Sonderveröffentlichung

Umwelt
Fossile Brennstoffe: CO2-Abgabe macht Heizen ab 2021 teurer

In Deutschland entstehen pro Jahr durch Heizungen und die Warmwasserzubereitung etwa 120 Millionen Tonnen CO2. Dies entspricht 14 Prozent der gesamten Treibhausemissionen.

Dienstag, 19.01.2021, 06:00 Uhr aktualisiert: 20.01.2021, 11:17 Uhr
Umwelt: Fossile Brennstoffe: CO2-Abgabe macht Heizen ab 2021 teurer
Foto: Colourbox

Um die im Klimaschutzprogramm 2030 bereits im September 2019 von der Regierung definierten Klimaziel zu erreichen, hat der Bundestag deshalb im Oktober 2020 einen höheren CO2-Preis beschlossen.

Die Verteuerung für fossile Brennstoffe wie Kohle, Erdgas und Erdöl soll bei Mietern und Eigentümern zu einem bewussteren Heizen führen und dadurch die CO2-Emissionen verringern. Überdies soll ein Wechsel zu emissionsarmen Heizungstechnologien beschleunigt werden. Sollte das Kalkül der Bundesregierung aufgehen, könnte in vielen Haushalten also schon bald die alte Öl- oder Gasheizung durch eine Infrarotheizung ersetzt werden.

Hohe CO2-Abgabe für Heizungen

Die im Klimapaket der Bundesregierung festgelegte CO2 wird ab 2021 erhoben und steigt bis 2025 gestaffelt wie folgt:

  • 2021: 25 Euro pro Tonne CO2-Emissionen
  • 2022: 30 Euro pro Tonne CO2-Emissionen
  • 2023: 35 Euro pro Tonne CO2-Emissionen
  • 2024: 45 Euro pro Tonne CO2-Emissionen
  • 2025: 55 Euro pro Tonne CO2-Emissionen

Ab 2026 orientiert sich die CO2-Abgabe an der Entwicklung der CO2-Emissionen des Landes.

Mehrkosten privater Haushalte durch die CO2-Abgabe

Laut einer Analyse der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online gGmbH im Auftrag des Bundesumweltministeriums (BMU) liegen die Mehrkosten durch die CO2-Abgabe bei einem durchschnittlichen Haushalte zwischen 25 und 125 Euro im Jahr 2021.

Die Höhe der Mehrbelastung wird bei privaten Haushalten hauptsächlich vom individuellen Heizverhalten, der Qualität der Wärmedämmung des Gebäudes und der Energieeffizienz der Heizungsanlage beeinflusst.

Bei einer 70m² Wohnung in einem Haus mit mangelhafter Wärmedämmung steigen die Heizkosten durch die CO2-Abgabe bei einer Öl- und Gasheizung bis zum Jahr 2025 um bis zu 200 Euro. Deutlich geringe Mehrkosten von etwa 50 Euro erwarten Besitzer eines gut gedämmten Einfamilienhauses, das per Wärmewärme versorgt wird.

Höheres Wohngeld soll Haushalte entlasten

Zur Entlastung von Haushalten mit kleinen Einkommen wurde im Rahmen des Klimapakets eine Erhöhung des Wohngeldvolumens um zehn Prozent ab 2021 beschlossen. Dadurch steigt die Anzahl der wohngeldberechtigten Haushalte um etwa 35.000 auf über 650.000 Haushalte. Prognosen der Bundesregierung gehen im Mittel von einer Erhöhung des Wohngeldanspruchs von 15 Euro pro Monat aus. In den meisten Fällen reicht das höhere Wohngeld also aus, um die Mehrbelastung durch die CO2-Abgabe vollständig zu kompensieren.

Reduzierte EEG-Umlage für niedrigere Strompreise

Außerdem wird die im Erneuerbaren-Energie-Gesetz (EEG) definierte EEG-Umlage reduziert. Alle Privathaushalte und die meisten Unternehmen bezahlen derzeit einen Aufschlag von 6,756 Cent je Kilowattstunde Strom. Dies entspricht etwa einem Viertel des zu zahlenden Strompreises.

In den kommenden Jahren sinkt die EEG-Umlage laut Berechnungen des Bundesfinanzministeriums (BMF) wie folgt:

  • 2021: 2,08 Cent
  • 2022: 1,73 Cent
  • 2023: 1,84 Cent
  • 2024: 2,71 Cent
  • 2025: 3,3 Cent

Die tatsächlich zu zahlende EEG-Umlage pro Kilowattstunde Strom ist noch unbekannt. Berechnungen für die Jahre ab 2021, von denen die Reduzierung im Rahmen der Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung abgezogen, stehen noch aus.

Wie auch die Mehrbelastung durch die CO2-Abgabe sind die Einsparungen durch die Reduzierung der EEG-Umlage abhängig vom individuellen Verbrauch eines Haushalts. Bei einem durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt mit 5.000 kWh Stromverbrauch ist eine Entlastung zwischen 100 und 150 Euro pro realistisch.

Investition in moderne Infrarotheizung sinnvoll?

Wissenschaftler der Technischem Universität Kaiserslautern (TUK) um Dr.-Ing. Peter Kosack veröffentlichten bereits 2008 eine Studie , die den Energieverbrauch von Heizungen mit fossilen Brennstoffen mit einer Infrarotheizung verglich. Sie kamen damals zu dem Ergebnis, dass unter guten Bedingungen der Energieverbrauch der Infrarotheizung lediglich bei 34,1 Prozent des Energieverbrauchs der Gasheizung liegt. 2008 kam die Studie trotzdem zu dem Ergebnis, dass eine Gasheizung noch einen minimalen Kostenvorteil gegenüber einer Infrarotheizung hat.

Im Anbetracht der CO2-Abgabe und der technischen Weiterentwicklung elektrischer Infrarotheizung wird deutlich, dass inzwischen eine Investition in eine moderne Infrarotheizung sinnvoll ist. Zu diesem Ergebnis kam auch Kosack, der bereits 2008 unter Berücksichtigung der Energiepreisentwicklung „eine Infrarotheizung als sinnvolle Alternative zu herkömmlichen Heizsystemen“ bezeichnete.

Im Rahmen verschiedener Förderprogramme können Immobilieneigentümer eine energetische Sanierung, die neben dem Einbau moderner Heizungen auch die Gebäudedämmung und weitere Maßnahmen zum Energiesparen umfasst, teilweise durch staatliche Mittel finanzieren lassen.

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