Mo., 30.05.2016

Tiere Katzen züchten leichtgemacht? So viel Aufwand steckt hinter dem tierlieben Hobby

Tiere : Katzen züchten leichtgemacht? So viel Aufwand steckt hinter dem tierlieben Hobby

Wer Katzen züchten möchte, der wird voraussichtlich nicht nur schöne Momente erleben. Mitunter ist es notwendig, harte und emotionale Entscheidungen zu treffen. Foto: #109616087 - Photo-SD fotolia.com

Katzen sind hierzulande die beliebtesten Haustiere und dementsprechend verwundert es kaum, dass viele Tierfreunde sich mittlerweile der professionellen Katzenzucht verschrieben haben. Wer dieses Hobby seriös betreibt, der steckt meist viel Geld und Arbeit, aber auch Emotionen hinein. Nicht nur finanzielle Sicherheit ist bei der Ausübung wichtig, sondern auch ein umfangreiches Knowhow, wenn es um Genetik, Trächtigkeit, Aufzucht und artgerechte Entwicklung der Tiere geht.

Grafik 1 - Haustiere im Haushalt

In Deutschland ist die Katze das beliebteste aller Haustiere und ist in etlichen Haushalten zu finden. Foto: Statista

Wer selbst eine Zucht starten will, der sollte sich zunächst genau überlegen, aus welchen Gründen dies geschieht – verantwortungsbewusste Züchter werden argumentieren, dass sie eine bestimmte Rasse verbessern und die Linie frei von Erbkrankheiten, Deformationen und rassetypischen Einschränkungen halten wollen. Welcher Rasse dabei der Vorzug gegeben wird, ist Geschmackssache. Wichtiger ist hingegen die Frage, ob überhaupt alle Voraussetzungen für eine artgerechte und verantwortungsvolle Zucht gegeben sind. Entscheidende Punkte sind:

  • Ist ein finanzielles Polster für ärztliche Betreuung und grundsätzliche Versorgung vorhanden?
  • Sind im Notfall auch größere Geldsummen vorhanden, falls ein Tier schwer erkrankt?
  • Sind Rückschläge überwindbar, wenn beispielsweise einkaufte Tiere sich nicht für die Zucht eignen?
  •  Ist das entsprechende Wissen vorhanden, um Kitten im Notfall per Hand aufzuziehen und gibt es einen kompetenten Arzt zur Hilfestellung?
  • Wer kümmert sich während des Jobs oder im Urlaub um die Katzen? Ist künftig überhaupt noch Zeit für Urlaub?
  • Ist die nötige emotionale Stärke vorhanden, um Kitten im Notfall einzuschläfern oder mit Todgeburten umzugehen? Können junge Katzen problemlos an ihren neuen Halter übergeben werden?

Je nach Rasse können die Pflege der Tiere und der grundsätzliche Aufwand außerdem variieren. So verfügen einige Katzen beispielsweise über sehr langes Fell, bei Persern oder Maine Coons ist es ein typisches Markenzeichen. Eine umfangreiche Fellpflege durch den Halter ist in vielen Fällen notwendig, damit das Haar nicht verfilzt und schon die jungen Kitten sollten daher direkt an das regelmäßige Bürsten (bis zu dreimal pro Tag) gewöhnt werden. Andere Rassen wie etwa die Sphinx-Katze haben keine Haare, sodass das von der Haut produzierte Fett nicht aufgenommen werden kann. Auch hier müssen Halter nachhelfen und den immer wieder neu entstehenden Talgfilm regelmäßig sanft entfernen, teilweise werden die Tiere auch wöchentlich gebadet – letzteres hängt allerdings auch vom Tier ab, denn tatsächlich lieben viele Sphinx-Katzen das Baden gemeinsam mit ihren Besitzern.

Geld verdienen mit Katzenzucht?

Wer mit dem Gedanken an die Katzenzucht herangeht, dass diese eines Tages für einen netten Nebenverdienst oder gar Reichtum sorgen wird, der sollte sich besser einen anderen Hobbybereich zum Ausleben suchen. Die Zucht ist nicht nur ein sehr kostspieliges Unterfangen, sondern erfordert neben Geld auch sehr viel Liebe zu den Tieren, Idealismus und persönlichen Einsatz. Dennoch gibt es auch heute noch viele Menschen, die sich mittels Züchtungen eine schnelle Mark verdienen möchten – sie sind seriösen und verantwortungsbewussten Züchtern jedoch sprichwörtlich ein Dorn im Auge und sorgen letztendlich dafür, dass das Ansehen derer geschädigt wird, die sich tatsächlich gut um ihre Tiere kümmern. Letztendlich bleibt die Katzenzucht also in der Regel ein Hobby, welches oftmals sogar nur einen Teil der entstehenden Kosten durch Verkäufe decken kann.

Rassekatzen – warum sind sie eigentlich so teuer?

Bild 2 - Perserkatze

Perserkatzen gehören zu den beliebtesten Katzenrassen und haben ein seidig weiches Fell - dementsprechend viel Zeit kostet allerdings auch die Fellpflege. Foto: #89136271 - Superingo fotolia.com

Im Grunde lässt sich einfach erklären, warum eine Rassekatze in der Regel deutlich teurer als eine „normale“ Hauskatze ist. Einerseits ist ein seriöser Züchter stets einem Verein angeschlossen und dort kostenpflichtig registriert. Finanziert werden mithilfe der Mitgliedsbeiträge beispielsweise Ausstellungen, Stammbaumerstellungen, Meldungen von Jungtieren und vieles mehr. Ausstellungen und weitere Events werden von vielen Züchtern normalerweise regelmäßig besucht, mitunter auch weltweit. Einerseits soll auf diesem Weg die gelungene Züchtung und Schönheit der Tiere bestätigt werden, andererseits werden errungene Titel aber auch direkt in die Stammbäume eingetragen und sind dementsprechend ein Qualitätsmerkmal. Sie belegen im Idealfall, dass es sich um gesunde und starke Tiere handelt, die dem Rassestandard entsprechend und aus weitentfernten Linien verpaart werden, um wiederum gesunde Kitten zu bekommen.

Die Kosten einer solchen Ausstellung sind nicht zu unterschätzen, laut casa-prima.com belaufen sie sich auf folgende Posten:

  • Pro Tier, Tag und Käfig zwischen 30-70 Euro
  • Meldegebühren je nach Klasse des Tieres zwischen 30-50 Euro
  • Zusätzliche Aufwendungen für Anreise, Übernachtung und Verpflegung
  • Um bei größeren Titeln eine Chance zu haben, müssen außerdem Wettbewerbe im Ausland besucht und gewonnen werden, die die Kosten abermals in die Höhe treiben

Kitten und Jungtiere werden von seriösen Züchtern außerdem entwurmt und geimpft, für die Verpaarung und Ausstellungsbesuche ist ein vollständiger Impfschutz sogar Pflicht und wird vor Ort geprüft. Nicht zu vergessen ist die Tatsache, dass in jedem Katzenhaushalt ab und an einmal ein Tier erkrankt. Zwar handelt es sich dabei meist nicht um ernsthafte Krankheiten, dennoch können diese insbesondere in Züchterhaushalten schnell um sich greifen. Dementsprechend gilt es auch Tierärzte und Medikamente zu zahlen. In sehr seltenen Fällen wird es zudem notwendig, dass der Tierarzt auch bei der Geburt eingreifen muss oder das Muttertier oder gar der komplette Wurf verstirbt.

Züchter müssen demnach eine ganze Menge an festen und variablen Kosten berücksichtigen, sodass sie ihre Tiere schlichtweg nicht für einen zu geringen Preis abgeben können – ansonsten könnten sie ihre Kosten nicht einmal ansatzweise decken. An dieser Stelle wird deutlich, dass die Katzenzucht in der Regel nicht unbedingt ein Beruf oder Hobby zum reich werden ist, vielmehr geht es guten und seriösen Züchtern um das Wohl ihrer Tiere und die gesunde und artgerechte Zucht.

Mittlerweile strömen allerdings immer mehr sogenannte „Massenzüchter“ auf den Markt, die ihre Tiere als Rassekatzen verkaufen, dies jedoch zum billigen Preis und meist auch ohne ordentliche Papiere. Für Käufer werden sie in vielen Fällen schnell zur Kostenfälle, da sie oft aus dem benachbarten Ausland stammen und versteckte Krankheiten einschleppen. Wer sowohl den Tieren als auch Züchtern etwas Gutes tun will, der sollte daher die Finger von allzu günstig verkauften Zuchttieren lassen und sich im Vorfeld über Stammbaum und Zuchterfahrungen informieren.

Tierschutz und Katzenzuchten – ein zweischneidiges Schwert

Heutzutage soll es bereits mehr als 30 standardisierte Katzenrassen geben, die mittels internationaler Zuchtverbände etabliert worden sind. Viele dieser Rassen sind gesund, kräftig und gut entwickelt, jedoch unterliegen einige von ihnen auch ernsten anatomischen Veränderungen, die zum Teil mit Schmerzen oder Behinderungen verbunden sind. An diesem Punkt greift der Paragraf 11b des Tierschutzgesetzes, der besagt, „dass das Züchten mit Wirbeltieren verboten ist, wenn damit zu rechnen ist, dass bei deren Nachkommen erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen, untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten“.

Katzenrassen, die davon betroffen sind, sind mittlerweile zahlreich vertreten, wenn auch nicht so massiv wie etwa bei Hunden. Trotzdem ist die Liste an Rassen mit entsprechenden Krankheitsbildern bereits durchaus ansehnlich und beinhaltet beispielsweise folgende populäre Vertreter:

  • Maine Coon – überzählige Zehen sind häufiger anzutreffen. Bei der amerikanischen Rasse „Superscratcher“ werden sie sogar gezielt gezüchtet.
  • Perserkatzen – gerade bei extrem kurzköpfigen Katzen wie dem Perser kann es zu Anomalien im Gesichtsschädel kommen, die mit einer Verkürzung des Oberkiefers, einer Verengung der Atemwege oder Tränen-Nasen-Kanäle einhergeht. Die betroffenen Einzeltiere sind für das Züchten nicht gestattet. Zudem haben viele rundköpfige Katzen das Merkmal „Entropium“, welches zu einer permanenten Reizung des Auges führt, was wiederum zu Hornhaut- und Bindehautentzündungen führen kann.
  • Rexkatzen, Sphinxkatzen – da diese Katzen über einen gestörten Haarwuchs verfügen oder auch komplett haarlos sind, fehlen einigen von ihnen auch die Tasthaare. Diese dienen eigentlich zur Orientierung, Prüfung von Objekten und der Aufnahme sozialer Kontakte.
  • Reinweiße Katzen mit W-Gen

Wenngleich diese und weitere Züchtungen eigentlich verboten sind, so ist die Formulierung im Tierschutzgesetz laut Deutschem Tierschutzbund derzeit noch zu lasch. Die Behörden haben daher Schwierigkeiten, die Qualzuchten rechtlich zu verfolgen. Zwar gibt es ein entsprechendes Gutachten des Bundesministeriums, dieses stammt jedoch aus dem Jahr 1999 und sowohl Veterinärämter als auch Juristen waren zum damaligen Zeitpunkt häufig mit der Thematik überfordert. Geht es nach dem Tierschutzbund, so soll eine rechtlich verbindliche Verordnung erstellt werden, die klar und eindeutig definiert, was genau eine Qualzucht darstellt. Zudem sollen nicht nur die Zucht, sondern auch die Haltung sowie der Verkauf verboten werden. Auch müssen Kontrollbehörden und Justiz härter durchgreifen, denn aktuell gibt es lediglich Einzelfallentscheidungen vor Gericht.

Bild 1: © Statista 2016 Quelle: ZZF
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