Di., 21.11.2017

Weihnachten Die Weihnachts-Überraschung: Warum nicht auch mal beim Kulinarischen?

Weihnachten: Die Weihnachts-Überraschung: Warum nicht auch mal beim Kulinarischen?

Tolle Geschenke, langweiliges Weihnachtsdinner? Das ist, obwohl Deutschland-Standard, keine gute Kombination. Foto: fotolia.com © EvgeniiAnd

Bei den Geschenken auf maximale Überraschung setzen, beim anschließenden Dinner dann aber auf Althergebrachtes ist eine schlechte Kombination. Wir zeigen, wie es anders gehen kann.

Damit hätte keiner gerechnet: Statt „SOS – Schlips, Oberhemd, Socken“ wickelt Papa den Einkaufsgutschein für einen Herrenausstatter aus, damit er sich einen Anzug schneidern lassen kann. Mama bekommt nichts Praktisches, sondern ein Tablet. Und wo der Sohnemann sich schon mit einem Lego-Set begnügt hatte, kommt noch ein Fahrrad hinzu. An Weihnachten geben wir uns Jahr für Jahr Mühe, unsere Lieben immer wieder zu überraschen und bescheren damit dem Handel reiche Einnahmen. Im krassen Gegensatz dazu stehen die anschließenden Gaumengenüsse. Da bestimmen mittlerweile drei Einfachst-Gerichte den Gabentisch: Kartoffelsalat mit Würstchen, Geflügel und Raclette. Selbst der einst so beliebte Karpfen liegt weit abgeschlagen. Doch warum immer nur Standard? Sollte sich die Überraschung nicht auch auf das Weihnachtsessen übertragen? Wir glauben ja. Und auf den folgenden Zeilen gibt’s passende Vorschläge von Aperitif bis Zander. 

Oberstes Gebot: Geheimhaltung

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Vorwitznasen gibt’s in jedem Haushalt. Deshalb die Zutaten besser bei Freunden oder Nachbarn deponieren, bis man sie braucht Foto: fotolia.com © Javier brosch

Gute Hausmänner und Frauen müssen deshalb nach der Grundregel „Top Secret“ agieren. Und das geht folgendermaßen:Geschenke kann man einpacken und verstecken. Doch gerade in einer Familie, in der jeder Zugang zu Kühlschrank und Vorratskammer hat, lässt sich ein Überraschungsmenü schwer geheim halten.

  • Das Menü alleine planen
  • Rezepte im Internet – entweder per privatem Browserfenster öffnen oder hinterher die besuchten Seiten löschen. Damit kein anderer, der das Gerät benutzt, zufällig darüber stolpert
  • Keine Lesezeichen in Kochbüchern. Die Seitenzahlen im Handy notieren
  • Alle Zutaten erst auf den letzten Drücker und alleine kaufen

Wer es dann noch richtig „James-Bond-mäßig“ machen will, deponiert alles beim Nachbarn oder Freunden. Das reduziert den kritischsten Faktor „Zufallsfunde“ auf Null.

Doch das bedeutet eben auch, dass man am großen Tag die Familienbande von der Küche fernhalten muss. Höchstens bei mehreren Gästen, bei denen man unmöglich alles alleine gestemmt bekommt, kann der Partner als Helfer eingeweiht werden.

1. Der Aperitif

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Foto: fotolia.com © Brent Hofacker

Ob man einen flüssigen, alkoholischen Appetitanreger servieren muss, daran scheiden sich die Geister. Doch insbesondere bei mehreren Weihnachtsgästen empfiehlt es sich. Gleich hier lässt sich die erste Überraschung erzielen, denn die meisten verstehen darunter Champagner oder Sekt, weil es zum festlichen Anlass gehört. Typisch deutsch wäre auch Bier.

Andere Länder, andere Sitten: Im Ausland gelten ganz andere Getränke als Aperitif. Und weil es bei dem Getränk vornehmlich (Alkoholgehalt) darum geht, die Blutgefäße zu weiten und somit den Verdauungstrakt vorzubereiten, bietet es sich an, auf solche Getränke zu setzen:

  • Martini
  • Sherry
  • Pernod
  • Campari

Wer seinen inneren Bartender erwecken möchte, dem steht es natürlich auch frei, auf Cocktails zu setzen. Dann aber in geringen Mengen, damit Magen-Füllstand und Alkoholpegel nicht zu schnell steigen.

2. Die Vorspeise

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Carpaccio ist ein großer Genuss. Allerdings muss man bei dem rohen Fleisch maximale Hygiene walten lassen Foto: fotolia.com © photocrew

Die richtige Vorspeise ist ein kniffliges Gericht. Denn einerseits soll sie Lust auf mehr machen, dabei aber nicht sättigen. Andererseits muss sie aber charakterlich zur Vorspeise passen. Und so wird an der Weihnachtstafel oft einfach Markklößchensuppe gereicht. Doch das ist langweilig. Solange man beachtet, niemals gleiches mit gleichem kombinieren (Steht als Hauptgang also Fisch auf dem Programm, sollte es vorher keine Meeresfrüchte geben), sind auch ganz andere Optionen drin:

Natürlich muss es nicht immer warm sein. Insbesondere wenn die Hauptspeise komplex ist und man nicht die Vorbereitungszeit hat. Da bietet sich beispielsweise ein Papaya-Carpaccio an – das kann man auch schon am Vortag portionieren und muss es nur kühl lagern.

3. Die Getränke

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Craft-Biere sind die Kleinserien unter den Hopfengetränken – und oftmals viel gehaltvoller, als die auf Massengeschmack optimierten Großserien-Biere Foto: fotolia.com © elnariz

Bier aus der Region, ein klassischer Bordeaux, edleres Tafelwasser. Die Weihnachts-Standards bei den Getränken sind schnell aufgezählt. Doch davon ausgehend gibt es gerade hier sehr viel Exklusiveres.

  • Ein Bier aus einer anderen Region Deutschlands oder wie wäre es mal mit einem Craft-Beer aus Mikrobrauereien?  
  • Weine, die nicht beim Händler um die Ecke stehen. Gerade Spanien und Italien bieten hier eine Menge außergewöhnliche Rebsorten wie den weißen Doña Blanca oder den roten Teroldego.
  • Whisky bzw. Whiskey (y = schottisch, ey = irisch/amerikanisch). Allerdings muss dem Charakter besonderer Wert beigemessen werden. Zum Essen passen vor allem Whiskys ohne allzu deutliche Torf- bzw. Rauchnote. Wichtig auch: Das zum Drink passende Glas.

Sofern man keine Kids oder Antialkoholiker zu verköstigen hat, sollte man es aber auch bei dieser Auswahl belassen, denn Alkohol unterstützt die Geschmacksaufnahme. Vor allem stark zuckerhaltige Getränke überlagen hingegen nur und können die Rezeptoren auf der Zunge regelrecht verkleben. Die einzige Alternative sollte ein stilles Wasser sein – und das kann auch in einer schönen Flasche kredenztes Leitungswasser sein.

4. Die Hauptspeise

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Viele Hobbyköche haben regelrecht Angst vor der Rumpsteak-Zubereitung. Dabei ist die wahrlich kein Hexenwerk, sondern braucht nur eine Stopuhr. Foto: fotolia.com © Thomas Francois

Der Mittelpunkt des Abends ist natürlich die Hauptspeise. Und genau hier sollten Hausfrauen und –männer auch auf einen speziellen Faktor setzen. Nämlich den, der es erlaubt, ein Minimum an Zeit in der Küche zu verbringen. Ganz ohne wird es zwar nicht gehen, aber für die folgenden Vorschläge haben wir vor allem darauf geachtet, dass man nicht dauernd danebenstehen und rühren muss.

Bei dem, was unter dem großen Oberbegriff „Sättigungsbeilage“ firmiert, sollte man sich zwar als Festtags-Esser zurückhalten, nichtsdestotrotz gehören diese Elemente aber zu jedem Hauptgang. Und auch hier sind noch Überraschungen möglich, auch mit wenig Arbeit. Etwa die gefüllte Spinatkartoffel mit Knoblauch. Will man so weit nicht gehen, bietet es sich natürlich auch an, die klassische Kartoffel einfach durch eine andere Zubereitung zu einer besonderen Überraschung zu machen. Etwa, indem man sie zur spiralförmigen „Tornado-Potato“ schneidet.

5. Die Nachspeise

Ein Menü kann noch so üppig gewesen sein, eine Nachspeise passt auch noch in den gefülltesten Bauch. Doch gerade, weil die bislang genannten Rezepte allesamt ziemlich magenfüllend waren, sollte man sich beim Nachtisch generell an der Grundregel der kleinen Portionen orientieren. Also Sorbet lieber in Schnapsglas-Größe und dafür eben die Möglichkeit, sich auch noch eine zweite Portion zu nehmen, als die Gäste durch eine große Portion eventuell in Verlegenheit zu bringen.

Diese drei Rezepte sind vergleichsweise fix gemacht. Allerdings: Wer die oben genannte Regel der kleinen Portionen missachten möchte und auch nicht davor zurückschreckt, am Tag vor Weihnachten in der Küche richtiggehend zu schuften, der hat die Option, mit der Vanille-Heidelbeer-Eistorte ein wahres Nachspeise-Feuerwerk abzubrennen, von dem die Gäste auch noch im neuen Jahr schwärmen werden.

Fazit

Weihnachten ist nicht nur das Fest der Liebe und der Mitmenschlichkeit, sondern längst auch eines der schönen Überraschungen. Standards auf dem Tisch kann jeder. Ein gut abgestimmtes und voller ungewöhnlicher Gaumenfreuden nur so strotzendes Menü ist jedoch ein ebensolches Highlight wie das tollste Geschenk – und wie dabei muss man ja niemandem verraten, dass es eigentlich gar nicht so viel Zeit und Mühe verschlungen hat. In diesem Sinne: Guten Appetit und köstliche Feiertage. 



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