Specials
Die Höhen und Tiefen von Preußen Münster

Die Tickets für das Spitzenspiel im Preußenstadion sind bereits ausverkauft. Das 1926 mit einer Kapazität von 40.000 Zuschauern gebaute Stadion ist heute eine Mehrzweckarena mit Platz für 15.050 Besucher, aber selbst in der Dirittklassigkeit hat der SC Preußen Münster keine Schwierigkeiten, die Sitze mit einer spannenden Begegnung wie im Match gegen den 1. FC Kaiserslautern im Februar zu füllen.

Mittwoch, 23.01.2019, 09:40 Uhr aktualisiert: 23.01.2019, 09:46 Uhr
Specials: Die Höhen und Tiefen von Preußen Münster
Mit dem SCP verbindet die Stadt Münster eine wechselvolle und doch innige Beziehung. Foto: Colourbox.de

Seit der Spielzeit 2011/2012 dümpelt der Verein in der 3. Liga vor sich hin, und auch wenn Experten den Münsteranern in der ersten Begegnung des neuen Jahres gute Trefferchancen einräumen, bleibt Gegner Carl Zeiss Jena bei Fußballwetten klarer Favorit.

Dabei hat der 1906 gegründete Verein durchaus glanzvolle Jahre hinter sich. Schon die Anfangszeiten des damals FC Preußen genannten Vereins sind aus legendärem Stoff. Der von Schülern des heutigen Johann-Conrad-Schlaun-Gymnasiums ins Leben gerufene Verein trainierte und spielte die ersten Jahre auf einem Exerzierplatz der Armee an der Loddenheide. Tore wurden für jedes Spiel aufgebaut und wieder entfernt. Trotz all dieser Schwierigkeiten schoss sich der junge Club in seinem ersten Spiel zum 5:0-Sieg gegen die Spieler des FC Osnabrück. Als Mitglied des Spielverbands der Westdeutschen startete der FC Preußen zweitklassig, stieg aber schon 1908 in die Erstklassigkeit auf.

Dem Exerzierplatz blieben die Kicker notgedrungen treu, bis sie 1910 an die Sentruper Höhe umzogen.

Den bis dato größten Erfolg hatten sie 1914, als sie nur wenige Wochen vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges Meistertitel in Westfalen holten. Diesen Erfolg wiederholten sie 1921, diesmal allerdings als Sportclub. Gespielt wurde von 1916 bis zum Bau des Preußenstadions zehn Jahre später auf dem Münstermannplatz.

1925 führte ein technisches Problem bei der Übertragung der Begegnung zwischen Münster und Arminia Bielefeld in der „Westdeutschen Funkstunde“ zu einem Meilenstein der Rundfunkgeschichte: Weil ein Posttechniker die eigens für die Übertragung vom Platz bis zum Funkhaus in Münster verlegte Kabelstrecke als Fehlschaltung ansah und das Mikrofon lahm legte, berichtete Kommentator Bernhard Ernst statt dessen live und übers Telefon – eine deutsche Premiere.

Sportlich endete die Bezirksklassen-Begegnung mit einem 5:0 für die Arminia.

Der Höhepunkt der bisherigen Vereinsgeschichte kam in der Spielzeit 1950/1951 mit dem so genannten 100.000-Mark-Sturm. Der künftige Nationalspieler Felix Gerritsen, Rudolf Schulz, der dem Verein für den Rest seiner Karriere treu blieb, Josef Lammers, Siegfried Rachuba, der mit 97 Toren für Münster noch heute Rekordschütze der Westfalen ist, Friedel Weghorst und Alfred „Adi“ Preißler, der vor allem bei seinem Stammverein Borussia Dortmund Geschichte schrieb, bahnten dem Club den Weg zu ihrem größten Triumph. Als Vizemeister der Oberliga West 1950/1951 besiegte Preußen Münster in den Gruppenspielen für die Qualifikation zur deutschen Meisterschaft den 1. FC Nürnberg, den Hamburger SV und Tennis Borussia Berlin. Das Heimspiel gegen TeBe lockte 40.000 Zuschauer ins Preußenstadion. Mit einem Rückstand von 0:2 gingen die Münsteraner in die Halbzeit, und mit einem sensationellen 8:2 gingen sie als Finalisten vom Platz. Beim Meisterschaftsendspiel mussten sie sich knapp mit 2:1 dem 1. FC Kaiserslautern geschlagen geben.

In der 1963 gegründeten Bundesliga hielten sie sich als Verein der ersten Stunde nur eine Spielzeit, aber die Hoffnung auf den Aufstieg aus der derzeitigen Drittklassigkeit ist ungebrochen. Dass das nicht unbegründet ist, zeigte im Herbst die zwischenzeitliche Platzierung als Zweiter auf einem Aufstiegsplatz. Wie Adi Preißler sagte: "Grau ist im Leben alle Theorie – aber entscheidend ist auf’m Platz."

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6340478?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686138%2F2686293%2F2686477%2F
Nachrichten-Ticker