Di., 13.03.2018

Specials Fußball-WM 2018 in Russland - Hintergründe und Probleme

Specials: Fußball-WM 2018 in Russland - Hintergründe und Probleme

Hintergründe und Probleme Bald beginnt die Fußball-WM 2018 in Russland – doch das Ereignis wurde schon in der Vergangenheit von vielen Problemen überschattet. Worin liegen diese eigentlich? Foto: sofiartmedia - 193774380 / Fotolia.com

Die Fußball-WM ist ein Großereignis. Nach den Olympischen Winterspielen in Südkorea steht 2018 ein weiteres sportliches Highlight – diesmal im Sommer – an. Vom 14. Juni an werden sich qualifizierte Teams in insgesamt 63 Spielen gegenüberstehen, bis am 15. Juli das Finale ausgetragen wird. Für Deutschland ist die WM 2018 die Möglichkeit, den Titel aus dem Jahr 2014 zu verteidigen. Wird der DFB-Elf dieses Ziel gelingen? Abseits des Rasens und der Vorbereitung auf die Spiele müssen sich Spieler mit einem – im Vergleich zu anderen Weltmeisterschaften – besonderen politischen Klima umgehen. Aufgrund der Entwicklungen vergangener Jahr wird die WM 2018 in Russland besonders kritisch beobachtet.

Zu den Problemen gehört das Verhalten Russlands in der Krimkrise und dem Konflikt in Syrien. Zudem steht der russische Sport – aufgrund diverser Doping-Skandale – derzeit unter Generalverdacht. Kritiker befürchten, dass auch bei der WM im eigenen Land getrickst werden könnte.

Fußball-WM – Zahlen und Fakten zur Austragung

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Foto: Csaba Peterdi - 122140149 / Fotolia.com

Ausgetragen werden soll die Fußball-WM 2018 vom 14. Juni bis zu 15. Juli – dem Tag des Endspiels. Eröffnungs- und Finalspiel finden jeweils in Moskau (der russischen Hauptstadt) statt. Gespielt werden soll unter anderem in:

-      Jekaterinburg          

-      Kaliningrad   

-      Kasan            

-      Nischni Nowgorod.

Für den Ausbau der Spielstätten sah der Bid Evaluation Report (basierend auf Zahlen aus dem Jahr 2010) ein Budget von 3,82 Milliarden US-Dollar vor. Die Gesamtinvestitionskosten werden mit einem hohen einstelligen Milliardenbetrag beziffert.

Ein erheblicher Teil der Kosten für die Stadien entfällt auf den Neubau der Spielstätten, da einzig das Moskauer Olympiastadion Luschniki und das Zentralstadion Jekaterinburg bereits vor der WM Bestand hatten. Das größte Stadion ist übrigens das Olympiastadion Luschniki mit 81.000 Plätzen.

Die Vergabe und die politischen Veränderungen

Verhandlungen zur Vergabe der Fußball-WM 2018 begannen bereits Mitte Dezember 2008. In Tokio beschloss die FIFA eine Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 im Rahmen eines einzigen Termins. Für das eigentliche Bewerbungsverfahren wurden (nach dem seit 2007 geltenden Rotationverfahren) die Kontinentalverbände mit den beiden zuletzt ausgetragenen WMs von der Bewerbung ausgeschlossen. In die Endrunde der Vergabe kamen:

-      Russland

-      England

-      Spanien und Portugal

-      Belgien und die Niederlande.

Die letzten beiden Bewerbungen waren Gemeinschaftsbewerbungen. Letztlich setzte sich im Dezember 2010 Russland gegen die anderen Mitbewerber durch.

Die WM, Syrien und die Ukraine-Krise

Seitdem arbeitet das Land nicht nur fieberhaft auf die Austragung des Fußball-Events hin. In den letzten Jahren hat sich immer deutlicher Kritik an der FIFA und der Vergabe der Veranstaltung formuliert. Kritiker setzen dabei an verschiedenen Punkten an. Immer wieder wurde ein Entzug der Veranstaltung vor dem Hintergrund des russischen Engagements auf der Krim und im Ukrainekonflikt gefordert. Russland wurde und wird vorgeworfen, die separatistischen Gruppen in der Ostukraine zu unterstützen und das Land zu destabilisieren.

Gleichzeitig spielt Russland im Syrienkrieg als starker Verbündeter des Assad-Regimes eine wichtige Rolle bei der Verlängerung des Konflikts. Jets aus Russland fliegen in Syrien Angriffe und Russland blockiert Lösungen des Bürgerkriegs. Vor dem Hintergrund der politischen Entwicklung haben US Senatoren die FIFA aufgefordert – so Medienberichte wie des Magazins Spiegel – dem Land die WM wieder zu entziehen.

Tierschützer schlagen Alarm

In den letzten Monaten haben auch Tierschützer Russland im Zusammenhang mit der WM 2018 kritisiert. Der Grund: In den Medien sind Berichte aufgetaucht, nach denen die Veranstalter versuchen, dem Problem herrenloser Tiere in den Austragungsstädten Herr zu werden. Hierbei würde versucht, die – vornehmlich Hunde – betroffenen Streuner einfach so günstig wie möglich umzubringen. Aber: Stichhaltige Beweise für dieses Vorgehen, welches bereits während der EM 2012 in der Ukraine zur Anwendung gekommen sein soll, fehlen bisher.

Das leidige Thema Doping

Seit 2016 wird beim Thema Sport und Russland auch über Doping diskutiert. Hintergrund: In den letzten Jahren haben Untersuchungen gezeigt, dass in Russland ein flächendeckendes Dopingsystem etabliert gewesen ist. Entsprechend verhalten reagiert die Öffentlichkeit auf die Aussicht, eine Fußball-WM in Russland zu erleben. Kann im Fußball überhaupt mit Doping etwas erreicht werden? Und was betrifft das Problem Doping eigentlich genau?

McLaren-Report: Russisches Staatsdoping

Diese Nachricht hat förmlich wie eine Bombe eingeschlagen. 2014 wurde in Deutschland eine Fernsehsendung ausgestrahlt, in der erstmals Hinweise auf ein großangelegtes Dopingsystem in Russland veröffentlicht wurden. Ende 2014 leitete die WADA (World Anti-Doping Agency) eigene Untersuchungen ein, die schließlich im McLaren-Report münden sollten. Als Ergebnis der Untersuchungen wurden Dutzende Sportler identifiziert, die Medaillen gewannen – auch bei Olympischen Spielen – und gedopt waren.

Betroffen von den bisherigen Erkenntnissen sind vor allem die russische Leichtathletik und der Wintersport. Mehrere Gewinner von Medaillen in Sotschi wurden aufgrund der Erkenntnisse gesperrt – darunter:

-      Olga Saizewa

-      Alexander Subkow

-      Alexander Tretjakow

-      Olga Potylyzina.

Aber: Wintersportler und Leichtathleten sind nicht die einzigen Sportgruppen, bei denen ein Dopingverdacht besteht.

Doping im russischen Fußball

Vor dem Beginn der Olympischen Winterspiele 2018 hat Russland eine herbe Niederlage einstecken müssen. Der nationale olympische Verband wurde von den Spielen ausgeschlossen. Damit durften Sportler aus Russland nur unter einer neutralen Flagge starten. Der Fußball schien bis dato sauber zu sein. Aber: Seit Ende Dezember halten sich hartnäckig Gerüchte, dass auch in der russischen Nationalmannschaft nachgeholfen wird. Grigori Rodschenkow gehört zu den Whistleblowern, die entsprechende Hinweise geben.

Allerdings ist die Aufklärung alles andere als einfach, da bei der Fußball-WM die Anti-Doping-Agenturen viel schwerer Zugang haben. Diese Tatsache macht es am Ende jenen Betrügern leicht – egal welcher Nationalität – die mit verbotenen Mitteln aus dem Chemiebaukasten nachhelfen wollen.

Wie wird im Fußball gedopt?

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Foto: Fotolia.com

Doping ist nicht gleich Doping. Im Radsport geht es in erster Linie um ausdauersteigernde Präparate – wie EPO oder Bluttransfusionen. Im Fußball muss Doping verschiedene Komponenten berücksichtigen. Es geht einerseits darum, die Ausdauer der Spieler zu verbessern. Wer länger laufen kann, hat einen Vorteil auf dem Platz. Parallel geht es auch um Aspekte wie Schnellkraft, Antritt und Sprintstärke.

In diesem Bereich ist eher Muskelkraft gefragt. Wer zwei oder drei Meter schneller sprintet, hat im Abwehrkampf vorm Tor oder beim Dribbling einen klaren Vorteil. Und es spielt eine Rolle, wie lange Spieler hoch konzentriert auf dem Platz stehen.

Terrorgefahr bei der WM

Russland wurde in den letzten Jahren mehrfach von Terroranschlägen erschüttert. Konflikte wie Tschetschenien oder Syrien haben das Land zur Zielscheibe gemacht. So beziehen sich Zeitungsberichte auf das BKA. Letzteres zeichnet eine durchaus reale Gefahrenlage für die WM. Schwierig ist besonders die Tatsache, dass sich dem IS in Syrien und dem Irak Kämpfer aus Russland bzw. russischen Teilrepubliken angeschlossen haben. Die Sicherheitslage wird aber noch aus einer anderen Richtung bedroht. Die Fanszene in Russland gilt allgemein als gewaltbereit. Bereits im Vorfeld haben Hooligans zu Gewalt während der Spiele aufgerufen. Am Ende bleibt abzuwarten, ob die Sicherheitskonzepte der Veranstalter greifen und die WM 2018 friedlich bleibt. Seitens der FIFA wird versucht, Kritiker zu beruhigen. Ob diese Versprechen gehalten werden können, wird sich am 15. Juli gezeigt haben.

Fazit: WM 2018 – eine Problemweltmeisterschaft?

In wenigen Monaten wird in Moskau das Eröffnungsspiel der Fußball-WM angepfiffen. Veranstalter und FIFA wollen fröhliche Stimmung verbreiten und Appetit auf die WM machen. Für Deutschland bietet sich die Möglichkeit einer Titelverteidigung. Wird es tatsächlich ein frohes Fußballfest? Seit der Vergabe der WM nach Russland hat es immer wieder aus unterschiedlichen Richtungen Kritik gegeben. Entzündet am Engagement Russlands auf der Krim oder in Syrien, genährt durch die Dopingvorwürfe und nicht zuletzt angeheizt durch die Sicherheitslage sehen diverse Experten eine Problemweltmeisterschaft aufziehen. Was von der WM 2018 am Ende wirklich übrig bleibt, wird sich am 15. Juli 2018 zeigen!



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