Schriftstellerin
Promi-Geburtstag vom 18. Dezember 2017: Katja Behrens

Die Schriftstellerin Katja Behrens aus Darmstadt widmet sich ganz unterschiedlichen Themen: der Natur vor ihrer Haustür oder dem Philosophen Moses Mendelssohn. Sie hat noch einiges vor.

Montag, 18.12.2017, 00:01 Uhr
Katja Behrens wird 75 - Aufhören ist kein Thema für die Schriftstellerin.
Katja Behrens wird 75 - Aufhören ist kein Thema für die Schriftstellerin. Foto: Claus Völker

Darmstadt (dpa) - Katja Behrens aus Darmstadt wird 75. Wer von der Schriftstellerin anlässlich ihres Geburtstages am 18. Dezember wissen will, ob Freunde sie fragen, was sie noch alles vorhat, bekommt zur Antwort: «Die wissen, dass man mich nicht danach fragt.»

Eines aber verrät sie: Aufhören als Autorin will sie nicht. «Wie komme ich dazu?», schmunzelt sie.

In ihr Leben als Schriftstellerin ist die in Berlin geborene Autorin hineingewachsen. «Mein Großvater hat in Berlin die Zeitschrift 'Die Dame' geleitetet», erzählt sie. «Meine Mutter hat geschrieben, bis sie es in der NS-Zeit nicht mehr durfte, weil sie Jüdin war.»

Schutz vor den Nationalsozialisten fand Behrens in Österreich bei einem Pfarrer. «Wir sind untergebracht worden, meine Großmutter, meine Mutter und ich.» Schließlich kam sie nach Darmstadt. «Ich war von 1973 bis 1978 Lektorin im Literaturverlag Luchterhand. Der war damals in Darmstadt. Dann habe ich gekündigt, um schreiben zu können.»

Nach der Verlagsarbeit begann ihre Zeit als freiberufliche Autorin. Ihr Debüt legte sie 1978 vor, den Erzählband «Die weiße Frau». Zu ihren Veröffentlichungen gehört auch «Der Roman von einem Feld» (2007), «ein Thema vor meiner Haustür». Literarisch verarbeitet hat sie das Oberfeld in Darmstadt, das von Landwirtschaft geprägt ist und ein beliebtes Ziel für Naherholung ist.

Zwei Jahre später, 2009, erschien der Roman «Der kleine Mausche aus Dessau - Moses Mendelssohns Reise nach Berlin im Jahre 1743». Ein Buch für junge Leser, das in die Kindheit des später bedeutenden Philosophen der Aufklärung (1729-1786) führt. Es erschien in der Reihe Hanser beim Verlag dtv. «Dass Katja Behrens auch für junge Leser schreibt, ist ein Glücksfall, und das nicht nur, weil sie schwierige Themen anfasst und etwa Moses Mendelssohn zum Helden eines kleinen Bildungsromans macht», teilte Gabriele Leja von der Programmleitung mit. «Viel entscheidender ist, wie sie es versteht, ihre jungen Leser zu berühren und ihnen in vielerlei Hinsicht 'ferne' Menschen ganz nah vor Augen zu stellen. Bei nicht wenigen Verfassern sogenannter historischer Jugendromane wünschte man sich, sie könnten das auch.»

Warum greift Behrens so unterschiedliche Themen auf? «Weil es mich interessiert», erzählt sie. Nach einem Thema suchen müsse sie eigentlich nicht. «Das fällt einem zu.» An mehreren Büchern gleichzeitig arbeite sie nicht. Sie nehme sich lieber ein Thema nach dem anderen vor.

Auch heute noch bleibe sie konsequent am Schreiben dran. «Aufstehen, frühstücken, und dann an die Arbeit gehen», beschreibt sie ihren Tagesablauf. Es sei nicht gleich jedem klar gewesen, dass Schreiben auch Disziplin bedeutet. «Wenn früher Freunde gedacht haben, die hat ja Zeit, habe ich heftig reagiert. Ich bin heute nach wie vor so diszipliniert wie immer.»

Ob sie eine Erzählung oder einen Roman schreibe, «hängt immer vom Thema ab». Dann wolle sie aber auch dranbleiben. «Man braucht immer eine Verbindung zum Text.» Die dürfe nicht abreißen. Sie schreibe acht Stunden am Tag, mit Füller, Kugelschreiber, Laptop: «Mal so, mal so.»

Die Autorin ist seit 1987 Mitglied der Schriftstellervereinigung PEN. Zwischen 2007 und 2009 war sie Vizepräsidentin des PEN-Zentrums Deutschland sowie die «Writers-in-Prison»-Beauftragte. Dieses Programm setzt sich für unterdrückte Autoren weltweit ein. «Das hat mich viel Zeit gekostet.»

Für ihre Arbeit hat Behrens Auszeichnungen bekommen, etwa den Thaddäus Troll Preis 1982, den von der Stadt Wiesbaden verliehenen George-Konell-Preis (2002), den Eugen Viehof-Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung (2002). 2015 erhielt sie für ein Jahr das Literaturstipendium «Turmschreiber» in Darmstadt.

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