Außenseiter und starke Frauen
Promi-Geburtstag vom 2. Januar 2017: Todd Haynes

Todd Haynes gehört zu den den experimentierfreudigsten Regisseuren in Hollywood - und erreicht damit auch ein größeres Publikum.

Montag, 02.01.2017, 00:01 Uhr
Todd Haynes beim Filmfestival in Cannes, wo er «Carol» vorstellte.
Todd Haynes beim Filmfestival in Cannes, wo er «Carol» vorstellte. Foto: Sebastien Nogier

Berlin (dpa) - Todd Haynes hat mit Barbie-Puppen gespielt und daraus 1988 den äußerst ungewöhnlichen Kurzfilm «Superstar: The Karen Carpenter Story» gemacht, mit dem der Regisseur erstmals von sich reden machte.

In dem Kultfilm geht es um Karen Carpenter, die zusammen mit ihrem Bruder Richard als die Carpenters in den 70er Jahren riesige Erfolge feierte. Schließlich begann die Sängerin an Magersucht zu leiden, sie starb am 4. Februar 1983 im Alter von nur 32 Jahren.

Aufsehen erregte der schwule Filmemacher mit seinem nicht weniger schrägen ersten Kinofilm «Poison» (1991), der von konservativen Kreisen stark wegen der Sex- und Gewaltszenen und seiner von Jean Genet inspirierten Homoerotik attackiert wurde. Heute gilt «Poison» als ein Meilenstein des «New Queer Cinema».

Dem Underground sollte Todd Haynes, der heute 56 Jahre alt wird, bald verlassen, einer der interessantesten und experimentierfreudigsten Filmemacher ist er gleichwohl geblieben. Einem größeren Publikum bekannt wurde er mit Filmen wie «I'm Not There» (2007) über das Leben von Bob Dylan, «Velvet Goldmine» (1998), einer Hommage an David Bowie und die Ära des Glam-Rock und mit der Emmy-prämierten TV-Serie «Mildred Pierce» (2011) mit Oscar-Preisträgerin Kate Winslet.

Dass Haynes nichts mit dem Mainstream zu tun hat, dass zeigte er vor allem in seinem kaleidoskopartigen Dylan-Porträt «I'm Not There». Gleich sechs Schauspieler - darunter Heth Ledger, Cate Blanchett und Richard Gere - verkörpern den Song-Poeten und Protestsänger. Eine ungewöhnliche, aber großartig gelungene Annäherung an einen Exzentriker, der sich allen einfachen Deutungen immer wieder entzieht.

Es sind vor allem Außenseiter, die im Mittelpunkt der Werke von Todd Haynes stehen - und starke Frauen. Dabei gehören Cate Blanchett und Julianne Moore zu seinen Lieblingsschauspielerinnen.

Cate Blanchett spielt auch eine der Hauptrollen in dem Drama «Carol», das in diesem Jahr für sechs Oscars nominiert war, aber bei der Preisverleihung leer ausging. Voller Eleganz und mit viel Zeit erzählt Todd Haynes nach der Romanvorlage von Patricia Highsmith von einer lesbischen Liebe in den 50er Jahren - an der Seite von Cate Blanchett brilliert Rooney Mara.

Nach «Dem Himmel so fern» (2002), in dem Julianne Moore die Hauptrolle spielte, widmete sich Haynes damit erneut der Prüderie, der Doppelmoral und den damit verbundenen Ressentiments und Repressalien der 50er Jahre in den USA .

Hier ist ein Regisseur, der in seinen Filmen immer wieder Stellung bezieht und seine Stimme gegen Rassismus und Intoleranz erhebt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4533118?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686138%2F2686278%2F
Nachrichten-Ticker