Klischees oder Fakten über den Konsum von Mann & Frau?
Weibliche Konsumlust & männliche Qualitätssucht

Die designverliebte Frau gestaltet innenarchitektonisch das Haus, der Mann arbeitet mit hochqualitativen Werkzeugen am Ausbau. Geschlechterklischees existieren quer durch alle Bevölkerungsschichten, prägen die Meinung einer Gesellschaft und halten sich hartnäckig. Wie stark sich männliche und weibliche Interessen in puncto Konsumverhalten wirklich unterscheiden hat eine Studie der GFK untersucht. Auffällig ist daran vor allem, dass die Gesellschaft in vielen Fragen eine sehr einheitliche Meinung vertritt.

Montag, 13.07.2020, 09:53 Uhr aktualisiert: 13.07.2020, 10:00 Uhr
Klischees oder Fakten über den Konsum von Mann & Frau?: Weibliche Konsumlust & männliche Qualitätssucht
Foto: https://unsplash.com/

Qualität & Individualität einen die Geschlechter

Qualität ist ein kaufentscheidendes Merkmal, das sowohl 48 Prozent der Frauen als auch 49 Prozent der Männer hoch einschätzen. Einig sind sich Männer und Frauen ebenfalls in der Aussage, dass „man sich ruhig etwas leisten solle“. Auch in Sachen Mode-Individualität existiert so etwas wie Geschlechtergleichheit , männliche und weibliche Ansichten liegen nahe beieinander. 26 Prozent der Frauen „kaufen gerne Dinge, die sonst keiner hat“; Männer sind mit 21 Prozent entspannter, aber nicht weit von der Ansicht der Frauen entfernt.

Große Unterschiede fallen erst in der grundsätzlichen Haltung gegenüber Konsum und Einkaufen in den Innenstädten auf: Während jede 2. Frau kauft, was ihr gefällt, stimmen diesem Motto nur 39 Prozent der Männer zu.

Macht Einkaufen geschlechtsübergreifend Spaß?

Gespalten sind die Geschlechter auch in der Frage, ob „Einkaufen Spaß macht“: Die Frauen sind zu 73 Prozent davon überzeugt, Männer nur zu 40 Prozent. Auch ein minimalistisch oder designtechnisch anspruchsvolles Wohnumfeld bevorzugen vor allem weibliche Personen – und zwar ganze 78 Prozent – wohingegen nur die Hälfte der Männer (42 Prozent) diesen Aspekt als wichtig erachtet.

An der Kombination Einkaufen und Spaß scheiden sich also die Geister und treffen die Geschlechterklischees laut Studie auf den Punkt.

Gendergap: Alles eine Frage des Alters?

Das Alter der befragten Teilnehmer stellt sich bei den Antworten als so gut wie irrelevant dar. Selbst wenn sich Einstellungen im Laufe des Lebens wandeln, bleibt der durchschnittliche Unterschied zwischen den Geschlechtern weitestgehend konstant.

Allein in Sachen Einrichtung und Design nähern sich die Geschlechter ab dem 70. Lebensjahr an, Männer legen in höherem Alter etwas mehr und Frauen weniger wert auf die Gestaltung des Raumes. Auch Mode und das eigene Aussehen sowie das Äußere eines Autos verlieren ebenfalls für beide Geschlechter im Alter an Gewicht.

Mode & das eigene Äußere

Dreiviertel aller Frauen unter 30 empfinden ein modisches Äußeres als wichtig und beinahe 70 Prozent der Männer geben sich in dieser Altersgruppe ebenfalls gerne trendbewusst. Nach dem 30. Geburtstag verlieren die Männer allerdings rapide in Sachen Trendbewusstsein, bei den Frauen sinkt dieser Wert erst in der Altersgruppe der 50- bis 69-Jährigen.

Fashion & Kosmetik?

Lustbetontes Einkaufen findet bei Frauen vor allem in Sachen Mode , Beauty-Produkten oder Schmuck statt, wie die Studie „Converged Media“ der Berliner Content Marketing Agentur C3 & Burda Community Network aufzeigt. Neue Kleidung kaufen Männer ausschließlich dann, wenn alte Sachen nicht mehr passen oder kaputtgegangen sind, Frauen wiederum tendieren laut Studie zu Spontankäufen und um sich zu belohnen.

Technik & Elektronik

Vor allem beim Kauf von Uhren, Smartphones oder Autos sitzt Männern der Geldbeutel locker.  Fahrzeuge sind für die Hälfte der Männer extrem relevant, ein Auto mit Charakter ist gefragt und durchschnittlich besteht die Bereitschaft dafür 18000 Euro auszugeben. Über 80 Prozent der Männer beschäftigen sich zudem gerne mit dem Thema Elektronik und beraten Freunde in technischen Aspekten, wohingegen Frauen ein gutes Design und Aussehen bevorzugen.

Macht Gender-Marketing Sinn?

Um das Kaufverhalten von Männern und Frauen entsprechend zu locken, honorieren oder zu fördern, spezialisieren sich einige Agenturen auf genderkonzentriertes Marketing. Der Ansatz zielt auf die Herstellung und den Verkauf von Produkten, die für Männer und Frauen unterschiedliche Vorteile haben und dementsprechend beworben werden. Frauenspezifische Autos werden beispielsweise als solche beworben. Design und die Farbe des gesunden Bio-Brennessel-Tees sprechen spezielle weibliche Vorlieben an, so wie Motive auf T-Shirts für sportliche Aktivitäten, Fußballvereine oder Junggesellenabschiede eher Männer zum Kauf motivieren.

Der goldene Zaunpfahl: Negativpreis für absurdes Gender-Marketing

Eine breite Front an Journalisten, Politikwissenschaftlern und Publizisten wehrt sich übrigens mit der Verleihung des sogenannten Goldenen Zaunpfahls gegen Gender-Marketing und das Zementieren der Geschlechterklischees. Allein die Erinnerung an das Geschlecht bei jeder Kaufentscheidung sei überflüssig. Der goldene Zaunpfahl erinnert Unternehmen daran, intelligente Strategien zur Vermarktung der Produkte zu entwickeln, die der breiten Individualität des Menschen gerecht werden. Der Negativpreis wird jährlich öffentlich verliehen. Ob ich als Mann oder Frau Erbsensuppe oder ein Buch kaufe, interessiere nicht, so das Gremium. Allein beim Kauf von Verhütungsmitteln werde das Geschlecht in puncto Konsum relevant.

Dem harten Urteil des Gremiums ist außerdem ein Konsumbereich entgangen, der ebenfalls stark auf Geschlechtsunterschiede setzt und bei dem das durchaus gerechtfertigt erscheint: Modische Passformen unterscheiden sich weiterhin mal mehr mal weniger für Männer und Frauen. Zudem werden Farben und Material an die Bedürfnisse der Geschlechter angepasst. Am deutlichsten tritt dieses Phänomen bei einer Veranstaltung zutage, die wie nichts Anderes für Geschlechterklischees steht: der Junggesellenabschied. Wer nicht den üblichen Ablauf durchspielen möchte und einige interessante und abwechslungsreiche Ideen für den JGA sucht, ist hier an der richtigen Stelle. Bisher hat das Marketing für Junggesellenabschiede aber noch keinen goldenen Zaunpfahl erhalten. Woran das wohl liegt?

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