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Annette von Droste-Hülshoff – Deutschlands bekannteste Poetin

Annette von Droste-Hülshoff zählt zu den bekanntesten Persönlichkeiten von Münster. An der Wende des 19. Jahrhunderts brachte sie, als eine Vertreterin der deutschen Dichtkunst in der biedermeierlichen Epoche , zahlreiche Werke hervor, die heute zu den Klassikern der deutschen Literatur gehören. Gleichzeitig war sie eine begabte Komponistin und einer der ersten Frauen, die in der Lage waren sich in der Welt der Literatur zu Lebzeiten durchzusetzen.

Dienstag, 27.11.2018, 09:51 Uhr aktualisiert: 27.11.2018, 10:52 Uhr
Specials: Annette von Droste-Hülshoff – Deutschlands bekannteste Poetin
Annette von Droste-Hülshoff ist nicht nur im Münsterland eine bekannte Person. Foto: get.pxhere.com

Frauen in der Literatur während der Wende zum 19. Jahrhundert

Als Folge der Aufklärung war die Wende zum 19. Jahrhundert eine Zeitspanne, welche einige talentierte Schriftstellerinnen hervorbrachte, die früh für ihre Werke Anerkennung fanden, sowie langfristig der Weltliteratur ihren Stempel aufdrückten. So war Sophie von La Roche die erste finanziell unabhängige Berufsautorin Deutschlands. Neben zahlreichen Erzählungen, brachte sie die erste deutsche Frauenzeitschrift Pomona heraus, die zu der Stimme der gehobenen weiblichen Gesellschaft der damaligen Zeit wurde. Jane Austen veröffentlichte dagegen Romane wie Stolz und Vorurteil oder Sinn und Sinnlichkeit, die das Leben der englischen Aristokratie thematisierten. Dabei nutzte sie die Gewohnheiten des Adels wie Kartenspiele, Tanzbälle oder Kricketpartien, um Charakter- und Persönlichkeitsmerkmale der Protagonisten sowie gesellschaftliche Konventionen zu beschreiben, was bei intellektuellen Kreisen großen Anklang fand. Eine weitere bekannte britische Schriftstellerin aus der Zeit ist Mary Shalley. Sie schrieb Frankenstein oder Der moderne Prometheus und verfasste somit eines der bekanntesten Werke der romantischen Literatur, das den Lesern einen Blick in die Tiefen der menschlichen Psychologie gewährt.

All diese genannten Namen waren in der Lage die Beobachtungen in ihrer näheren Umgebung in literarische Werke umzuwandeln. Dabei trafen sie den Nerv der Zeit und hinterließen Werke, die heute aus der Liste der Klassiker kaum wegzudenken sind. Dies war auch der Erfolgsgeheimnis von Annette von Droste-Hülshoff.

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Foto: get.pxhere.com

Das Leben von Annette von Droste-Hülshoff

Annette von Droste-Hülshoff stammte aus dem katholischen Adel Droste zu Hülshoff, der eines der ältesten Adelsgeschlechter des Münsterlandes war. Die Familie brachte im Verlauf der Geschichte zahlreiche Politiker, Wissenschaftler, Künstler und Literaten hervor. Annette von Droste-Hülshoff kam 1797 in Münster auf der Burg Hülshoff auf die Welt und wuchs folglich in einer Umgebung auf, in der Kunst und Wissenschaft großgeschrieben wurden. 1826 verstarb der Vater der Dichterin, weshalb sie, ihre Schwester und Mutter in das Haus Rüschhaus zogen, wo die Poetin das größte Teil ihres Lebens verbrachte. Annette von Droste-Hülshoff heiratete nie. Obwohl die genauen Hintergründe dafür unbekannt sind, gibt man der misslungenen Beziehung zu  August von Arnswaldt die Schuld. Die Dichterin und von Arnswaldt hatten sich in den Versammlungen des „Bökendorfer Romantikerkreises“ kennengelernt, die zwischen 1810 und 1834 regelmäßig im Schloss Bökerhof stattfanden und zahlreiche deutsche Intellektuelle von damals beeinflussten. Die letzten Jahre ihres Lebens verbrachte die Poetin im Fürstenhäusle in der Kleinstadt Meersburg, wo sich heute ihr Grab befindet.

Annette von Droste-Hülshoffs musikalisches und literarisches Schaffen

Obwohl sich Annette von Droste-Hülshoffs als Komponistin damals kaum einen Namen machte, war Musik in ihrem Leben nicht minder wichtig. Literatur und Musik gingen oftmals Hand in Hand. Doch trotz einer guten musikalischen Ausbildung und freundschaftlichen Verhältnissen zu bekannten Musikern, spielte die Dichterin ihre eigenen Werke nie öffentlich. Literatur stand für sie an erster Stelle. Bald zollte man ihren dichterischen Bemühungen Anerkennung in Literaturkreisen. Doch nicht ihr erstes Gedichtband, sondern die Novelle Die Judenbuche, die erstmals 1842 im Morgenblatt für gebildete Leser erschien, brachten ihr den Ruhm. Die Handlung ist die literarische Umsetzung einer wahren Begebenheit, von der Annette von Droste-Hülshoffs während eines Aufenthalts in Bökendorf erfahren hatte. Eingebettet in eine Kriminalgeschichte, porträtiert die Novelle eindrucksvoll das Leben auf dem Lande im 19. Jahrhundert und bietet den Lesern damit eine großartige Milieustudie aus Deutschland.

Heute wird Annette von Droste-Hülshoffs sowohl für ihr literarisches als auch für ihre musikalisches Schaffen Anerkennung gezollt. Auch ihre Heimatstadt Münster hütet sorgfältig ihren Nachlass. Zuletzt wurde der  umfangreiche Handschriftenbestand der bekanntesten Dichterin Deutschlands im Westfälischen Literaturarchiv des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe untergebracht, um weitere Forschungen an ihren Manuskripten und Briefen aus der Zeit in Meersburg zu veranlassen. 

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