bereits angesprochenen Risiken der verbauten Einzelteile belegen. Eine Kaufberatung im Internet kann hierbei jedoch trotzdem recht hilfreich sein. Im Folgenden werden trotz fehlender Tests einige Richtwerte genannt - ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Gewähr:

Funktionsweise Hoverboards werden über diverse, nicht einheitliche Produktbezeichnungen vermarktet. Zumeist gibt es Hinweise auf die Geschwindigkeit oder den empfohlenen Straßenbegebenheiten, aber auch zur Motorenleistung.
Importware Das Risiko bei importierter Billigware, oftmals aus asiatischen Ländern, besteht in zweierlei Hinsicht. Einerseits sind Produkttests nicht eindeutig und gesichert, was das Risiko einer schlechten Materialauswahl mit sich bringt. Andererseits sind Garantie- oder Gewährleistungsansprüche nur schwerlich durchzusetzen. Berichte zeigen auch hohe Materialabnutzunge aufgrund von Feuchtigkeit oder Nässe.
Reichweite Die angegebenen Werte zeigen die Maximal- oder Minimalgeschwindigkeit an. Diese sollte stets im Vergleich mit der Akku- beziehungsweise Motorenleistung gesehen werden. Allein diese Merkmale lassen Rückschlüsse auf die Reichweite und Einsetzbarkeit zu.
Akku Gute Akkumulatoren laden innerhalb von 90 Minuten etwa 80 Prozent ihrer Maximalladung. Billige Module verfügen oftmals nicht über Schnittstellen mit USB oder Bluetooth, die Auskunft über den Ladestatus gibt.

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Die Nutzung von Hoverboards ist auch in Deutschland noch nicht gesetzlich gedeckt – wird sich da je ändern? Foto: © Joergelman (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

Fazit und abschließende Bemerkungen

Die Verwendung von Hoverboards innerhalb Deutschlands ist gewissermaßen eine rechtliche „Grauzone“. Auch wird zumeist Importware angeboten, sodass Qualität und Garantieansprüche gegenüber Herstellern schwierig werden. Gute Indizien sind eine Fülle positiver Erfahrungs- und Kaufberichte. Testweise Touren beim Bezug im klassischen Fachhandel sind unbedingt empfehlenswert.



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