Studie
Klimawandel macht das Bier teurer

Steigende Meere und vermehrte Wetterextreme wie Dürren, Starkregen und Unwetter - die erwarteten Folgen des Klimawandels sind schlimm genug. Nun haben Forscher zumindest für einige Menschen weitere schlechte Nachrichten.

Dienstag, 16.10.2018, 11:42 Uhr aktualisiert: 16.10.2018, 15:32 Uhr
Einer Studie zufolge kann die Erderwärmung künftig zu einem Rückgang der Verfügbarkeit von Gerste und damit zu einem Anstieg der Bierpreise führen.
Einer Studie zufolge kann die Erderwärmung künftig zu einem Rückgang der Verfügbarkeit von Gerste und damit zu einem Anstieg der Bierpreise führen. Foto: Felix Hörhager

East Anglia (dpa) - Bier könnte infolge des Klimawandels knapp undteurer werden. Bei einem ungebremsten Anstieg der Temperaturen würdensich die Bierpreise weltweit im Schnitt etwa verdoppeln, berichtetein internationales Forscherteam im Fachblatt «Nature Plants».

Weniger Gerste

Verantwortlich sei das häufigere gleichzeitige Auftreten von Dürre-und Hitzeperioden während der Wachstumsperiode von Gerste, was dasAngebot an der Brauzutat verknappen würde.

«Die Welt sieht zahlreichen, lebensbedrohlichen Auswirkungen desKlimawandels entgegen; etwas mehr Geld für Bier ausgeben zu müssen,erscheint angesichts dessen vielleicht trivial», sagt StudienleiterSteven Davis von der University of California in Irvine (USA). «Aberes gibt definitiv eine interkulturelle Anziehungskraft von Bier, undam Ende eines zunehmend gewöhnlich heißen Tages kein kühles Bier zubekommen, würde das Ganze noch schlimmer machen.»

34 Weltregionen im Blick

Die Forscher um Davis hatten zunächst auf Basis historischer Datendie Anfälligkeit von Gerste für Wetterextreme ermittelt. Dann prüftensie, wie häufig unter verschiedenen Klima-Zukunftszenariengleichzeitig extreme Hitze und Dürre auftreten und wie sich das aufdie Erntemengen in 34 Weltregionen auswirkt. Sie berücksichtigen dieEntwicklung zwischen 2010 und 2099. Das Resultat: Im Schnitt würdendie Ernteerträge um 3 bis 17 Prozent sinken - je nach Szenario.

Im Jahr 2011 ging etwa 17 Prozent der weltweiten Gersten-Ernte in dieBierherstellung, wobei es zwischen einzelnen Ländern extremeSchwankungen gibt, berichten die Wissenschaftler weiter. In Brasilienseien es etwa 83 Prozent, in Australien nur 9. Mit sinkenderErntemenge dürfte die Verfügbarkeit von Gerste zum Brauenüberproportional sinken, schreiben die Forscher, da das Getreidealler Voraussicht nach für andere, wichtigere Zwecke genutzt werdenwürde, etwa als Tierfutter.

Rückgang des Bier-Konsums

Unter den extremsten klimatischen Veränderungen drohten Ländern wieBelgien, Tschechien oder Deutschland Einbußen in der Verfügbarkeitvon Gerste von 27 bis 38 Prozent. Gleichzeitig würde das denBierpreis deutlich in die Höhe treiben, nämlich durchschnittlichverdoppeln. Selbst unter einem weniger starkem Temperaturanstieg istden Analysen zufolge mit einer Verteuerung von 15 Prozent zu rechnen.

Für Deutschland errechneten die Wissenschaftler einen Rückgang desKonsums zwischen 0,74 und 2,55 Milliarden Litern jährlich, vomgeringsten bis zum stärksten angenommenen Temperaturanstieg. Diesentspräche einem Rückgang des pro Kopf-Verbrauchs von 18 bis 63Halbliter-Flaschen im Jahr.

«Man könnte argumentieren, dass es an sich nicht besonders schlimmist, wenn weniger Bier getrunken wird, sondern sogar gut für dieGesundheit», sagt Dabo Guan, einer der beteiligten Forscher von derUniversity of East Anglia in Norwich (Großbritannien).Nichtsdestotrotz bestünde wenig Zweifel daran, dass sich dieKlimaauswirkungen auf die Verfügbarkeit und den Preis von Bier fürMillionen Menschen auf der Welt schlimm anfühlen dürften.

Was die Studie nicht berücksichtigt

Die Forscher schränken ein, dass ihre Studie Unsicherheiten undSchwächen aufweist. So seien etwa keine denkbaren Anpassungenberücksichtigt, die die Erntemengen auch in Zeiten des Klimawandelsstabilisieren könnten, wie neue Technologien oder die Nutzungangepasster Sorten. Alle Schätzungen beruhten auf derzeitigen Datenzur Weltwirtschaft, Bevölkerung, landwirtschaftlichen Praktiken oderErnährungsgewohnheiten. Das Wachstum der Weltbevölkerung dürfte denBierbedarf allerdings nach Ansicht der Forscher eher noch steigenlassen.

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