Do., 03.03.2016

Plastiktüte ade Nachhaltige Verpackungen immer beliebter

Plastiktüte ade : Nachhaltige Verpackungen immer beliebter

Plastiktüten sind kein kleines Problem für die Umwelt Foto: colourbox.de

Die kostenlose Plastiktüte hat in vielen Teilen Deutschlands ausgedient. Ab dem 1. April sind sie nur noch gegen eine Gebühr erhältlich. Für Verbraucher ist die Plastiktüte ein Segen, denn sie bringt die eingekauften Produkte unversehrt nach Hause. Dort landet die Tüte meist direkt im Mülleimer – und das hat Konsequenzen für die Umwelt. Eine Plastiktüte zerfällt erst nach 100 bis 500 Jahren.

Der Tütenverbrauch in Deutschland nimmt bedenkliche Ausmaße an

Jeder Deutsche verbraucht laut dem Umweltbundesamt jährlich 76 Plastiktüten. Dies entspricht rund 6,1 Milliarden Tüten in ganz Deutschland. In puncto Plastiktütenverbrauch gehört Deutschland gemeinsam mit Spanien, Italien und Großbritannien zu den Spitzenreitern Europas.

Der Tütenverbrauch ist aus dem Grund erschreckend, weil es einer Umfrage zufolge mehr Tüten als Bücher in deutschen Wohnungen vorhanden sind. Der Börsenverein des deutschen Buchhandels fordert aus diesem Grund, dass Maßnahmen zur Reduzierung des Verpackungsmülls umgesetzt werden. Bis 2018 möchte der Verein, dass ein Großteil der Plastiktüten (80 Prozent) nur noch kostenpflichtig erhältlich ist.

Hintergrund der Forderung ist die EU-Plastiktüten-Richtlinie (PDF): Bis Ende 2025 soll der durchschnittliche Plastiktütenverbrauch eines EU-Bürgers auf 40 Stück pro Jahr gesenkt werden.

Alternativen zu Tüten sind erhältlich

Dass die EU mit einer Richtlinie den Einzelhandel praktisch zwingen muss, den Verkauf von Plastiktüten zu begrenzen, scheint kurios. Man möge glauben, dass es keine Alternativen zur Plastiktüten gibt. Doch diese sind seit Jahren erhältlich.

Das Unternehmen MEDEWO besitzt eine große Auswahl an nachhaltigen Tragetaschen in den verschiedensten Formen und Ausführungen. Eine klassische Tragetasche aus Kraftpapier ist zu einhundert Prozent recyclingfähig.

Umweltbewusste Unternehmen können ihren Kunden zusätzlich zu Tragetaschen aus Kraftpapier Mehrwegtaschen verkaufen. Diese bestehen aus einem robusten Vliesstoff, welches reißfest ist.

Verbraucher müssen zur Verwendung von Mehrwegtaschen animiert werden

Die angesprochene Mehrwegtasche findet bei vielen Verbrauchern keine besonders große Popularität, weil es für sie bequemer ist, eine Tüte im Handel zu kaufen. Menschen, die nachhaltig leben, besitzen mindestens eine solche Tasche und führen sie jeden Tag mit sich. Dieses Verhalten empfiehlt das Umweltbundesamt, welches darauf hinweist, dass alles umweltfreundlich ist, was häufig verwendet wird. Von Einkaufstüten aus Biokunststoff ist das Umweltbundesamt nicht überzeugt. Diese Produkte zerfallen nur dann, wenn sie spezielle Bedingungen erfüllen. Aus Sicht des Umweltschutzes ist der Ausstoß von CO2 bei der Produktion von Tüten aus Biokunststoffen im Vergleich zu klassischen Tragetaschen geringer.

Wie Verbraucher animiert werden können, Mehrwegtaschen zu verwenden, zeigt der BUND Bremen in dem kürzlich beendeten Projekt Tasche Statt Tüte. In einem Zeitraum von drei bis 18 Monaten beteiligten sich 16 lokale Händler an dem Projekt. Sie boten Upcycling-Taschen als Alternative zu Plastiktüten an. Drei der Geschäfte führten eine Gebühr für Plastiktüten ein. Die Betreiber der Läden sind davon überzeugt, dass eine gesetzliche Gebühr für einen großflächigen Erfolg nötig ist.

80 Händler bieten Plastiktüte nur gegen Gebühr an

Zu den drei Bremer Geschäften gesellen sich 80 große Händler in ganz Deutschland, die Plastiktüten nur noch gegen eine Gebühr an ihre Kunden abgeben. Mit der Gebühr möchten die Geschäfte den Prozess beschleunigen, die von der EU-Richtlinie geforderte Senkung des Pro-Kopf-Tütenverbrauchs zu erreichen. Zwar sieht die Richtlinie eine Senkung des Verbrauchs vor, gibt jedoch keine Verpflichtungen an, wie diese zu erreichen ist.

Der Handelsverband hat gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium eine freiwillige Selbstverpflichtung initiiert. Ab dem 1. April 2016 sollen 60 Prozent der Plastiktüten gegen eine Gebühr erhältlich sein. Zwei Jahre später ist geplant, die Quote auf 80 Prozent zu erhöhen. Die zweite Vorgabe erfüllen die 80 Unternehmen eigenen Angaben zufolge bereits.

Nachhaltige Tüten sind wertiger und erhöhen das Unternehmensimage

In Deutschland sind Unternehmen tätig, die nur noch nachhaltige Papiertüten anbieten. Insbesondere Anbieter von Designerkleidung können mit hochwertigen Papiertüten ihr Markenimage unterstreichen. Diese Tüten sind nicht nur umweltfreundlich, sie sehen auch hochwertiger aus. Kunden erkennen auf diese Weise, dass sich das Unternehmen für Umweltschutz einsetzt und gleichzeitig nicht beim Verpackungsmaterial spart.

Auf der anderen Seite gibt es Händler, die Umweltschutz betreiben möchten, dabei auf Hürden stoßen. Es gibt Produkte, die so klein sind, dass sie in die Hosentasche passen. Wie vermittelt man aber dem Kunden, dass er dafür keine Tüte braucht, ohne geizig zu wirken? An dieser Stelle müssen Verbraucher an ihrem Umweltbewusstsein arbeiten. Sie könnten dem Händler sagen, dass sie keine Tüte benötigen, ohne ihn in die schwierige Situation zu versetzen, keine Tüte anzubieten.

Heute die Plastiktüte, morgen alle Plastikprodukte

Die Reduzierung der Verwendung von Plastiktüten ist der erste Schritt einer langen Schlacht. Was bringt es, eine nachhaltige Tüte zu verwenden, wenn sie mit in Plastikbehältern aufbewahrten Produkten gefüllt ist? Plastik hat sich zu einem Bestandteil der heutigen Industrie entwickelt. Das Material ist täglich in allen Bereichen des Lebens anzutreffen. Die Auswirkungen sind in der Umwelt erkennbar: Jährlich werden 11,5 Millionen Tonnen Plastik produziert. Davon landen fünf Millionen im Müll. Tausende Tonnen Plastikmüll weltweit verseuchen die Meere und belasten das Ökosystem.

Der BUND hat in einem Ratgeber Tipps zusammengefasst, wie Verbraucher ihren Plastikkonsum reduzieren können.



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