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Nachhaltig einkaufen – muss ich auf das Onlineshopping verzichten?

Umweltverschmutzung, Klimaerwärmung und dauernd wieder neue Naturkatastrophen, deren Ausmaß einfach erschreckend ist – immer mehr Menschen nehmen sich vor, etwas für die Umwelt und das Klima zu tun. Nachhaltig einkaufen und leben ist die Devise, denn eines ist klar: Der Konsum der Industrienationen ist ein Problem. Er erzeugt große Mengen Müll und sorgt dafür, dass der  CO2 Fußabdruck des Einzelnen zu groß ist, um die Klimaziele erreichen zu können. Besonders deutlich wird das, wenn man die Emissionen im weltweiten Vergleich unter die Lupe nimmt.

Mittwoch, 22.01.2020, 15:55 Uhr aktualisiert: 22.01.2020, 16:01 Uhr
Specials: Nachhaltig einkaufen – muss ich auf das Onlineshopping verzichten?
Foto: Pixabay.com

Die Politik hat die Nachhaltigkeit ebenfalls auf der Agenda

Politiker müssen sich immer den Vorwurf anhören, nicht genug für den Klimaschutz zu tun. Doch angesichts der Tatsache, dass bei solchen Entscheidungen ganz verschiedene Interessen unter einen Hut gebracht werden müssen, ist in den letzten Monaten viel Gutes passiert. Die Förderungen für die energieeffiziente Sanierung von Häusern und Wohnungen wurde weiter ausgebaut und umweltschädliche Dieselautos sind aus vielen Städten verbannt worden. Es entstehen immer mehr Windparks und auch die persönliche Mobilität bekommt ein neues, meist elektrisches Gesicht – wenn dabei auch nicht immer alles glattgeht .

Der private Konsum ist ebenfalls im Wandel

Besonders positiv ist das wachsende Engagement der Bürger, die mit ihren Entscheidungen den Markt viel stärker beeinflussen können, als ihnen oft bewusst ist. Der Verbraucher hat die ganze Macht und sollte sie auch ergreifen. Es ist sehr schwierig, beim Einkaufen alles „richtig“ zu machen, doch die steigende Anzahl von Unverpackt-Läden, die zunehmende Popularität von nachhaltigen Produkten und eine wachsende Rückbesinnung auf alte Hausmittel und Haushaltstricks und immer mehr sauber erzeugter Strom sprechen eine deutliche Sprache: Es geht voran. Auch die öffentliche Ächtung von Massentierhaltung und mehr vegetarische und vegan Produkte in den Supermärkten weisen auf einen Wandel hin.

Gleichzeitig ist es für zahlreiche Verbraucher zur bequemen Normalität geworden, einen guten Teil ihrer Einkäufe online zu erledigen. Die Paketboten geben sich die Klinke in die Hand, während sie einen wachsenden Strom an Paketen und Warensendungen zu den jeweiligen Adressaten transportieren. Kann das überhaupt nachhaltig sein?

Viele Verbraucher fragen sich: Wie schädlich ist Onlineshopping nun wirklich für die Umwelt?

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Foto: Pixabay.com

Intuitiv würde man vermuten, dass eine Bestellung im Shop deutlich schlechter für die Klimabilanz ist als der Einkauf in einem stationären Laden vor Ort. Doch das Onlineshopping ist viel besser als sein Ruf und nicht generell weniger nachhaltig. Wie so oft kommt es hier aufs Detail an.

Ein Experiment des Freiburger Öko-Instituts zeigte schon 2015, dass der Kauf des gleichen Paar Schuhe online und im Laden mehr Emissionen verursachte, wenn sie vor Ort gekauft werden. Dabei wurde sogar mit dem Fahrrad zum Laden gefahren. Wie kann das möglich sein?

Darum kann ein Kauf vor Ort mehr Emissionen erzeugen

Die schlechtere Klimabilanz des lokalen Kaufs kam durch das Einberechnen des Energieverbrauchs im Offline-Geschäft zustande. Natürlich werden die Verkaufsflächen optimal ausgeleuchtet und für den Verbraucher auf eine angenehme Temperatur geheizt. In den Lagerräumen eines Onlinehändlers herrscht selten eine so kuschelige Atmosphäre. Aber bedeutet das nun, dass wir am besten nur noch online einkaufen sollen? Auf keinen Fall, denn das Shoppen im Internet bringt andere Probleme mit sich.

Die vielen Retouren zerstören die potenziell positive Klimabilanz

Immer mehr Pakete werden zurück an den Absender geschickt. Manchmal befindet sich nur ein Teil der Waren im Paket, manchmal geht die ganze Sendung wieder zurück. Die Zahl der Retouren ist schneller gewachsen als der Onlinehandel selbst, weil das Zurücksenden immer einfacher und günstiger wird. Viele Händler bieten eine kostenlose Rücksendung an und legen einen Paketschein bei. Die Hemmschwelle, eine Retoure anzustoßen, sinkt dadurch immer weiter. Bedenklich ist, dass kleinpreisige Artikel nach der Rücksendung oft vernichtet werden. Darum kann man keine generelle Empfehlung für oder gegen den Onlinehandel geben. Der Verbraucher kann sich bei jeder Kaufentscheidung fragen, ob er gerade die nachhaltigste Methode wählt. 

Beim Thema Nachhaltigkeit das Beste aus dem Onlinehandel herausholen

Onlineshopping ist nicht per se weniger nachhaltig, sondern es birgt auch viele Chancen! So achten immer mehr Online Shops auf Nachhaltigkeit und manche besonders nachhaltigen Produkte sind viel leichter online zu bekommen als in einem Laden vor Ort. Das gilt besonders, wenn man nicht in einer Großstadt wohnt, wo sich Fairtrade und Unverpackt-Läden auf dem Weg ins Büro finden lassen. Wer beim Onlinekauf alles richtig machen will, der sollte einiges beachten:

  • Am besten kauft man nur Produkte, die man mit einer hohen Wahrscheinlichkeit nicht zurückschicken muss. Schuhe und Kleidung sind hierfür gute Beispiele, denn sie müssen schon genau passen, damit man sie tragen kann. Für neue Kleidung macht man sich also am besten auf den Weg in die Stadt.
  • Wer tagsüber häufig nicht zu Hause ist und keinen Nachbarn hat, der im Home-Office arbeitet, sollte von der Lieferung direkt nach Hause Abstand nehmen und sich die Waren lieber gleich in einen Paketshop oder eine Abholstation liefern lassen.
  • Wenn es möglich ist, kann man Einkäufe gleich mit dem Arbeitsweg verbinden. So spart man Ressourcen und muss nicht online bestellen.
  • Auch beim Thema Onlinebestellung ist Regionalität Trumpf. Es ist angenehm, auf der ganzen Welt bestellen zu können. Kommen Waren jedoch aus dem gleichen Bundesland, müssen sie einen deutlich kürzeren Weg zurücklegen.

Noch besser als neu kaufen: Reparieren, Recyceln, 2. Hand

Wer wirklich einen nachhaltigen Lebensstil pflegen möchte, muss aus der Konsumspirale aussteigen, in welche die Wirtschaft uns gebracht hat. Das Wirtschaftssystem beruht auf einem grenzenlosen Wachstum, das nur durch andauernden Konsum möglich ist. Dieses Leben schadet jedoch den natürlichen Ressourcen und der Umwelt. Es liegt am Einzelnen, Alternativen zu finden und zu leben. Bevor man etwas kauft, kann man sich also fragen:

  • Brauche ich das wirklich?
  • Kann ich mir das irgendwo leihen oder gegen etwas anderes tauschen?
  • Wenn ein kaputtes Teil ersetzt werden soll: Kann man das reparieren?
  • Gibt es die Möglichkeit, es gebraucht zu kaufen?

An immer mehr Orten etabliert sich eine neue Tauschwirtschaft, teils professionell organisiert (etwa bei Carsharing), teils einfach unter Nachbarn verabredet. Supermärkte sehen zunehmend davon ab, nicht mehr einwandfreies Essen wegzuwerfen, sondern geben es vor Ladenschluss günstiger ab. Wenn diese Initiativen wachsen, werden wir insgesamt freier und leben mühelos nachhaltiger. Also ausprobieren und mitmachen!

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